Außenseiter
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Kaiserslautern zerlegt Weyhe - 6:0 und kein Ende in Sicht

Es war einer dieser Abende, an denen das Flutlicht über dem Betzenberg nicht einfach nur leuchtete, sondern grinste. 3.741 Zuschauer sahen am 5. Spieltag der Oberliga E, wie Kaiserslautern den SC Weyhe in seine Einzelteile zerlegte - und zwar gründlich. 6:0 hieß es am Ende, und das war nicht einmal schmeichelhaft für die Gäste.

Schon nach einer Viertelstunde öffnete sich das Tor zum Debakel: Rechtsverteidiger Afanas Radulow, offenbar von einem inneren Roberto Carlos beseelt, donnerte den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später zu, "aber wenn’s so reingeht, sag ich nicht nein." Trainer Kada Schmide grinste dazu nur: "Wir trainieren das so. Also … meistens."

In der 26. Minute legte Anselm Pettersson nach - nach feinem Zuspiel von Markus Johansson. Der 19-jährige Schwede, der über die rechte Seite wirbelte wie ein Staubsauger auf Koffein, war an diesem Abend kaum zu stoppen. "Ich hatte das Gefühl, der Ball klebt an meinem Fuß", sagte Pettersson. "Und dass Weyhe sich noch bedankt, wenn ich ihn wieder hergebe."

Zur Pause stand es 2:0, und die Zuschauer wärmten sich mit Applaus. Weyhe hatte bis dahin ganze zwei Torschüsse zustandegebracht, die man eher als höfliche Rückgaben an Torhüter Max Breadalbane bezeichnen konnte.

Nach dem Seitenwechsel ging das Spektakel weiter. In der 48. Minute traf Luke Broderick nach einem butterweichen Pass von Ricardo Gama zum 3:0. Es war ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: kurz, präzise, tödlich. Weyhes Abwehr? Eher Statisten eines Trauerspiels.

Dann kam die 66. Minute - und mit ihr ein Tor, das eigentlich in Zeitlupe gezeigt werden müsste. Der eingewechselte Ansgar Pederson, gerade 19 Jahre jung, zog nach einer Kombination mit Linksverteidiger Uwe Beyer einfach mal ab. Der Ball segelte ins lange Eck, und Gästetorwart Christopher Hildebrandt sah aus, als hätte er gerade eine philosophische Frage gestellt bekommen. Schmide kommentierte trocken: "Das war kein Zufall. Das war Physik."

Aber Kaiserslautern hatte noch nicht genug. In der 88. Minute schlug erneut Pettersson zu - diesmal nach Vorarbeit von Gama, der den Ball von der linken Seite mit chirurgischer Präzision in den Strafraum legte. 5:0. Und weil es so schön war, tat Gama selbst noch etwas für die Statistik: In der Nachspielzeit (92.) setzte er nach einer Vorlage von Pederson den Schlusspunkt zum halben Dutzend.

"Ich hatte Mitleid mit Weyhe", flüsterte ein Zuschauer auf der Tribüne - um dann doch wieder zu lachen, als Hildebrandt den Ball aus dem Netz fischte.

Kaiserslautern war in jeder Hinsicht überlegen: 21 Torschüsse zu 2, 55 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Und das, obwohl zwei Gelbe Karten (Canepa 45’, Johansson 46’) kurzzeitig für Schärfe sorgten. Weyhe versuchte tapfer, den Schaden zu begrenzen, zeigte aber kaum Pressing und ließ Kaiserslautern bei nahezu jeder Kombination gewähren.

Nach Abpfiff stand Trainer Schmide in der Mixed Zone, die Hände in den Taschen, und meinte: "Wir haben offensiv gespielt - aber mit Hirn. Heute war’s ein guter Tag für unser Konzept." Er zwinkerte und fügte hinzu: "Und für meine Laune."

Weyhes Kapitän Herbert Held hingegen sah aus, als wolle er in der Kabine verschwinden und erst zur nächsten Saison wieder auftauchen. "Sechs Dinger sind zu viel", murmelte er. "Wir waren körperlich da, aber geistig wohl noch im Bus."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen. Man hatte nicht nur ein Spiel gesehen, sondern eine Machtdemonstration. Und irgendwo zwischen der 70. und der 90. Minute fragte man sich, ob Kaiserslautern aus Versehen in die falsche Liga geraten war.

Ein älterer Fan fasste es beim Bierstand zusammen: "Früher haben wir solche Spiele verloren. Heute gewinnen wir sie mit Stil. Ich hab fast Angst, dass wir jetzt zu gut sind für den Spaß."

Vielleicht übertrieb er ein wenig. Aber an diesem Aprilabend war Kaiserslautern wirklich zu gut - zu schnell, zu präzise, zu selbstbewusst. Und Weyhe? War einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Wenn der Fußballgott Humor hat, wird er dem SC Weyhe beim nächsten Heimspiel ein bisschen Gnade schenken. Denn nach diesem 0:6 dürfte selbst das Navi des Busses auf dem Rückweg "Route neu berechnen" gesagt haben.

17.05.643997 01:59
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Toni Polster
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