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Es war ein kalter Januarabend in Hull, aber die 34.362 Zuschauer im Stadion hatten keine Zeit, sich über die Temperaturen zu beklagen. Die Hull Tigers boten beim 4:1-Sieg über Ashford Town am 15. Spieltag der 2. Liga England ein Fußballfest - mit allem, was dazugehört: frühes Feuerwerk, zwischenzeitliches Zittern und ein furioses Finish. Schon in der 9. Minute ging es los: Cesc Zapatero, der Mann mit dem Temperament eines Flamenco-Tänzers und der Präzision eines Uhrwerks, zog nach einem Pass von Rechtsverteidiger Christopher Hoskins von links in die Mitte und schlenzte den Ball ins lange Eck. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball rein muss", grinste Zapatero nach dem Spiel und deutete auf seine Schuhe. "Neue Stollen, alte Magie." Ashford Town zeigte sich davon unbeeindruckt - zumindest äußerlich. Trainer David Reichart hatte sein Team offensiv eingestellt, die Gäste suchten früh das Risiko. Doch was nützt Offensivgeist, wenn die Defensive die Einladung zum Gegentor gleich mitliefert? Hulls Pressing war zwar erst spät im Spiel wirklich aktiv, aber die Gastgeber gewannen fast 54 Prozent ihrer Zweikämpfe und hielten den Ballbesitz ausgeglichen (50,3 zu 49,7 Prozent). Bis zur Pause blieb es beim 1:0, obwohl die Tigers mit 10:3 Schüssen auf das Tor schon in der ersten Halbzeit deutliche Überlegenheit zeigten. "Wir hätten schon zur Halbzeit 3:0 führen müssen", knurrte Hull-Coach Mathias Oergel. "Aber meine Jungs wollten’s wohl spannend machen." Und spannend wurde es tatsächlich. In der 57. Minute nutzte Ashford eine kurze Unordnung in der Hull-Defensive: Logan Ashton, der flinke Linksaußen der Gäste, traf nach einem schnellen Angriff über die Mitte zum 1:1-Ausgleich. Plötzlich war das Stadion still - für ganze 30 Sekunden. Dann kam die Antwort. Nur zehn Minuten später, in der 67. Minute, brachte Jürgen Petersen, gerade erst eingewechselt, die Tigers wieder in Führung. Der 20-Jährige traf nach feinem Zuspiel von Agemar Conceicao trocken ins rechte Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Petersen später lachend zu. "Aber wenn’s so aussieht, als wäre es Absicht, sag ich natürlich nix dagegen." Ab da spielten die Tigers wie entfesselt. Christopher Hoskins, eigentlich ein Verteidiger, wurde zum Publikumsliebling des Abends, als er in der 83. Minute selbst einnetzte - und das nach einer sehenswerten Kombination mit Billy Chamberlain. Hoskins jubelte mit beiden Armen in der Luft, als wäre er gerade Torschützenkönig geworden. "Ich wusste gar nicht, dass ich schießen darf", witzelte er nach Abpfiff. Zwei Minuten später machte Chamberlain selbst den Sack zu. Nach Vorlage von Conceicao drosch der 22-Jährige den Ball aus kurzer Distanz ins Netz - 4:1, und das Stadion stand Kopf. "Da war’s vorbei, die Jungs hatten einfach Lust auf Fußball", sagte Trainer Oergel, der an der Seitenlinie mit einem breiten Grinsen stand, als wäre er gerade zum Aufstiegstrainer gekrönt worden. Ashford Town versuchte bis zum Schluss, noch ein wenig Ergebniskosmetik zu betreiben, doch Torwart Joel Eliot im Hull-Gehäuse blieb aufmerksam. Die Gäste kamen insgesamt nur auf sieben Torschüsse - und davon war kaum einer wirklich gefährlich. "Wir haben den Mut gehabt, aber nicht die Präzision", seufzte Coach Reichart. "Und Präzision gewinnt eben Spiele, nicht Mut." Ein paar Randnotizen: Hulls Linksverteidiger Charlie Henderson sah in der 49. Minute Gelb, nachdem er offenbar vergessen hatte, dass Trikotzupfen kein olympischer Kampfsport ist. Kurz darauf wurde er ausgewechselt - vermutlich, um die Statistik nicht weiter zu verschönern. Die Einwechslung von Jürgen Petersen in der 61. Minute erwies sich dagegen als Glücksgriff. Die Statistik spricht ohnehin eine klare Sprache: 19 Torschüsse der Tigers, 50 Prozent Ballbesitz, aber deutlich mehr Durchschlagskraft und Effizienz. Hull war in jeder Phase Herr im eigenen Haus. Nach dem Spiel herrschte ausgelassene Stimmung. Zapatero und Chamberlain tanzten vor der Fankurve, während Coach Oergel mit verschränkten Armen lächelte. "Ich sag’s ungern, aber das war heute fast zu schön, um wahr zu sein", meinte er, halb ernst, halb ironisch. "Wenn sie jetzt auch noch anfangen, hinten sicher zu stehen, dann wird mir langweilig." Ein sarkastischer Kommentar, der die Gemütlichkeit des Abends perfekt traf. Hull siegt souverän, Ashford kämpft tapfer - und die Fans gehen mit warmem Herzen nach Hause. Fußball kann so einfach sein, wenn man ihn so spielt, wie die Tigers es an diesem Abend taten: mit Mut, Witz und einem Hauch Wahnsinn. 30.06.643987 03:57 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York