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Ein kühler Januarabend, Flutlicht über der Kernbergarena, 25.284 Zuschauer mit heißem Tee und großen Erwartungen: Der FC Jena hat beim 2:0 (1:0) über den Hamburger SC gezeigt, dass man in der 2. Liga auch mit Mut, Tempo und einem Schuss Dreistigkeit bestehen kann. Und die Gäste aus dem Norden? Die wirkten über weite Strecken so, als hätten sie auf der A9 schon ihre Energie liegen lassen. Trainer Martin Wegner hatte seine Jenaer offensiv eingestellt - und das war zu spüren. Gleich in den ersten Minuten machte das Heimteam klar, wer hier das Heft in der Hand halten will. 14 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten mutig spielen, nicht auf Zufall hoffen", erklärte Wegner später und grinste. "Na ja, manchmal hilft der Zufall dann doch ein bisschen." Das 1:0 fiel in der 40. Minute - und es war so schön, dass man sich fast wünschte, es gäbe eine Wiederholung in Dauerschleife. Amaury Nunez legte von links klug in die Mitte, Mark Pohl nahm Maß und jagte den Ball aus knapp 18 Metern ins rechte Eck. Der Hamburger Keeper Lionel Carvalho flog zwar artistisch, aber eher fürs Fotoarchiv als für die Statistik. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Pohl nach dem Spiel trocken. "Und wenn Amaury dir so ein Ding serviert, musst du ja was draus machen." Hamburg hatte da schon zwei Halbchancen durch Carlsson (22.) und Postiga (23.), aber wirklich zwingend war das alles nicht. Trainer Bernd Happel stand mit verschränkten Armen an der Linie und murmelte etwas, das mit "Ballbesitz" und "Zwecklosigkeit" zu tun gehabt haben könnte. Denn obwohl der HSC am Ende knapp mehr Ballbesitz (51 Prozent) verzeichnete, blieb es beim kontrollierten Kreisverkehr im Mittelfeld. In der zweiten Halbzeit versuchten die Gäste, das Spiel zu drehen, wechselten mutig: Innenverteidiger raus, Nachwuchsmann Kessler rein, später sogar Torwarttausch in der 72. Minute - was selten ein gutes Zeichen ist. Der 17-jährige Maximilian Miller machte seine Sache ordentlich, hatte aber kurz nach seiner Einwechslung keine Chance, sich auszuzeichnen: In der 79. Minute vollstreckte Jenas Fernando Veloso nach feinem Zuspiel von Maik Weis zum 2:0. "Maik hat mir den Ball genau in den Lauf gespielt, da musst du einfach Danke sagen", grinste Veloso, der danach ausgewechselt wurde und sich auf der Bank feiern ließ. Trainer Wegner holte ihn runter, "weil er sonst noch anfängt zu tanzen", wie der Coach lachend erklärte. Hamburgs Antwort? Ein paar harmlose Distanzversuche, ein bisschen Frust in den Zweikämpfen, und eine Körpersprache, die an ein Montagstraining erinnerte. Auch Happel musste zugeben: "Wir waren brav, aber brav gewinnt hier nichts." Zwei Gelbe Karten für Jena - Antunes (50.) und Torschütze Pohl (85.) - bleiben Randnotizen in einem insgesamt fairen Spiel. Der Gastgeber zeigte Leidenschaft, ohne über die Stränge zu schlagen, und verteidigte die Führung mit jener Mischung aus Organisation und jugendlicher Unbekümmertheit, die das Publikum in Jena so liebt. Dass der Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste ausfiel, störte hier niemanden. "Die dürfen ihn gern haben, solange wir die Tore machen", witzelte Innenverteidiger Marcos Costinha, der selbst zweimal gefährlich vorstieß und beinahe das dritte Tor erzielte. Als der Schlusspfiff ertönte, war das Stadion längst ein Tollhaus. "So kann’s weitergehen", rief ein Fan mit Schal und heißer Stimme, während die Mannschaft in Richtung Tribüne klatschte. Und Coach Wegner? Der blieb bescheiden: "Das war ein Schritt, nicht mehr. Aber ein schöner." Dann schob er grinsend nach: "Und jetzt gönn ich mir ein Thüringer Rostbrätel - das hab ich mir verdient." Hamburg dagegen wird die Rückfahrt nach Norden mit vielen Fragen antreten: Warum so wenig Durchschlagskraft? Warum so viel Ballbesitz und so wenig Gefahr? Bernd Happel versprach, "das intern klar anzusprechen". Man darf gespannt sein, wie laut das wird. Fazit: Jena spielt mutig, effizient und mit einem Hauch Chuzpe - eine Kombination, die an diesem Abend reichte, um einen ambitionierten Gegner aus Hamburg klar in die Schranken zu weisen. Ein Abend, an dem Fußball Spaß machte - zumindest für die, die blau-weiß fühlen. Und für alle anderen bleibt die Erkenntnis: Wer in Jena Punkte holen will, muss mehr bringen als gepflegten Ballbesitz. Man braucht Leidenschaft, Zielstrebigkeit - und vielleicht auch ein bisschen Glück. Hamburg hatte keins. Jena dafür umso mehr Herz. 22.02.643987 19:35 |
Sprücheklopfer
Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic