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Wenn man 31.746 Zuschauer in den kühlen Januarabend lockt, muss man liefern. Und die Hull Tigers lieferten - mit einem 3:0 gegen ein völlig überfordertes Midlands Villa, das sich über weite Strecken eher in Selbstverteidigung übte als in Fußball. Drei Tore, 21 Torschüsse, ein verletzter Mittelfeldmann und ein Trainer, der nach Abpfiff so gelassen grinste, als hätte er das schon vor dem Anpfiff geahnt: Mathias Oergel hat mit seinen Tigers am 6. Spieltag der 2. Liga England ein Statement gesetzt. Die Partie begann, wie man sie in Hull liebt - laut, intensiv und mit einem Paukenschlag. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, flatterte der erste Ball schon im Netz: Connor Wiltshire traf in der 3. Minute nach feinem Zuspiel von Max Lujan, der sich über links durchgetankt hatte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Lujan lachend später, "aber Connor ist halt da, wo’s brennt." Ein frühes 1:0, das Midlands Villa kalt erwischte - oder besser gesagt: einfrohr. Denn während Hull mit Mut und Tempo über die Flügel kam, suchten die Gäste vergeblich nach ihrem Plan A. Trainer Ron Li hatte sein Team offensiv eingestellt, auf Konter und lange Bälle ausgelegt. Das Problem: Wenn man den Ball nie hat, kann man auch nicht kontern. Hulls Ballbesitz lag bei knapp 51 Prozent, aber gefühlt war er bei 80. In der 26. Minute folgte das 2:0 durch einen Mann, den wohl nur wenige auf der Torschützenliste erwartet hatten: Linksverteidiger Charlie Henderson. Nach einer Ecke von Tyler Edwards fasste er sich ein Herz und drosch den Ball aus 20 Metern ins Netz. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste der Defensivmann. "Normalerweise sag ich den Jungs, sie sollen das lassen. Heute sag ich: weiter so", kommentierte Trainer Oergel trocken. Midlands Villa hatte bis zur Pause genau einen einzigen Torschuss. Ein harmloser Versuch des jungen Lucas Nicksay in der 36. Minute, der irgendwo in der Nähe des Eckfahnenpfostens einschlug. Mehr kam nicht. Stattdessen sammelte Rechtsverteidiger Xavi Vasquez kurz vor der Pause eine Gelbe Karte - sinnbildlich für ein Team, das mehr grätschte als spielte. Nach der Pause brauchte Hull keine Anlaufzeit. 46. Minute, Ecke Hernando, und Günther Götz - der quirlige Linksaußen mit der blonden Mähne - nickte zum 3:0 ein. Der junge Deutsche rannte jubelnd zur Bank, wo Oergel ihm kurz zunickte. "Er hat’s genau so trainiert", sagte der Coach später. "Vielleicht sollte ich das öfter sagen, dann glauben sie’s irgendwann." Danach war die Partie entschieden, auch wenn Hull weiter nach vorne spielte, als ginge es um die Meisterschaft. Max Lujan prüfte den Torhüter Clancy gleich mehrfach (54., 57., 60., 76., 85. Minute), ohne dass der Ball noch einmal über die Linie ging. Midlands Villa reagierte mit Pressingversuchen, die von Hulls Passsicherheit charmant ausgehebelt wurden. Ein kleiner Wermutstropfen kam in der 60. Minute: Antonio Hernando musste nach einem Zweikampf verletzt raus. "Er hat was am Knöchel, wir hoffen, es ist nichts Schlimmes", sagte Oergel später. Kurz zuvor hatte Innenverteidiger Isaac Lankford Gelb gesehen - ein Beweis, dass auch die Tigers in puncto Härte mithalten konnten. Während Ron Li an der Seitenlinie wild gestikulierte, seine Jungs immer wieder nach vorne schickte ("Spielt! Spielt doch endlich!"), blieben seine Worte ungehört. Zwei kümmerliche Abschlüsse in 90 Minuten sind die bittere Bilanz. Der junge Callum Reacock hatte in der 62. Minute den zweiten Versuch - Hull-Keeper Joel Eliot musste immerhin einmal zupacken. Nach Abpfiff war die Stimmung eindeutig. "Das war heute Männerfußball", sagte Oergel mit einem Augenzwinkern, "und wir hatten die Männer." Sein Gegenüber Ron Li hingegen wirkte frustriert, aber gefasst: "Wir lernen. Wir sind jung. Aber heute war das wie ein Crashkurs in Demut." Die Fans verabschiedeten ihre Tigers mit stehenden Ovationen - und vielleicht auch mit der Gewissheit, dass hier mehr entsteht als nur ein guter Abend. Drei verschiedene Torschützen, 21 Schüsse, 3 Tore, kein Gegentor - das klingt nach Balance, Disziplin und Selbstvertrauen. Vielleicht ist es übertrieben, aber wer den Gesichtsausdruck von Günther Götz beim Abgang sah, konnte ahnen: Die Tigers wollen mehr. Und wenn sie so weiterspielen, wird die Liga bald wissen, was "mehr" bedeutet. Oder wie Charlie Henderson es trocken formulierte, als er in der Mixed Zone verschwand: "Manchmal läuft’s einfach. Und manchmal spielt man gegen Midlands Villa." 17.03.643987 23:00 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob wir mit der Variante 6A, 17C oder 2B spielen.
Rainer Bonhof zur möglichen Aufstellung gegen das damalige Jugoslawien bei der WM 98