Gazeta Sportowy
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Katowice geht baden: Jarocin tanzt durch das Silesia-Stadion

Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 20.000 Zuschauer - und am Ende ein Heimteam, das sich wünscht, der Boden möge sich auftun. Der FC Katowice verlor am 17. Spieltag der 1. Liga Polen gegen Jarota Jarocin mit 0:3 (0:1). Es war eine jener Partien, in denen sich schon nach einer Viertelstunde ahnen ließ, wohin die Reise geht - nämlich steil bergab für die Gastgeber.

Bereits in der 6. Minute hatte Katowices Kamil Ledwon den ersten und, wie sich später herausstellen sollte, fast letzten ernsthaften Torschuss seiner Mannschaft abgegeben. "Da dachte ich, das läuft heute", sagte Ledwon nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln. Es lief - aber nur für Jarota Jarocin.

Der Gast übernahm das Kommando: 23 Schüsse aufs Tor, 53 Prozent Ballbesitz, und ein Stürmer in Galaform. Rahman Özdenak, der bullige Mittelstürmer aus Istanbul, war an diesem Abend nicht zu stoppen. In der 18. Minute setzte er den ersten Stich: Nach einem weiten Pass von Jermolai Budjanski nahm er den Ball mit der Brust an, ließ Katowices Abwehrspieler wie Slalomstangen stehen und schob locker ins rechte Eck - 0:1.

Trainer Henryk Kasperczak von Jarota Jarocin grinste später in der Pressekonferenz: "Rahman hat heute gespielt, als wäre das Training. Nur dass er diesmal nicht aufhörte nach dem dritten Tor." Die Journalisten lachten, Katowices Coach eher weniger.

Denn nach der Pause ging das Drama weiter. Während Katowice verzweifelt versuchte, offensiv zu bleiben - die Taktik blieb stur "offensiv, ausgewogen, aber ohne Pressing" -, drehte Jarocin auf. Özdenak schlug erneut zu (62.) nach einem Eckball, den Innenverteidiger Jay Sterling klug verlängerte. Der Ball zappelte im Netz, und die rund 200 mitgereisten Fans aus Jarocin sangen sich heiser.

"Ich hab nur den Fuß hingehalten", gab Özdenak bescheiden zu. Sein Trainer korrigierte trocken: "Er hat den Fuß da hingestellt, wo andere den Ball nicht mal sehen."

Während Jarota schaltete und kombinierte, wirkte Katowice zunehmend ratlos. Selbst die Gelbe Karte für Michail Kobylanski in der 70. Minute - ein Frustfoul am Mittelkreis - konnte das Spiel nicht beleben. Kapitän Constantin Adamski brüllte seine Mitspieler zusammen: "Männer, wir müssen wach werden!" Die Antwort kam prompt - allerdings vom Gegner.

In der 77. Minute machte Cameron Lester den Deckel drauf. Der englische Stürmer, bekannt für seine humorlosen Abschlüsse, vollendete eine butterweiche Vorlage von Georgi Jelzin zum 0:3. "Ich hab einfach geschossen, weil Rahman mir zugerufen hat: ’Jetzt bist du dran’", erzählte Lester später lachend.

Von da an war es nur noch Ergebniskosmetik für Jarocin - zahlreiche Schüsse, ein Pfostentreffer, ein Torwart, der seinen Job bei Katowice noch einigermaßen würdevoll rettete. Domenik Gorgon im Tor der Hausherren verhinderte Schlimmeres, flog, hechtete, keuchte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft die auf mich geschossen haben", meinte er nach dem Spiel. "Vielleicht 25 Mal?", fragte ein Reporter. "Kommt hin", nickte Gorgon müde.

Jarota Jarocin ließ es in den letzten Minuten ruhig angehen, wechselte clever durch - Meireles kam für Fojut, Jelzin für Aldecoa - und sicherte sich souverän den Auswärtssieg. Die Gäste wirkten dabei nie überhastet, eher genüsslich. Als würde ein erfahrener Jäger sein Wild nicht hetzen, sondern warten, bis es von selbst stehen bleibt.

Für Katowice hingegen war es ein Abend zum Vergessen. Zwei Torschüsse, kein Treffer, 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das ist die mathematische Übersetzung von "keine Chance". Der Frust im Stadion war greifbar, die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit verhaltenem Applaus, der irgendwo zwischen Mitleid und Ironie pendelte.

Trainer Henryk Kasperczak fasste das Geschehen nüchtern zusammen: "Wir haben das umgesetzt, was wir wollten - ruhig bleiben, Chancen nutzen, stark im Abschluss." Sein Gegenüber, dessen Name die Vereinsführung nach dem Spiel lieber nicht nennen wollte, murmelte nur: "Manchmal ist Fußball eben grausam. Heute war er besonders ehrlich."

Und so bleibt vom 17. Spieltag in Katowice vor allem ein klarer Befund: Jarota Jarocin hat gezeigt, dass Effizienz und Zielstrebigkeit im Fußball immer noch mehr zählen als Ballbesitzstatistiken. Und Rahman Özdenak dürfte sich mit diesem Doppelpack endgültig in die Notizbücher der Scouts gespielt haben.

Vielleicht tröstet das die Fans des FC Katowice ein wenig: Es war kein böser Wille, kein Schicksal - es war einfach ein besseres Team. Und das hat an diesem Abend in Katowice getan, was gute Teams eben tun: Fußball gespielt.

01.12.643990 03:22
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Vielleicht war es mit mir wie mit Helmut Kohl. Dessen Gesicht haben sie ja auch nicht mehr gewollt.
Berti Vogts
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