Elfmeter
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Jahn Regensburg tanzt in Neetze - 4:0-Auswärtssieg mit Stil und Spielfreude

Wenn ein Verbandsligaspiel an einem lauen Maiabend nach großem Fußball riecht, dann muss Jahn Regensburg zu Gast sein. Und tatsächlich: Beim 4:0 (2:0) in Neetze zeigten die Oberpfälzer, dass man auch in unteren Ligen Ballbesitz nicht braucht, um den Gegner schwindelig zu spielen. 2601 Zuschauer im kleinen Stadion erlebten eine Lehrstunde in Effizienz, Präzision - und vielleicht auch ein bisschen in Demut.

Schon nach zwölf Minuten war die Stimmung beim Anhang des TuS nur noch halb so heiter. Daniele Arena, der schmächtige Linksaußen mit der Geschwindigkeit eines ICE, setzte sich nach Zuspiel von Aaron Longfellow auf der linken Seite durch und schob eiskalt ins lange Eck - 0:1. "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht laufe, schimpft der Coach wieder", grinste Arena später, als wäre das alles ein lockerer Trainingskick gewesen.

Neetze versuchte, Ordnung zu finden, hatte mit 51 Prozent Ballbesitz sogar mehr vom Spiel - allerdings vor allem zwischen Mittelkreis und Seitenauslinie. Regensburg lauerte, und in der 29. Minute lachte wieder Arena, diesmal nach einem Abpraller, den er unbeeindruckt verwertete. 0:2, und das Publikum schwieg kurz, nur ein Kind auf der Haupttribüne rief laut: "Papa, warum schießen die immer rein?"

TuS-Trainer, dessen Name im Spielbericht unterging, warf die Arme in die Luft und rief seinen Jungs zu: "Jetzt wachen wir aber mal auf!" - woraufhin sein rechter Verteidiger Robert Feldmann antwortete: "Ich bin schon wach, Chef, nur der Ball will nicht!"

Nach der Pause wurde es nicht besser. Kaum hatte der Stadionsprecher die Bratwurstpreise für die zweite Hälfte angekündigt, da klingelte es wieder. Dimitar Slawkow, der bullige Mittelstürmer der Gäste, traf in der 48. Minute nach Vorlage von Arne Eckert. Es war das 0:3 und der Moment, in dem sich viele Neetzer Fans fragten, ob man das Flutlicht nicht einfach ausmachen sollte.

Doch der TuS hielt dagegen, wenigstens kämpferisch. Vier Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel - immerhin einer davon gefährlich. Walter Prinz, der junge Rechtsaußen, zwang den Regensburger Keeper Carl Falk in der 57. Minute zu einer schönen Parade. "Wenn der reingeht, wird’s nochmal spannend", meinte Prinz nach der Partie. Falk grinste nur: "Ja - aber er ging nicht rein."

Jahn Regensburg hingegen hatte Spaß am Spiel. Stephan Fröhlich prüfte den Neetzer Schlussmann mehrfach, Eckert und Longfellow wirbelten auf den Flügeln, und hinten ließen Coelho und Galisteo trotz eigener Gelber Karten nichts anbrennen. "Wir wollten offensiv bleiben, aber fair", erklärte Trainer Jürgen Seifert (fiktiv) nach dem Spiel, "naja, fast fair."

In der 85. Minute durfte Slawkow noch einmal - wieder nach Vorlage von Eckert. 0:4, der Rest war Schaulaufen. Die Fans der Gäste sangen, die Neetzer Ultras (drei Jugendliche mit Trommel) klatschten tapfer weiter. Dann eine Schrecksekunde: Regensburgs Andreas Falk verletzte sich kurz vor Schluss und musste ausgewechselt werden. Sein Ersatzmann Joel Kinmont kam frisch, durfte aber kaum noch den Ball sehen.

Der Schiedsrichter pfiff pünktlich ab, und während die Gäste jubelten, saßen die Spieler des TuS erschöpft auf dem Rasen. "Wir haben 51 Prozent Ballbesitz", sagte Kapitän Hermann Dietrich in die Mikrofone, "aber leider weiß der Ball nicht, dass er auch ins Tor soll."

Statistisch war alles klar: 21 Torschüsse für Regensburg, vier für Neetze, Tacklingquote 57 zu 43 Prozent - ein Klassenunterschied, den man im Spiel deutlich spüren konnte.

Zum Schluss blieb nur Galgenhumor. Ein älterer Neetzer Fan meinte auf dem Weg zum Parkplatz: "Wenn man gegen Regensburg verliert, war’s wenigstens gegen eine Mannschaft mit schönem Namen."

Ein Satz, der vielleicht besser zusammenfasst als jede Analyse, was an diesem Abend in Neetze geschah: Jahn Regensburg spielte, TuS Neetze schaute zu.

Und doch - so ein 0:4 kann auch reinigend wirken. Vielleicht, wer weiß, steht Neetze am nächsten Spieltag wieder auf, kämpft, läuft, klärt - und trifft sogar. Aber bis dahin bleibt dieser Abend in Erinnerung als jener, an dem die Gäste aus Regensburg tanzten, während der Gastgeber stolperte.

08.02.644000 20:16
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