Aamulehti
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Hunt trifft früh, Carmody antwortet spät - Gerechtes Remis im finnischen Winter

Es war ein Abend, an dem der Atem gefror, aber die Gemüter schnell erhitzt waren. 20.459 Zuschauer trotzten am 4. Spieltag der 1. Liga Finnland der Januarkälte von Jyväskylä, und sie wurden mit einem 1:1 zwischen FF Jyväskylä und FF Lahti belohnt - einem dieser Spiele, bei denen man nicht weiß, ob man von verpassten Chancen oder kämpferischer Moral sprechen soll.

Ricky Zinn, der sonst stoische Trainer der Hausherren, stand schon nach wenigen Minuten mit hochrotem Gesicht an der Seitenlinie - diesmal allerdings vor Freude. In der 12. Minute zirkelte Routinier Samuel Hunt, 35 Jahre jung und immer noch mit der Eleganz eines Mannes, der keine Eile kennt, den Ball nach feiner Vorarbeit von Joao da Costa unhaltbar ins rechte Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Hunt später. "Joao hat mir den Ball so serviert, dass ich gar nicht anders konnte."

Jyväskylä spielte in der ersten Halbzeit, was man gemeinhin als "kontrollierte Offensive" bezeichnet - 16 Torschüsse insgesamt, 47,9 Prozent Ballbesitz, aber deutlich mehr Initiative als der Gegner. FF Lahti wirkte zunächst wie ein Gast, der sich noch nicht ganz sicher war, ob er überhaupt eingeladen war. Doch das Team von Coach Harri Sjölund (nein, nicht verwandt mit Heikki Sjölund, der bei Jyväskylä auflief - oder vielleicht doch?) fand nach einer halben Stunde besser ins Spiel.

"Wir wollten ruhig bleiben", sagte Lahti-Spielmacher Essi Kuqi, der mit 21 Jahren das Zentrum erstaunlich abgeklärt ordnete. "In Jyväskylä rennen sie dir gleich in der ersten Viertelstunde die Lunge aus dem Leib. Da hilft nur: tief durchatmen und den Ball laufen lassen."

Das gelang nach der Pause deutlich besser. In Minute 59 kombinierten sich Mika Uusimäki und Benjamin Carmody auf der rechten Seite durch, Uusimäki flankte halbhoch, und Carmody schoss trocken zum 1:1 ein - sein dritter Treffer in dieser Saison. "Manchmal reicht ein einziger Moment, um den Reporter zum Schweigen zu bringen", witzelte Carmody nach der Partie. "Ich hoffe, Sie haben kurz gezögert, was zu schreiben."

Oh, das haben wir. Denn während Jyväskylä weiterhin auf das zweite Tor drängte - Hunt, Domingo und der unermüdliche Heikki Sjölund feuerten, was das Zeug hielt -, blieb der Ballbesitzvorteil der Gäste ein trügerischer. Lahti hatte mit 52 Prozent zwar mehr vom Ball, aber deutlich weniger vom Spiel. Torwart Seppo Sauso, gerade einmal 20, avancierte mit mehreren Paraden zum stillen Helden. Als er in der 80. Minute einen wuchtigen Kopfball von Leah Vollach, eigentlich Innenverteidigerin, aus dem Winkel fischte, raunte ein älterer Zuschauer auf der Haupttribüne: "Der Junge hat Spinnenarme!"

In den Schlussminuten wurde es noch einmal wild. Bailey Preston verletzte sich in der 90. Minute unglücklich im Zweikampf, musste ausgewechselt werden - für ihn kam der 17-jährige Brandon Barre zu seinem Debüt. "Ich hatte keine Ahnung, dass ich überhaupt im Kader bin", gab Barre hinterher lachend zu, während Trainer Zinn ihn väterlich auf die Schulter klopfte.

Lahti sah in den letzten Sekunden noch Gelb - Mika Uusimäki hatte zuvor nicht nur die Vorlage gegeben, sondern auch bewiesen, dass er im Zweikampf nicht zimperlich ist. "Er hat mich nur leicht berührt", meinte Aitor Nene augenzwinkernd, "aber irgendwie bin ich trotzdem drei Meter geflogen."

Nach dem Schlusspfiff - und einem kurzen Handschlag zwischen den Trainern - wirkte Ricky Zinn hin- und hergerissen: "Ein Punkt ist zu wenig, wenn man sechzehnmal aufs Tor schießt. Andererseits - wenn man den Ball nicht reinmacht, hilft auch kein Taktikbrett der Welt." Sein Gegenüber hielt dagegen: "Wir sind zufrieden. Ein Auswärtspunkt in Jyväskylä ist wie eine Sauna ohne Aufguss - nicht schön, aber effektiv."

Statistisch betrachtet war es tatsächlich ein Spiel der Gegensätze: Jyväskylä mit mehr Schüssen, aggressiverem Auftreten und spürbar höherem Einsatz, Lahti mit klarem Ballbesitz und stoischer Geduld. Zwei Philosophien, die sich an diesem frostigen Abend gegenseitig neutralisierten.

Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte - mit dampfendem Atem, klammen Fingern und der Erkenntnis, dass Fußball in Finnland auch im Januar funktioniert. Vielleicht nicht schön, aber ehrlich.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn schon kein Sieg, dann wenigstens Gefühl in den Zehen behalten." In Jyväskylä gilt das als Erfolg.

05.03.643987 02:40
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