Football Today
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Hull Tigers zittern sich zum 2:1 gegen Barrow AFC

Ein lauer Sommerabend, 43.500 Zuschauer im prall gefüllten Stadion von Hull, und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, ihre taktischen Lehrbücher über Bord zu werfen. Am Ende jubelten die Hull Tigers über ein 2:1 gegen Barrow AFC - ein Sieg, der mehr mit Nervenstärke als mit Statistik zu tun hatte.

Dabei hatte Barrow spielerisch eigentlich alles im Griff. 56 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, ein Pressing, das in der Schlussphase fast zu einem Belagerungszustand führte. Doch Fußball ist kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Ergebnisgeschäft - und die Tigers waren eiskalt, wenn es darauf ankam.

Schon in der 14. Minute brachte Mihai Vladoiu die Gastgeber in Führung. Nach feiner Vorarbeit von Emil Musiala - ja, der Cousin des berühmten Namensvetters - drosch Vladoiu den Ball mit links in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Torschütze später, "aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Trainer Mathias Oergel kommentierte trocken: "So trainieren wir das jeden Donnerstag - unabsichtlich treffen."

Barrow ließ sich davon nicht beeindrucken. Florian Wirtz (nicht der aus Leverkusen, aber fast so quirlig) und Owen Gage prüften mehrfach den Hull-Torwart Joel Eliot, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, sich zum Publikumsliebling zu befördern. Acht Paraden, davon zwei spektakulär aus nächster Nähe - Eliot war der Grund, warum die Tigers mit einer knappen 1:0-Führung in die Pause gingen.

"Wir hätten zur Halbzeit 3:1 führen müssen", knurrte Barrow-Coach Ingo Königs später. "Aber wenn du das Tor nicht triffst, hilft dir auch kein Ballbesitz." Recht hatte er. Sein Team kombinierte sich bis zum Strafraum, dann kam der berühmte letzte Pass - und blieb irgendwo zwischen den Schuhen von Hulls Innenverteidiger Federico Sorbo San Basile hängen.

Kurz nach der Stunde brachte Oergel frisches Blut: Hayman für Lewandowski, Korkut für Lankford - und siehe da, der zweite Treffer fiel prompt. In der 65. Minute setzte sich Billy Chamberlain auf der rechten Seite durch, flankte präzise und Dominique Corey köpfte zum 2:0 ein. "Der Ball war so gut, ich musste nur noch den Kopf hinhalten", sagte Corey. "Und hoffen, dass ich ihn nicht verfehle."

Barrow reagierte mit Wut, Leidenschaft und drei Gelben Karten. Taylor Musgrave (62.) und Alexandru Georgescu (69.) durften sich über Erinnerungszettel des Schiedsrichters freuen. Der eingewechselte Freddie Hannigan versuchte, das Mittelfeld zu ordnen, während vorne Owen Gage weiter auf den Lucky Punch hoffte.

Und tatsächlich, in der 93. Minute traf Gage noch zum 2:1, nach Vorlage von Bernardo Contreras. Ein Tor, das mehr als verdient war - und Hull plötzlich zittern ließ. Torwart Eliot brüllte seine Abwehr zusammen, Trainer Oergel trat nervös gegen die Wasserflasche ("die hat’s verdient"), und die 43.500 Fans beteten kollektiv zum Abpfiff.

Als der endlich kam, atmete ganz Hull auf. Die Tigers hatten es geschafft - mit 44 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Herzblut. "Wir sind eben keine Ballbesitzmannschaft", meinte Oergel nach dem Spiel. "Wir sind eine Ergebnis-Mannschaft."

Barrow-Coach Königs hingegen schüttelte nur den Kopf: "Wenn Fußball gerecht wäre, hätten wir das Ding 4:2 gewonnen. Aber Fußball ist halt ein mieser kleiner Clown."

Und so blieb Barrow trotz starker Leistung punktlos, während Hull sich über drei Zähler freute, die wohl eher durch Effizienz als durch Eleganz zustande kamen. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit einem Lächeln - und vielleicht einem kleinen Stoßgebet, dass die Tigers beim nächsten Mal etwas weniger zittern müssen.

Ein älterer Herr auf der Tribüne brachte es zum Schluss auf den Punkt: "Die spielen manchmal wie Katzen auf Valium - aber am Ende fangen sie die Maus doch noch." Ein Satz, der in Hull wohl in Stein gemeißelt werden könnte.

04.12.644002 14:58
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