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Ein lauer Abend am Amazonas, 48.967 Zuschauer im Stadion, und trotzdem bebte die Luft - nicht nur wegen der tropischen Hitze. Indio de Manaus besiegte am 5. Spieltag der "1. Liga Brasilien" den Gast Atletico Ceara mit 1:0. Es war ein Spiel mit allem, was ein Fußballherz begehrt: Tempo, Theatralik, Gelbe Karten - und ein Hauch von Chaos in der Nachspielzeit. Von Beginn an machte Indio de Manaus klar, wer Hausherr ist. Schon nach zwei Minuten prüfte Marcello Calopezzati den Gästetorwart Mario de Freitas mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel. Kurz darauf folgten weitere Angriffe im Minutentakt - als würden die Gastgeber versuchen, alle 18 Torschüsse der Partie gleich in der ersten Viertelstunde unterzubringen. Trainer Karel Aschenberger hatte seine Elf klar offensiv eingestellt, die Statistik belegt es: 53 Prozent Ballbesitz und satte 18 Versuche auf das Tor. Atletico Ceara hingegen schien anfangs eher im Beobachtungsmodus - und das, obwohl Coach André Rei vor dem Spiel noch trotzig erklärte: "Wir sind nicht hier, um Postkarten vom Regenwald zu schicken." Seine Mannschaft fand aber kaum Zugriff auf das Spiel. Die Defensive stand tief, das Pressing blieb ein Lippenbekenntnis. In der 38. Minute platzte dann der Knoten - natürlich bei Calopezzati, der schon zuvor wie ein Irrer auf das Tor geballert hatte. Nach einem sehenswerten Zuspiel von Dimas Figo jagte der 29-Jährige den Ball flach ins rechte Eck - 1:0. Das Stadion tobte, und Calopezzati ließ sich feiern, als hätte er gerade den Pokal geholt. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte heute einfach nur mit mir reden", grinste er nach dem Spiel. Atletico Ceara wachte danach kurz auf, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände - der erste in der 75. Minute durch Antonio Maniche, der zweite tief in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Christiano Eusebio. Torwart Eli Eliezer musste kaum eingreifen, sondern konnte sich mehr auf seine Sonnencreme-Kontrolle konzentrieren. Die zweite Halbzeit begann mit viel Wechselbetrieb. Aschenberger brachte kurz vor dem Pausenpfiff Bruno Gama und Ingo Barros. Eine Maßnahme, die zunächst für Verwirrung sorgte - Barros musste später sogar für den übermotivierten Hugo Goncalves einspringen, der in der 87. Minute nach Gelb-Rot vom Platz marschierte. Der junge Verteidiger hatte sich zuvor schon in der 47. Minute die erste Verwarnung abgeholt, offenbar aus purer Leidenschaft. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte Goncalves später schulterzuckend. Aschenberger war weniger begeistert: "Hugo hat Energie - vielleicht ein bisschen zu viel. Aber lieber so, als wenn sie alle schlafen." Sein Gegenüber Rei hingegen wirkte nach dem Spiel ratlos. "Wir haben es versucht, aber manchmal ist der Ball einfach ein Philosoph - er geht dorthin, wo er will." In der Schlussphase wurde es noch einmal kurios: Der 17-jährige Nelson Semedo, gerade erst eingewechselt, wagte in der 89. Minute einen Schuss aus 25 Metern - und traf immerhin einen Fotografen hinter dem Tor. Der junge Rechtsverteidiger nahm es mit Humor: "Der Mann stand im falschen Moment am richtigen Ort." Ceara wechselte in der 90. Minute noch einmal, brachte Leandro Goncalves für den erschöpften Eusebio, doch es half nichts mehr. Kurz darauf kassierte Jake Henderson, der spritzige Rechtsaußen von Indio, noch eine Gelbe Karte in der Nachspielzeit - wohl als Andenken an ein intensives Spiel. Am Ende blieb es beim 1:0, ein Ergebnis, das knapper klingt, als es war. Indio dominierte, Ceara reagierte, und das Publikum bekam zwar keine Torflut, dafür aber ehrlichen Arbeiterfußball mit Drama-Anteilen. "Wir haben gezeigt, dass wir auch ohne Samba gewinnen können", sagte Aschenberger mit einem Augenzwinkern, bevor er in den Kabinengang verschwand. Und tatsächlich - manchmal reicht ein einziger Treffer, ein bisschen Disziplin (oder auch nicht), und ein Stadion, das an einem Sonntagabend kurzzeitig zur brodelnden Fußballkathedrale wird. Fazit: Indio de Manaus bleibt in der Spur, Atletico Ceara muss sich fragen, ob zwei Torschüsse pro Spiel wirklich reichen, um in der brasilianischen Eliteklasse zu bestehen. Aber hey - der Amazonas hat schon ganz andere Wunder gesehen. 06.03.643987 07:35 |
Sprücheklopfer
Er hat's dann nochmal versucht, zu probieren.
Rudi Völler