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Es gibt Fußballabende, an denen einfach alles gelingt. Und es gibt solche, an denen man am liebsten das Licht im Stadion ausknipsen würde, um das Grauen schneller zu vergessen. Der 20. Spieltag der Landesliga 5 gehörte eindeutig zur ersten Kategorie - zumindest aus Sicht des TuS Jöllenbeck. Mit einem furiosen 7:0 (5:0) zerlegte die Elf von Trainer Peer Chamier den TuS Stade in seine Einzelteile. 1792 Zuschauer rieben sich ungläubig die Augen: War das wirklich Landesliga oder doch eine Live-Demonstration aus dem Lehrbuch "Wie man Fußball spielt"? Schon nach 60 Sekunden lag der Ball im Netz. Marc Haag, der flinke Linksaußen mit der Präzision eines Uhrmachers, nutzte die erste Unsicherheit in der Gästeabwehr. "Ich wollte eigentlich nur flanken", grinste Haag später, "aber dann habe ich mir gedacht: Ach komm, probier’s einfach." Der Ball segelte über den verdutzten Keeper Stern hinweg - 1:0. Stade-Trainer Erik Hoff sank auf die Bank und murmelte laut hörbar: "Das fängt ja gut an." Doch es sollte schlimmer kommen. In der 21. Minute erhöhte Johann Rau nach feinem Zuspiel von Herbert Grossmann auf 2:0. Rau, gerade mal 18 Jahre jung und trotzdem schon abgezockt wie ein alter Hase, legte zwölf Minuten später gleich noch einen drauf. Zwischen den beiden Treffern hatte Emilio Zapatero (32) mit einem satten Distanzschuss das 3:0 besorgt - ein Tor, das so trocken kam, dass selbst der Ball kurz überlegte, ob er sich überhaupt trauen darf, ins Netz zu gehen. "Ich hab gesehen, dass der Torwart einen Schritt zu weit links stand", erklärte Zapatero sachlich. "Dann habe ich ihn halt erlöst." Das 4:0 fiel praktisch im Anschluss, wieder durch Rau. Stade wirkte da schon wie eine Mannschaft, die innerlich längst beim Abpfiff war. Damian Vasco sorgte in der 42. Minute für den Halbzeitstand von 5:0 - und man hatte das Gefühl, Jöllenbeck könnte auch mit verbundenen Augen treffen. In der Kabine, so verriet Chamier später schmunzelnd, habe er seine Jungs gewarnt: "Passt auf, Jungs, das hier ist Fußball, keine Comedy-Show." Offenbar verstanden sie das als Einladung, das Drehbuch fortzuschreiben. Nach der Pause wurde es zwar etwas ruhiger, aber nur, weil die Gastgeber jetzt den Ball laufen ließen. Bei 58 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen gegenüber kümmerlichen zwei von Stade war das Spiel einseitiger als ein Monolog von Dieter Bohlen. Der 17-jährige Iban Gome steuerte schließlich die letzten beiden Treffer bei (67. und 75. Minute). Der Youngster, der mit jugendlicher Frechheit über den Platz fegte, hatte sichtlich Spaß. "Peer hat gesagt, ich soll einfach mein Ding machen", lachte Gome. "Na ja, mein Ding ist halt Tore schießen." Nach seinem zweiten Treffer rief Trainer Chamier ihm zu: "Jetzt reicht’s aber, Iban!" - worauf der Teenager nur mit den Schultern zuckte und grinste. Stade hingegen erlebte einen dieser Abende, an denen selbst das Gras gegen einen zu spielen scheint. Zwei harmlose Schüsse aufs Tor - einmal durch den bemitleidenswerten David Burkhardt, der sich zuvor auch noch eine Gelbe Karte abholte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", sagte Burkhardt nach dem Spiel mit Galgenhumor. Sein Trainer versuchte es mit Diplomatie: "Wir wollten offensiv spielen, aber die Jungs von Jöllenbeck haben das falsch verstanden - sie waren einfach offensiver." Einziger kleiner Wermutstropfen auf Jöllenbecker Seite: Gelbe Karten für Stephan Herrmann (70.) und Routinier Zapatero (83.). "Das war’s wert", meinte Zapatero trocken. "Wenn du 7:0 führst, darfst du dir auch mal eine Verwarnung leisten." Peer Chamier hatte am Ende Mühe, die Euphorie zu bremsen: "Natürlich freut man sich über so ein Ergebnis. Aber nächste Woche gibt’s wieder nur drei Punkte zu holen - egal, ob 1:0 oder 7:0." Ein Satz, der nach Demut klingt, aber wohl eher als Vorsichtsmaßnahme gedacht war, um seine Jungs nicht gleich ins All abheben zu lassen. Während die Fans auf den Rängen noch lange nach Abpfiff sangen und die Flutlichtmasten in der kalten Januarluft glänzten, trotteten die Spieler aus Stade Richtung Bus. Einer soll leise gesagt haben: "Na gut, wenigstens war das Stadion schön." Ein Satz, der alles über diesen Abend erzählt. Und so bleibt festzuhalten: TuS Jöllenbeck hat nicht nur ein Statement gesetzt, sondern gleich ein ganzes Kapitel geschrieben. Wenn sie so weitermachen, wird bald niemand mehr über den "kleinen TuS" lachen - außer vielleicht sie selbst, beim nächsten 7:0. 07.09.643987 13:09 |
Sprücheklopfer
Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
Olaf Thon