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Ein lauer Sommerabend, 32.994 Zuschauer, ein Stadion voller Hoffnung und am Ende Gesichter zwischen Wut, Fassungslosigkeit und der typisch uruguayischen "Das kann doch nicht wahr sein"-Gestik: Huracan Arena und CD Cerrense trennten sich am 7. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 2:2 (0:1). Ein Ergebnis, das für beide Seiten wie ein halber Sieg - oder eine halbe Katastrophe - schmeckte. Dabei hatte alles so gut für die Gäste begonnen. Schon in der 25. Minute traf der junge Kay Schäfer nach feinem Zuspiel von Riley Anderson zum 0:1. Der 21-Jährige, sonst eher als Flügelstürmer mit Hang zur Eigenbrötelei bekannt, zeigte dieses Mal Teamgeist - und Zielwasser. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn man’s nicht versucht, geht er auch nicht rein", grinste Schäfer später, als wäre er gerade beim Bolzplatz um die Ecke. Huracan wirkte davon zunächst beeindruckt. Zwar kamen Dimas Etxebarria und Manuel Pinto immer wieder zu Abschlüssen, doch Cerrenses Keeper Thierry Benveniste hatte einen dieser Tage, an denen selbst ein flatternder Plastikbecher gefährlich aussah, aber keiner reinging. Nach dem Seitenwechsel schien Huracan-Coach (dessen Name im Protokoll seltsam fehlte - vielleicht wollte er nach dieser ersten Hälfte anonym bleiben) die richtigen Worte gefunden zu haben. Die Gastgeber kamen mit Wucht aus der Kabine, 48 Prozent Ballbesitz hin oder her, und erhöhtem Mut zur Offensive. In der 70. Minute war es dann soweit: Raul Gomes, der unermüdliche Linksaußen, versenkte eine Vorlage von Pinto zum 1:1. "Ich hab’ einfach gespürt, dass der Moment kam. Und dann kam er wirklich", philosophierte Gomes später - kurz bevor er sich in der 86. Minute bei einem Zweikampf verletzte und ausgewechselt werden musste. Doch Huracan hatte Blut geleckt. Zwölf Torschüsse insgesamt, eine ordentliche Portion Kampfgeist und Dimas Etxebarria, der in der 84. Minute das Stadion zum Beben brachte. Nach einem sehenswerten Pass von Michael Lankford drosch der Baske den Ball unhaltbar unter die Latte - 2:1! Die Arena tobte, der Trainer ballte die Fäuste, und irgendwo zwischen den Rängen rief jemand: "Jetzt bloß kein Huracan-Ende!" - prophetische Worte, wie sich herausstellen sollte. Denn Cerrense gab sich nicht geschlagen. Trainer Leahcim Gnipeur, sonst bekannt für stoische Ruhe, brüllte seine Männer nach vorne. "Wir sind besser, wenn wir hinten liegen", soll er später mit einem schiefen Lächeln gesagt haben. Und tatsächlich, in der 93. Minute - als viele Fans schon auf dem Weg zum Parkplatz waren - passierte das Unvermeidliche: Riley Anderson traf nach Zuspiel von Samuel Cunningham zum 2:2. Der Jubel der Gäste erinnerte an einen Pokalsieg, während auf der anderen Seite Spieler wie versteinert auf den Rasen starrten. Die Statistik passte zum Spiel: 12:7 Torschüsse für Huracan, leicht mehr Ballbesitz für Cerrense, aber am Ende eine Punkteteilung, die beiden Teams so richtig wehtat. Huracan verschenkte zwei sicher geglaubte Punkte, Cerrense rettete einen, der sich trotzdem nicht ganz verdient anfühlte. Schiedsrichter Esteban Larios hatte trotz vier Gelber Karten - unter anderem für Huracans Melendo (57.) und Cerrenses Jakobsen (61.) - alles im Griff. Nur die Nachspielzeit war für ihn wohl eine Minute zu lang, zumindest aus Sicht der Heimmannschaft. Nach Abpfiff wurde’s dann fast theatralisch. Etxebarria, der Torschütze zum 2:1, stapfte vom Feld und murmelte: "Wir lernen es nie - nie!" Sein Trainer, den man da schon wieder erkannt hatte, versuchte Galgenhumor: "Wenn du in der 93. Minute den Ausgleich bekommst, ist das fast schon Tradition. Und Tradition ist wichtig." Cerrense-Coach Gnipeur hingegen wirkte, als hätte er gerade ein Kunststück vollbracht: "Das war Charakter. Und ein bisschen Glück. Aber das gehört dazu, oder?" Er zwinkerte, und man konnte ihm kaum böse sein - schließlich hatte sein Team nie aufgegeben. So blieb es beim 2:2, einem Spiel, das keiner so richtig verdauen wollte und das dennoch alles bot, was dieser Sport so grausam schön macht: Hoffnung, Enttäuschung, Jubel - und eine Nachspielzeit, die Geschichten schreibt. Vielleicht sollte man Huracan Arena künftig raten, das Stadiontor erst nach dem Schlusspfiff zu öffnen. Sicher ist sicher. 29.03.643987 16:35 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe