// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Es war einer jener Abende, an denen man sich fragt, ob Oxford City überhaupt mitbekommen hat, dass das Spiel schon begonnen hatte. 33.209 Zuschauer im KCOM Stadium sahen am Freitagabend ein Spektakel, das man besser als Lehrvideo für Offensivfußball archiviert. Die Hull Tigers zerlegten die Gäste aus Oxford mit 7:0 (3:0), und das sogar ohne sichtbare Anstrengung. "Wir wollten einfach Spaß haben", grinste Hulls Trainer Mathias Oergel nach der Partie - und man konnte ihm glauben. Die ersten Minuten wirkten harmlos, fast höflich. Doch dann kam Minute 13, und Billy Chamberlain tat, was Flügelspieler eben tun: Er zog einfach mal ab - 1:0. Oxford-Keeper Dylan Madigan, zarte 19 Jahre jung, sah den Ball vermutlich erst, als er hinter ihm einschlug. Eine Minute später legte Marvin Eder nach - und das war der Beginn einer One-Man-Show, die in Hull wohl noch Jahre erzählt werden wird. "Ich hab einfach weitergemacht, weil keiner mich aufhalten wollte", sagte Eder später, und es klang nicht überheblich, sondern schlicht ehrlich. Der bullige Mittelstürmer traf insgesamt fünfmal (14., 65., 69., 74. und 92. Minute) - und jeder Treffer schien leichter als der vorherige. Zwischendrin durfte auch Connor Wiltshire (26.) einen einschieben, nach schöner Vorarbeit von Günther Götz. Zur Halbzeit stand es 3:0, und man hatte das Gefühl, Oxford-Coach David Klockzien würde am liebsten schon die Busmotoren warmlaufen lassen. "Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, sie sollen einfach rausgehen und das Beste daraus machen", seufzte er später. Das klang wie ein Mann, der genau wusste, dass das Beste an diesem Abend vielleicht ein pünktlicher Schlusspfiff sein würde. Die Statistik am Ende liest sich wie ein schlechter Scherz: 21 Torschüsse für Hull, gerade einmal zwei für Oxford. Ballbesitz fast ausgeglichen - 51 zu 49 Prozent -, doch das war Augenwischerei. Denn immer, wenn die Gäste den Ball hatten, wussten sie offenbar nicht, was damit anzufangen war. Hull dagegen spielte, als hätte jemand den Schwierigkeitsgrad auf "Einsteiger" gestellt. In der 65. Minute folgte Eders zweiter Streich, ein überlegter Abschluss nach Vorarbeit von Alexander Bancroft - technisch sauber, mit der Präzision eines Uhrwerks. Vier Minuten später legte er erneut nach, diesmal nach Pass von Lewis Payne. Trainer Oergel stand da mit verschränkten Armen, grinste und schien kurz zu überlegen, ob er Eder nicht lieber auswechseln sollte, um Oxford eine Chance zu lassen. Tat er aber nicht. "Wir wollten offensiv spielen, das war der Plan - und der Plan ist aufgegangen", kommentierte Oergel trocken. Tatsächlich war die Taktik klar: Offensiv, aggressiv, keine Gnade. Die Tigers spielten mit einer Wucht, die man sonst nur in Pokalspielen gegen unterklassige Gegner sieht. Oxford versuchte zwar tapfer mitzuhalten, aber nach dem 5:0 war jeder Widerstand gebrochen. Im Gästeblock wurde es still, und selbst die Heimfans begannen irgendwann, Mitleid zu zeigen - oder zumindest so zu tun. In der 74. Minute vollendete Eder seinen Hattrick, vorbereitet von Antonio Hernando. Als derselbe Hernando in der Nachspielzeit noch einmal querlegte und Eder sein fünftes Tor erzielte, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. "Ich wusste gar nicht, dass es schon fünf waren", sagte Eder lachend, "ich dachte, das vierte war erst mein drittes." Oxford City hingegen wirkte wie im falschen Film. Ein paar wütende Grätschen - zwei Gelbe Karten (Hunt, Connolly) - änderten nichts mehr an der Demütigung. Der junge Torwart Madigan wurde nach Abpfiff von seinen Mitspielern getröstet, während Eder von allen Seiten beglückwünscht wurde. "Das war heute eine Machtdemonstration", fasste Oergel zusammen, "aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht abheben." Ganz so, als hätte irgendjemand in Hull noch Bodenhaftung nötig. Trainer Klockzien dagegen versprach, seine Mannschaft "mental wieder aufzubauen". Vielleicht hilft ein Wochenende ohne Ballkontakte. Am Ende blieb das Gefühl, dass die Tigers an diesem Abend fast alles richtig machten - und Oxford City fast alles falsch. Oder, um es mit den Worten eines Fans auf der Tribüne zu sagen: "Wenn das ein Prüfungsspiel war, hat Oxford gerade die Nachprüfung gebucht." Ein Spiel zum Schwelgen für Hull, zum Vergessen für Oxford - und für Marvin Eder ein Abend, den man nicht so schnell wiederholt. Es sei denn, er spielt demnächst gegen Oxford City. 18.07.643993 19:40 |
Sprücheklopfer
Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel.
Lukas Podolski