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Jöllenbeck schießt Roxel aus dem eigenen Stadion

BSV Roxel erlebt an diesem kalten Februarabend das, was man in der Fußballsprache wohl "einen gebrauchten Tag" nennt. Vor 1964 Zuschauern kassierte der Landesligist am 34. Spieltag eine empfindliche 0:4-Heimniederlage gegen den TuS Jöllenbeck - und das, obwohl der Ballbesitz mit 51 Prozent sogar leicht zugunsten der Gastgeber sprach. Doch wer die Statistik liest, erkennt schnell: Ballbesitz schießt keine Tore.

Die Gäste aus Bielefeld begannen, als hätten sie noch einen Termin nach dem Spiel: Schon in der zweiten Minute zappelte der Ball im Netz. Detlev Keller, Jöllenbecks quirliger Mittelfeldmotor, vollendete einen blitzsauberen Angriff über Rechtsverteidiger Antonio Costa. "Ich hab einfach draufgehalten, bevor ich’s mir anders überlege", grinste Keller später im Kabinengang. Roxel war da wohl noch beim Einlaufen.

Die Gastgeber versuchten, sich zu sortieren - doch Jöllenbeck blieb unbeeindruckt. In der 21. Minute erhöhte der 19-jährige Vincent Berglund nach Vorlage von Ilias Wasilewski auf 2:0. "Das war so ein Moment, wo du denkst: Läuft", meinte der junge Schwede mit einem Lächeln, das halb Bescheidenheit, halb Stolz verriet.

Spätestens nach dem dritten Treffer durch Teenager Linus Wojcicki (31.), vorbereitet vom ebenfalls erst 18-jährigen Lukas Fritzsche, war das Spiel praktisch entschieden. Der TuS kombinierte leichtfüßig, während Roxel in der eigenen Hälfte feststeckte wie ein Auto im Münsterländer Matsch. Trainer Peer Chamier dirigierte an der Seitenlinie ruhig, fast stoisch. "Wir wollten früh Druck machen, aber ohne Hektik. Das haben die Jungs exzellent umgesetzt", erklärte er später - und man merkte ihm ein gewisses Vergnügen über die Lehrstunde an.

Roxel hingegen wirkte ratlos. Nur vier Torschüsse im ganzen Spiel - und auch die kamen eher aus Verlegenheit. Fynn Hartung und Karsten Mayer versuchten es, doch Torhüter Frank Reich im Jöllenbecker Kasten wurde kaum ernsthaft geprüft. "Ich hab mir in der zweiten Halbzeit fast gewünscht, sie schießen mal richtig drauf, damit mir nicht kalt wird", witzelte der 18-Jährige nach Abpfiff.

Immerhin: Roxel hatte mehr Ballbesitz, kombinierte gefällig - aber in Zonen, die dem Gegner keine Sorgen machten. Ihre Zweikampfquote von 42 Prozent unterstrich das Problem: viel Wille, wenig Wirkung.

Nach der Pause blieb Jöllenbeck offensiv und schnürte die Gastgeber weiter ein. Der eingewechselte Marc Haag traf in der 73. Minute nach erneuter Vorlage von Wasilewski zum 4:0-Endstand. Damit war der Abend endgültig gelaufen. "Ich wollte eigentlich noch auf 5:0 gehen", scherzte Chamier, "aber dann hat Emilio Zapatero lieber Gelb gesehen, um das Tempo rauszunehmen."

Zapatero, der Routinier im Mittelfeld, nahm die Verwarnung (67.) mit stoischer Gelassenheit. "Wenn du jung bist, rennst du. Wenn du älter bist, stellst du dich in den Weg", sagte er augenzwinkernd. Weniger charmant war Kollege Costa, der in der 83. Minute ebenfalls Gelb kassierte - nach einem rustikalen Einsteigen, das mehr nach Rugby aussah.

Roxel-Trainer (der sich nach dem Spiel hinter einer dampfenden Kaffeetasse versteckte) zeigte sich sichtlich bedient: "Vier Gegentore zuhause sind vier zu viel. Wir waren irgendwie immer einen Schritt zu spät. Vielleicht lag’s am Flutlicht, vielleicht am Wetter - vielleicht auch einfach an Jöllenbeck."

Taktisch blieb Roxel über die gesamte Partie in einer ausgewogenen, fast zu braven Grundordnung. Pressing? Fehlanzeige. Jöllenbeck dagegen spielte mutig, offensiv, ohne übertriebene Härte - 29 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache. Selbst bei 0:4 ließen sie nicht locker, als wollten sie beweisen, dass Fußball auch Spaß machen darf, selbst wenn der Gegner leidet.

Für die Fans des BSV war es ein bitterer Abend. Einige verließen das Stadion schon nach dem dritten Treffer, andere hielten tapfer durch - vielleicht in der Hoffnung auf den Ehrentreffer, der aber nie kam. "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können", murmelte Kapitän David Erdmann, "und hätten wahrscheinlich trotzdem kein Tor gemacht."

So bleibt Jöllenbecks 4:0 ein Statement - jung, frech, zielstrebig. Roxel dagegen muss sich fragen, ob Ballbesitz wirklich alles ist.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen trocken sagte: "Wenn man den Ball hat, sollte man auch wissen, was man damit anfängt." - besser kann man dieses Spiel kaum zusammenfassen.

25.04.643990 09:33
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