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Ein Fußballabend zum Vergessen für Frickenhausen - und zum Feiern für Kaiserslautern. Am 6. Spieltag der Oberliga E verwandelten die Gäste aus der Pfalz das idyllische Stadion in Frickenhausen in eine rote Jubelarena. 3875 Zuschauer sahen ein 0:6-Debakel, bei dem Dimas Eusebio mit einem Hattrick zum Albtraum der Hausherren wurde. Schon nach acht Minuten war klar, wohin die Reise geht. Eusebio, gerade einmal 18 Jahre jung, traf nach Zuspiel von Innenverteidiger Andres Garces zum frühen 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Eusebio nach dem Spiel, "aber wenn der Ball dann oben im Winkel landet, sag ich natürlich nicht nein." Frickenhausens Keeper Andre Langer konnte da nur den Kopf schütteln - und das war nicht das letzte Mal an diesem Abend. Die Gastgeber versuchten es mit offensiver Ausrichtung, Trainer Ezequiel Gargano hatte seine Elf mutig eingestellt. Doch Mut ersetzt keine Präzision. Drei magere Torschüsse in 90 Minuten - das war’s. Der Rest war ein roter Wirbelsturm. Kaiserslautern kombinierte, spielte kurz, sicher und vor allem zielstrebig. 28 Abschlüsse sprechen eine deutliche Sprache. Nach der Pause brach dann endgültig der Damm. In der 50. Minute erhöhte der flinke Anselm Pettersson nach Vorarbeit von Giulio Canepa auf 0:2. "Da war die Luft raus", gestand Frickenhausens Kapitän Dennis Jones. "Man merkte, dass die einfach eine Klasse besser waren." Zehn Minuten später legte Dimas Eusebio wieder zu, diesmal nach Pass von Vincent Adao - 0:3, und die Kaiserslauterer Bank jubelte, als ginge es um die Meisterschaft. Die jungen Gäste spielten sich anschließend in einen Rausch. Ricardo Gama erzielte in der 70. Minute nach Vorlage von Liam Sauer das 0:4, Robin Kraft netzte in der 84. zum 0:5 ein - und derselbe Kraft bereitete in der Nachspielzeit den Schlusspunkt vor. Wieder Eusebio, wieder eiskalt. 0:6. Und der Schiedsrichter hatte ein Einsehen mit den Gastgebern, indem er pünktlich abpfiff. Kaiserslauterns Trainer Kada Schmide lobte die Disziplin seiner Jungs: "Wir haben das gespielt, was wir trainiert haben - und sie haben’s endlich mal durchgezogen. Vielleicht hätte ich am Ende gern noch ein siebtes gesehen, aber man soll ja nicht gierig werden." Er lachte, und seine Spieler stimmten ein - so klingt Überlegenheit. Auf der anderen Seite versuchte Ezequiel Gargano, die Fassung zu bewahren. "Das Ergebnis ist peinlich, keine Frage. Aber wer die Zahlen sieht, weiß: Wir hatten fast gleich viel Ballbesitz. Wir haben nur vergessen, dass Ballbesitz keine Tore zählt." Er blickte Richtung Kabine, wo einige seiner Spieler mit hängenden Köpfen verschwanden. Dimas Eusebio, der Mann des Abends, wurde nach dem Abpfiff von Reportern umringt. "Drei Tore? Ich wollte eigentlich nur Spaß haben", sagte er und grinste schüchtern. "Aber das Team hat’s mir leicht gemacht." Hinter ihm rief Mitspieler Robin Kraft lachend: "Leicht? Du hast uns alle alt aussehen lassen!" Während die Kaiserslauterer Fans noch auf den Rängen tanzten, verließen die Frickenhausener Anhänger schweigend das Stadion. Manche murmelten: "Wenigstens war das Wetter schön." Und tatsächlich - der Abendhimmel über Frickenhausen war klar, nur auf dem Rasen hatte ein Sturm gewütet. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen im Ballbesitz (49 zu 51 Prozent), doch die Zweikampfquote (41 zu 59 Prozent) und die Zahl der Abschlüsse machten den Unterschied. Kaiserslautern spielte wie ein Team, das wusste, was es wollte, während Frickenhausen wirkte, als hätte es den Plan zu Hause auf dem Küchentisch liegen lassen. Ob es ein Weckruf oder ein Warnsignal war, wird sich zeigen. Für Frickenhausen heißt es: Wunden lecken, weitertrainieren, und vielleicht das nächste Mal daran denken, dass Offensive zwar schön ist - aber Verteidigung manchmal wichtiger. Zum Abschied sagte ein älterer Fan am Bierstand trocken: "0:6, das war ja fast freundlich. Wenn die noch zehn Minuten länger gespielt hätten, wär’s zweistellig geworden." Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht - und an diesem Abend blieb Frickenhausen nur das. Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - zumindest in Kaiserslautern. 19.05.643997 03:54 |
Sprücheklopfer
Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
Jan-Aage Fjörtoft