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Ein lauer Maiabend, Flutlicht über dem Auestadion, 3.903 Zuschauer, die ahnten: Heute könnte was gehen für Hessen Kassel. Und tatsächlich - es ging. Nur leider in die falsche Richtung. Nach 90 intensiven Minuten stand ein 0:2 auf der Anzeigetafel, das die Nordlichter vom Hamburger ASV jubeln ließ und Kassels Trainer Tom Ziegler mit hängenden Schultern in die Kabine schickte. Dabei hatte es gar nicht schlecht begonnen für die Hausherren. Schon in der ersten Minute prüfte Carsten Hecht den Hamburger Keeper Gunnar Nilsson, der mit einer Mischung aus Reflex und Glück die frühe Führung verhinderte. "Wenn der reingeht, läuft das Spiel anders", knurrte Ziegler nach der Partie - ein Satz, der in Fußballerkreisen ungefähr so selten ist wie ein torloses Nordderby. Kassel spielte mutig, schoss aus allen Lagen und dominierte phasenweise die erste Halbzeit. Javi Vasquez, der auffälligste Mann im roten Trikot, versuchte es zwischen der 9. und der 41. Minute gleich viermal. Doch Nilsson blieb unbezwingbar, und die Latte war offenbar ein stiller Hamburger Mitspieler. "Ich hab irgendwann gedacht, das Tor ist verflucht", sagte Vasquez lachend, "vielleicht hätten wir in der Halbzeit einen Priester holen sollen." Dann kam die Szene, die Kassel aus dem Rhythmus brachte: In der 31. Minute blieb Benyamin Schilling nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie - das Stadion hielt den Atem an. Nach kurzer Behandlung musste er runter, Bruno Demers kam rein. "Das war ein Schock", erklärte Kapitän Dirk Peter später. "Benyamin ist unser Motor auf links - ohne ihn fehlte uns der Schwung." Zur Pause stand es 0:0, und Hamburgs Coach Hardy Hate wirkte erstaunlich zufrieden. "Wir wollten Kassel laufen lassen", sagte er mit einem Lächeln, das man nur als norddeutsch trocken bezeichnen kann. "Im richtigen Moment stechen - das war der Plan." Und genau so kam es. In der 64. Minute war es dann soweit: Nach einem schnellen Doppelpass über rechts schickte Fernando Moutinho den Ball quer in den Strafraum, wo Benyamin Barth aus 14 Metern trocken einschob. 1:0 für den ASV - eiskalt, effizient, nordisch klar. Das Publikum verstummte kurz, bevor es sich in ein kollektives Stöhnen verwandelte. Kassel rannte an, doch der Mut wich zusehends der Verzweiflung. Und als der eingewechselte Marc Canalejas in der 82. Minute nach Vorarbeit von Dirk Reinhardt mit einem satten Schuss ins lange Eck das 2:0 markierte, war die Messe gelesen. Der Linksverteidiger (!) jubelte mit einer Mischung aus Überraschung und Stolz. "Ich hatte eigentlich nur draufgehalten", gab er später zu. "Dass der reingeht, war ein Bonus." Die letzten Minuten plätscherten dahin, Hamburg verwaltete clever, Kassel kämpfte ohne Fortune. Hermann Krueger sah in der 81. Minute Gelb - vielleicht auch, weil seine Nerven irgendwann so angespannt waren wie seine Schuhbänder. Die Statistik erzählte am Ende eine bittere Wahrheit: 10:10 Torschüsse, 44 Prozent Ballbesitz für Kassel, 56 für Hamburg. Und trotzdem zwei Tore Unterschied. Fußball kann grausam ehrlich sein. Trainer Tom Ziegler fasste es nachher zusammen, wie es nur ein erfahrener Coach kann: "Wir haben das Spiel gemacht, sie die Tore. Das ist halt der kleine, aber entscheidende Unterschied." Sein Gegenüber Hardy Hate grinste: "Ich mag effizienten Fußball. Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit weniger Spektakel Punkte holt." Auf der Tribüne meinte ein älterer Fan kopfschüttelnd zu seinem Enkel: "Früher haben wir noch aus 30 Metern getroffen. Heute kriegen sie’s aus drei nicht rein." Der Junge nickte ernst - vielleicht wird er später Sportreporter. So bleibt für Kassel die Erkenntnis, dass schöne Spielzüge keine Punkte bringen und Hamburgs junge Wilden (Durchschnittsalter knapp über 22) eiskalt zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Barth, Canalejas, Reinhardt - Namen, die man sich in der Regionalliga C merken sollte. "Wir müssen jetzt ruhig bleiben", sagte Ziegler noch, als er in den Kabinentrakt verschwand. "Die Saison ist lang, und irgendwann fällt auch mal einer für uns rein." Vielleicht schon nächste Woche. Denn schlimmer kann’s kaum laufen - oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil." Und Stil hatten sie, die Löwen aus Kassel - nur leider keinen Torjubel. 03.09.644000 19:20 |
Sprücheklopfer
Kaiserslautern wird mit Sicherheit nicht ins blinde Messer laufen.
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