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Ein kalter Januarabend, ein prall gefülltes Stadion mit 29.176 Zuschauern - und ein Mann, der einfach nicht aufhören wollte, Tore zu schießen: Saruhan Kirintili. Der 33-jährige Mittelstürmer von Kaiserspor erlebte beim 4:1 (3:0) gegen MKE Ankaragücü einen jener magischen Abende, die selbst in den hitzigen Archiven der 1. Liga Türkei noch lange nachhallen dürften. Vier Tore, viermal Jubel, viermal Ekstase - und ein Publikum, das sich irgendwann fragte, ob man den Mann nicht einfach in Bronze gießen sollte. Schon nach vier Minuten eröffnete Kirintili den Torreigen. Nach einem präzisen Pass von Tomas Kozel stand der Torjäger goldrichtig und schob eiskalt ein. "Ich habe nur instinktiv reagiert - und der Ball war drin. Vielleicht sollte ich öfter nicht nachdenken", grinste Kirintili später, während ihm Mitspieler Mika Sainio lachend auf die Schulter klopfte. Kaiserspor spielte von Beginn an so, als hätte Trainer Mehmet Dogan seine Mannschaft mit Espresso intravenös versorgt. 14 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, und das Pressing? Eigentlich keines, aber wenn man derart sicher kombiniert, braucht man das auch nicht. Ankaragücü dagegen wirkte wie ein Team, das den Bus verpasst hat - und dann vergessen hat, dass es überhaupt noch ein Spiel gibt. In der 19. Minute schlug Kirintili erneut zu. Diesmal kam die Vorlage von Gianni Acquappesa, der das Spiel intelligent öffnete. Der Abschluss? Ein Strich ins Glück. 2:0 - und Dogan ballte an der Seitenlinie die Faust. "Wir wollten zeigen, dass Offensive mehr ist als nur ein Schlagwort", erklärte der Coach. "Und Saruhan hat das Konzept offenbar wörtlich genommen." Fünf Minuten später war es wieder soweit. Mika Sainio flankte butterweich, Kirintili köpfte unwiderstehlich ein. 3:0 nach 24 Minuten - und ein Stadion, das sich in eine einzige rot-gelbe Partyzone verwandelte. Ankaragücü-Trainer (dessen Name die Statistik merkwürdigerweise verschweigt) versuchte hektisch, seine Elf zu ordnen, doch da war längst Feuer im Dach. Die Gäste kamen zwar nach der Pause etwas besser ins Spiel - vielleicht auch, weil Kaiserspor kurz durchschnaufte. In der 56. Minute gelang Argün Özalan nach Vorarbeit von Nahit Turan der Ehrentreffer. Schön herausgespielt, technisch sauber, aber letztlich nur Schadensbegrenzung. Özalan sagte später mit einem schiefen Lächeln: "Immerhin wissen wir jetzt, dass das Tor dort steht, wo wir es vermutet haben." Die Hoffnung auf ein Comeback hielt allerdings nur kurz. In der 65. Minute sah Ankaragücüs Linksverteidiger Erem Kulbilge Gelb - zehn Minuten später dann Gelb-Rot. "Er wollte wohl sicherstellen, dass er die Dusche nicht mit den anderen teilen muss", witzelte ein Fan auf der Tribüne. Kaiserspor nutzte die numerische Überlegenheit routiniert. In der Nachspielzeit setzte Kirintili den Schlusspunkt - sein viertes Tor des Abends. Georges Cloutier hatte ihn mustergültig bedient, und der Rest war reine Formsache. 4:1. Der Schiedsrichter pfiff ab, und Dogan umarmte seinen Stürmer, als wolle er ihn nie wieder loslassen. "So einen Lauf habe ich in 20 Jahren nicht gesehen", gab der Trainer zu. Ankaragücü dagegen trottete ernüchtert vom Feld. Von ihren vier Torschüssen landete nur einer im Netz - das spricht für Effizienz, aber leider auch dafür, dass sie kaum mehr zustande brachten. Ihr Ballbesitz von 42 Prozent wirkte eher wie ein höfliches Zugeständnis des Gegners. "Wir waren heute einfach nicht da", murmelte Verteidiger Timo May hinterher. "Vielleicht hätten wir auch einfach im Bus bleiben sollen - da war’s wenigstens warm." Kaiserspor hingegen feierte ausgelassen. Im Kabinengang hörte man Kirintili noch lachen: "Vier Tore? Ich wollte eigentlich fünf - aber der Schiedsrichter hatte wohl Feierabend." Ein Abend, der in Kaiserspor Geschichte schreiben wird - und in Ankara wohl Albträume verursacht. Wenn Saruhan Kirintili in dieser Form bleibt, müssen die Gegner künftig doppelt zählen, um mitzuhalten. Oder einfach hoffen, dass er mal einen schlechten Tag hat. Und Mehmet Dogan? Der wischte sich nach dem Spiel den Schweiß von der Stirn und sagte trocken: "Ich habe ihm gestern nur gesagt, er soll Spaß haben. Vielleicht sollte ich das öfter tun." Ein 4:1, das sich liest wie ein Statement - und klingt wie eine Warnung: Kaiserspor ist hellwach, treffsicher und geradezu unanständig gut gelaunt. 04.03.643987 22:10 |
Sprücheklopfer
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