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An einem frostklaren Januarabend bebte das Bresserberg-Stadion in Kleve, als 6120 Zuschauer ein Fußballspiel erlebten, das alles hatte: Tempo, Emotionen, ein Platzverweis - und am Ende ein Ergebnis, das keiner so richtig einordnen konnte. 1. FC Kleve und Kaiserslautern trennten sich am 6. Spieltag der Regionalliga C mit 2:2 (1:2). Kleve begann mutig, als wolle man den Gästen aus der Pfalz gleich zeigen, dass man auch mit größeren Namen umgehen kann. Schon in der 11. Minute lohnte sich der offensive Ansatz: Niko Menzel, der Denker und Lenker im Klever Mittelfeld, nahm sich ein Herz und schlenzte den Ball nach feinem Zuspiel von Stanimir Bonew ins lange Eck - 1:0. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil Michael Zander vorher so schön den Raum aufgezogen hat", grinste Menzel später. Doch wer glaubte, Kaiserslautern würde sich einschüchtern lassen, sah sich getäuscht. Nur zehn Minuten später kombinierte sich das Team von Trainerin Laura Hellström elegant durch die Mitte. Alexandre Stephan, der zuvor schon zwei Mal gefährlich abgeschlossen hatte, traf nach Vorlage von Justin Steffen zum 1:1. Und als kurz vor der Pause der erst 17-jährige Sam Tilleman nach Pass von Agemar Henrique eiskalt zum 1:2 einschob, war der Jubel im Gästeblock ohrenbetäubend. "Wir haben in der ersten Halbzeit zu brav verteidigt", schimpfte Kleves Coach Wilfried Kuhse an der Seitenlinie, "die Jungs haben wohl gedacht, dass Kaiserslautern im Winterschlaf ist." Nach der Pause kam jedoch ein anderer FC Kleve aus der Kabine. Angetrieben von einer lautstarken Kurve und einer ordentlichen Portion Wut im Bauch drängten die Hausherren auf den Ausgleich. Die Statistik belegt den Druck: 11 Torschüsse für Kleve, nur 8 für Kaiserslautern - und das bei fast ausgeglichenem Ballbesitz (46 zu 54 Prozent). In der 67. Minute fiel dann das verdiente 2:2: Marco Moeller, eigentlich linker Verteidiger und nicht unbedingt bekannt für Torfluten, stand nach einer Flanke von Michael Rau goldrichtig und vollendete per Direktabnahme. "Ich wusste gar nicht, dass ich so einen Schuss habe", witzelte Moeller nach dem Spiel, während sein Trainer trocken entgegnete: "Ich auch nicht." Die Schlussphase hatte es in sich. Kaiserslautern drückte, wurde aber zunehmend nervös. Der junge Dennis Jones, gerade erst eingewechselt, vergab in der 86. Minute die große Chance zum Sieg. Zuvor hatte Kleves Abwehrchef Harald Falk mit Gelb-Rot (84.) den Platz verlassen - ein klassischer Fall von "zu viel Herzblut". "Ich wollte nur zeigen, dass wir kämpfen", rechtfertigte sich der 29-Jährige, "aber der Schiri hat’s wohl zu wörtlich genommen." Trainerin Hellström war nach dem Schlusspfiff hin- und hergerissen. "Wir haben gut gespielt, aber zweimal geführt und trotzdem nicht gewonnen - das fühlt sich an wie eine Niederlage." Ihr Gegenüber Kuhse hingegen nahm den Punkt mit Humor: "Wenn du gegen Lautern mit zehn Mann das 2:2 hältst, darfst du dir ruhig ein Bier aufmachen. Oder zwei." Das Publikum feierte seine Mannschaft minutenlang, als hätte sie den Aufstieg klargemacht. Kleves Offensivdrang, gepaart mit jugendlichem Leichtsinn, sorgte für beste Unterhaltung - und dafür, dass man sich auf die kommenden Spiele freuen darf. Kaiserslautern hingegen wird sich fragen müssen, warum man nach einer souveränen ersten Halbzeit das Spiel aus der Hand gab. Vielleicht lag’s an der Verletzung von Tilleman in der 69. Minute, der bis dahin der auffälligste Mann war. Vielleicht aber auch daran, dass Kleve einfach nicht lockerließ. Am Ende stand ein 2:2, das keiner so richtig wollte und beide ein bisschen verdienten. Die einen für ihren Mut, die anderen für ihre Cleverness. Und irgendwo zwischen Flutlicht, Dampf aus den Atemwolken und einem leicht überforderten Schiedsrichter lag das, was Fußball in der Regionalliga C so charmant macht: ehrlicher Kampf, schiefe Pässe - und Geschichten, die man sich beim nächsten Frühschoppen wieder erzählt. Oder wie Niko Menzel es formulierte, als er mit roten Wangen in die Katakomben stapfte: "Manchmal ist ein Unentschieden das schönste Ergebnis der Welt - solange man nicht verliert." Und genau das tat an diesem Abend keiner. 18.03.643987 00:19 |
Sprücheklopfer
Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts