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Jarota Jarocin trotzt allen Erwartungen - 2:0 gegen Radomiak

Ein frostiger Januarabend, Flutlicht im Stadion von Jarocin, 28.601 Zuschauer - und zwei Tore, die das Herz der Heimfans erwärmten. Jarota Jarocin besiegte am 12. Spieltag der 1. Liga Polen den favorisierten RKS Radomiak mit 2:0 (1:0). Und das auf eine Art, die man getrost als "defensiv mit Spaßfaktor" bezeichnen konnte.

Trainer Henryk Kasperczak, graue Schläfen und der Blick eines Mannes, der schon alles gesehen hat, kommentierte das Ergebnis lakonisch: "Wir wollten kompakt stehen - und dann haben unsere Außenverteidiger Tore geschossen. Das war so nicht geplant, aber ich beschwere mich nicht."

Tatsächlich waren es zwei Männer aus der Abwehrkette, die den Unterschied machten. In der 25. Minute stürmte Linksverteidiger Luis Meireles über seine Seite, spielte einen Doppelpass mit Jermolai Budjanski und hämmerte den Ball aus gut 18 Metern ins linke Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Meireles nach dem Abpfiff. "Aber der Ball hat sich’s anders überlegt."

Radomiak reagierte zunächst angriffslustig. Trainer Lukas Breer hatte seine Mannschaft von Beginn an offensiv eingestellt, ließ über die Flügel anlaufen, doch es blieb beim Anlaufen. Zwar kamen die Gäste auf zwölf Torschüsse, doch Jarotas Keeper Pol Viana hatte einen jener Tage, an denen man ihm eher einen Roman in die Hand drücken könnte - so selten musste er wirklich eingreifen.

In der 39. Minute wurde es kurz hitzig: Jarotas Rechtsverteidiger Michael Henderson sah Gelb, nachdem er Radomiaks Stürmer Agemar Oliveira mit einem rustikalen Einsteigen die weiße Linie nähergebracht hatte, als diesem lieb war. "Ball gespielt!", brüllte Henderson, während der Schiedsrichter schon die Karte zückte. Mancher im Publikum lachte - der Schiedsrichter nicht.

Nach der Pause zeigte sich Jarota weiter effizient. In der 54. Minute folgte die Entscheidung: Rechtsverteidiger Joel Hayman, normalerweise eher der stille Arbeiter, zog nach einem kurzen Pass von Antonio Vaz einfach mal ab. Der Ball zischte an Freund und Feind vorbei, landete unhaltbar im Netz. 2:0 - und das Stadion explodierte in einem Jubelorkan, der die Kälte kurzfristig vergessen ließ. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schießen kann", scherzte Hayman.

Radomiak versuchte es weiter, doch die Angriffe wirkten zunehmend verzweifelt. Oliveira raufte sich mehrfach die Haare, nachdem seine Schüsse in der 16. und 38. Minute jeweils knapp das Ziel verfehlten. Mittelfeldmann Hugo Dominguez versuchte es mit Distanzschüssen, doch der Ballbesitz von 45 Prozent blieb so wirkungslos wie die 54 Prozent für Jarota kontrolliert aussahen.

Kasperczaks Mannschaft spielte das Ergebnis souverän herunter - mit 19 Torschüssen und einer Zweikampfquote von knapp 51,5 Prozent war sie in fast allen Belangen leicht überlegen. Radomiak, das Team mit der hübscher klingenden Offensivtaktik, blieb blass. "Wir waren offensiv - aber anscheinend offensiv ideenlos", seufzte Trainer Breer nach der Partie. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach defensiv spielen, dann schießen wir vielleicht auch zwei Tore."

Ein amüsanter Moment bot sich in der 72. Minute, als Radomiaks junger Flügel Ricardo Vidigal nach einem verunglückten Schuss lachend zum Linienrichter sagte: "Vielleicht war das ein Rückpass?" Selbst die Jarota-Fans applaudierten. Humor hilft, wenn der Ball nicht rein will.

Am Ende blieb es beim 2:0. Jarota Jarocin kletterte mit diesem Sieg in der Tabelle weiter nach oben und bewies, dass man auch mit einer defensiven Grundordnung und ordentlich Einsatzfreude (Aggressivität: stark, laut Statistik) Spiele schön gestalten kann.

"Wir sind keine Ballzauberer", fasste Kapitän Ernö Soos zusammen, "aber wir haben Spaß daran, anderen das Spiel zu vermiesen."

Ob das eine neue Philosophie ist oder einfach die Realität eines kalten Winterabends in der 1. Liga Polen, wird sich zeigen. Für den Moment jedenfalls darf Jarocin jubeln - und Radomiak wird auf der Heimfahrt nachdenken müssen, wie man gegen eine Mannschaft verliert, deren Außenverteidiger plötzlich zu Torjägern mutieren.

Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wenn selbst die Verteidiger treffen, dann war’s wohl ein besonderer Abend." Und wer wollte ihm da widersprechen?

26.05.643987 11:33
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