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Die 39.194 Zuschauer im "Silverback Dome" sahen an diesem Freitagabend einen Auftritt, der mehr nach Reifeprüfung als nach Routine klang: Die Atlanta Gorillas bezwangen die Salt Lake Royals am 10. Spieltag der 2. Liga USA klar mit 2:0 (2:0). Zwei Treffer in der ersten Halbzeit reichten, um den Gästen aus Utah den Schneid abzukaufen - und das mit einer Mannschaft, deren Durchschnittsalter eher an eine College-Elf erinnert. Trainerin Anja Meister hatte vor dem Spiel noch gewitzelt: "Jugend spielt man nicht, Jugend lässt man laufen." Genau das taten ihre Gorillas. Schon in den ersten Minuten rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Fabio Capucho, dem bedauernswerten Keeper der Royals. Der 17-jährige Lucas Baker wirbelte auf der rechten Seite, als hätte er gerade erst sein Skateboard gegen Fußballschuhe getauscht. In der 9. und 11. Minute prüfte er Capucho zweimal aus spitzem Winkel - noch hielt der Portugiese stand. Doch in der 28. Minute war auch er machtlos. Nach einer Ecke von Bram Groot kam Dylan Hunt, der 21-jährige Mittelfeldmotor, mit Wucht aus dem Rückraum angerauscht. Ein Schuss wie ein Presslufthammer - 1:0 für Atlanta. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Hunt später in der Mixed Zone. "Bram meinte noch: ’Mach ihn rein, dann geb ich dir das Abendessen aus.’ Jetzt bin ich gespannt, wohin er mich einlädt." Nur sechs Minuten später legte Baker nach. Linksverteidiger Gabriel Petre schickte eine butterweiche Flanke in den Strafraum, und der Youngster vollendete per Direktabnahme zum 2:0. Das Stadion bebte - und Petre rannte lachend auf seinen Teenager-Stürmer zu. "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt, er soll heute ruhig mal egoistisch sein. Das hat er wohl wörtlich genommen", sagte Petre mit einem Augenzwinkern. Die Gorillas dominierten die erste Hälfte: 15 Torschüsse insgesamt, 53 Prozent Ballbesitz und die deutlich bessere Zweikampfbilanz (54,6 Prozent). Die Royals dagegen wirkten, als hätten sie ihr königliches Selbstverständnis beim Einlaufen in der Kabine vergessen. Einzig Rechtsaußen Archie Barrymore versuchte, mit zwei gefährlichen Abschlüssen (19. und 90. Minute) für Entlastung zu sorgen, fand aber seinen Meister in Torhüter Alberto Benedetto, der mit katzenhafter Reaktionsschnelligkeit parierte. Kurz vor der Pause tauschte Meister gleich dreimal: Ward, Barre und Knickerbacker kamen für Haas, Fiumefreddo und den überragenden Baker. "Lucas ist 17. Der darf nach einer Halbzeit auch mal ins Bett", erklärte die Trainerin trocken. In der zweiten Hälfte stellten die Gorillas sichtbar den Fuß vom Gas - wohl auch, um die Bananenreserven zu schonen. Salt Lake kam etwas besser ins Spiel, blieb aber harmlos. Die beste Chance vergab Jesus Schmitt in der 32. Minute, als er freistehend Benedetto anschoss. Danach verlegte sich das Spielgeschehen zunehmend aufs Mittelfeld. Die Royals sammelten Gelbe Karten statt Chancen: Rechtsverteidiger Adam Longfellow sah in der 62. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen gegen Rafael Martins, Innenverteidiger William Buchan folgte drei Minuten später. "Wir wollten signalisieren, dass wir noch da sind", rechtfertigte sich Buchan nach dem Spiel - eine Interpretation, die wohl nur er selbst teilt. Auf der anderen Seite wurde Mason Warrington in der Nachspielzeit ebenfalls verwarnt, allerdings mehr aus Übermut als aus Bosheit. "Er hat einfach vergessen, dass wir führen", murmelte Meister kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln. Die letzten 20 Minuten plätscherten dahin, während sich die Gorillas auf das Ergebnis beschränkten. Finlay Ward und Garritt Knickerbacker hatten noch Gelegenheiten, den Sack endgültig zuzumachen, aber Capucho verhinderte Schlimmeres. Nach dem Abpfiff jubelte das junge Team ausgelassen vor der Kurve. "Das war nicht perfekt, aber leidenschaftlich", sagte Meister, "und Leidenschaft ist in dieser Liga manchmal mehr wert als Erfahrung." Die Royals hingegen schlichen in die Kabine, als hätten sie gerade eine Matinee in Moll beendet. Trainer Ethan Doyle (der sich nach dem Spiel weigerte, mehr als ein "No comment" zu sagen) wird wohl in den nächsten Tagen viele Fragen beantworten müssen - vor allem die, warum seine Mannschaft 90 Minuten so defensiv-bieder blieb. Atlanta dagegen darf träumen: Mit diesem 2:0 schieben sich die Gorillas in der Tabelle weiter nach oben und beweisen, dass jugendlicher Enthusiasmus manchmal das beste Rezept gegen Routine ist. Und irgendwo in der Kabine summte Lucas Baker leise vor sich hin - vielleicht kein Siegeslied, aber sicher ein Versprechen auf mehr. 22.09.643999 13:36 |
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