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Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Rasen grinste. 3. Spieltag der Oberliga E, Flutlicht, 3 647 Zuschauer - und ein Kaiserslautern, das Lust auf Fußball hatte. Der SV St. Ingbert durfte von Beginn an zusehen, wie die jungen Roten eine kleine Lehrstunde in Spielfreude gaben. Am Ende stand ein klares 4:0 (1:0), das so deutlich war, wie es klingt. Schon nach zwei Minuten wurde das Spiel in eine klare Richtung gedrückt. Tobias Lauer flankte butterweich, Joao Moutinho - erst 18, aber mit der Abgebrühtheit eines alten Hasen - schob zum 1:0 ein. "Ich hab gar nicht richtig nachgedacht, der Ball war einfach da", grinste der Portugiese nach der Partie, während Trainer Kada Schmide daneben trocken ergänzte: "Das war der Plan. Also zumindest ungefähr." Danach rollte Angriff um Angriff auf das Tor der bedauernswerten Gäste. 18 Torschüsse verzeichneten die Lauterer, St. Ingbert kam auf einen einzigen. Und der war in der 59. Minute ein halbherziger Versuch von Lukas Thomas - ein Schüsschen, das Torwart Max Breadalbane eher auffing als hielt. Trotzdem hatten die Gäste kurioserweise etwas mehr Ballbesitz (51 Prozent), was wohl daran lag, dass Kaiserslautern nach jedem Ballgewinn sofort wieder zum Abschluss kam. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte St. Ingberts Coach resigniert. "Hat auch gut geklappt - bis der Gegner den Ball hatte." Nach der frühen Führung ließen die Lauterer es zunächst überraschend ruhig angehen. Duarte Garcia sah in der sechsten Minute Gelb, als er einen Konter der Gäste resolut stoppte. Schmide nahm es gelassen: "Lieber Gelb als Gegentor. Außerdem steht ihm die Karte farblich gut." In der zweiten Halbzeit dann das, was man gemeinhin als "Dammbruch" bezeichnet. Maik Pohl, der unermüdliche Antreiber im Mittelfeld, traf in der 67. Minute nach feinem Zuspiel von Ezequiel Xavier zum 2:0. Der Jubel? Eher Erleichterung - schließlich hatten die Lauterer zuvor Chancen im Minutentakt vergeben. Nur sechs Minuten später wurde es kurios: Rechtsverteidiger Afanas Radulow tauchte plötzlich im Strafraum auf, bekam den Ball von Innenverteidiger Andres Garces und drosch ihn mit der Wucht eines Mittelstürmers in die Maschen. 3:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Radulow später zu. "Aber wenn der Ball schon mal so schön liegt …" Schmide lachte: "Wir nennen das jetzt unsere neue Flankenvariante." Den Schlusspunkt setzte erneut Moutinho in der 89. Minute - nach uneigennützigem Zuspiel von Pohl. 4:0, und das Stadion tobte. Sekunden später sah der eingewechselte Max Leech noch Gelb, offenbar aus Langeweile. Die Gäste aus St. Ingbert versuchten bis zuletzt, Haltung zu bewahren. Ihr Torwart Greger Johnsson verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres. "Vier sind’s am Ende, aber gefühlt waren’s doppelt so viele Chancen", meinte er ehrlich. Taktisch blieb Schmide seiner offensiven Linie treu. Von der ersten bis zur letzten Minute agierte Kaiserslautern mit hohem Druck, viel Bewegung und Offensivgeist. St. Ingbert dagegen spielte "balanciert", was in diesem Fall bedeutete: abwartend, brav, harmlos. Und doch - es war kein unfairer Abend. Nur zwei Gelbe Karten für Lautern, keine für die Gäste. "Wir haben Fußball gespielt, kein Rugby", grinste Pohl nach dem Abpfiff. Mit diesem Sieg setzt sich Kaiserslautern vorerst an die Tabellenspitze der Oberliga E. Die Fans feierten ihre Jungs mit Sprechchören, die noch Minuten nach Abpfiff durch das Stadion hallten. Moutinho wurde zum Publikumsliebling des Abends, Xavier und Pohl als kongeniales Duo gefeiert. "Wir sind jung, wir sind wild, und manchmal sogar effektiv", fasste Trainer Schmide das Geschehen zusammen. Dem ist wenig hinzuzufügen - außer vielleicht, dass man in Kaiserslautern endlich wieder lächelt. Und St. Ingbert? Nun, sie werden die Rückfahrt wohl schweigend angetreten haben. Aber immerhin dürfen sie sich rühmen, den Ball öfter gehabt zu haben. Auch wenn er ihnen auf dem Weg nach vorn regelmäßig abhandenkam. Ein Fazit zum Schluss: Wenn Kaiserslautern so weiterspielt, wird’s in dieser Liga ungemütlich - allerdings nur für die Gegner. 24.04.643997 21:10 |
Sprücheklopfer
Die Anspannung wächst, aber das ist gut so. Denn wenn man mit über 50 Jahren morgens aufwacht und nichts tut weh, dann ist man tot.
Erich Ribbeck