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Ein lauer Winterabend in Koropi, Flutlicht, 12.500 Zuschauer und das Gefühl, dass heute eigentlich alles möglich wäre - bis der Fußball wieder einmal bewies, dass er eigene Gesetze schreibt. Koropi verlor am 9. Spieltag der 1. Liga Griechenland mit 0:1 gegen Alexandroupoli - ein Spiel, das statistisch eigentlich nicht verloren gehen durfte, aber auf der Anzeigetafel gnadenlos ehrlich blieb. Von Beginn an machten die Hausherren Druck. Schon in der ersten Minute prüfte Timotheos Giannopoulos den jungen Gästetorwart Carl Djalo, der die Kugel gerade noch um den Pfosten lenkte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne, während er seine Sonnenblume ablegte - ein Satz, der sich an diesem Abend noch oft wiederholen sollte. Koropi kam, sah - und scheiterte. Zehn Torschüsse, 51,5 Prozent Ballbesitz, und trotzdem kein Treffer. Alexandroupoli dagegen schoss nur fünfmal aufs Tor, aber einer davon saß. In der 21. Minute war es der Routinier Dennis Moll, 36 Jahre jung, der nach einem mustergültigen Pass des 17-jährigen Gavriil Kostikos eiskalt zur Führung einschob. Ein Tor aus dem Nichts, ein Schlag in die Magengrube der Gastgeber. "Ich hab den Ball einfach reingehauen, bevor mein Körper überlegt hat", grinste Moll später in die Kameras. Trainer Bart Simpson - ja, der Name sorgte für einige Schmunzler auf der Pressekonferenz - lobte nach dem Spiel die Nervenstärke seiner Jungs: "Wir haben nicht schön gespielt, aber clever. Manchmal reicht das." Sein Gegenüber, der Koropi-Coach, war weniger amüsiert: "Wenn du zehnmal aufs Tor schießt und nichts triffst, dann kannst du auch Lotto spielen. Da ist die Trefferquote höher." Die Partie selbst bot durchaus Unterhaltung. Nach dem frühen Rückstand versuchte Koropi, das Spiel zu drehen. Linksaußen Gavriil Vassiliadis rannte sich beinahe die Lunge aus dem Leib, flankte, schoss, kämpfte - ohne Lohn. In der 28. Minute scheiterte er erneut an Djalo, der einen Sahnetag erwischt hatte. "Der Junge hat Spinnenarme", flüsterte ein Fan anerkennend. Kurz vor der Pause dann der Schockmoment: Rechtsverteidiger Andronikos Tsitsis blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Für ihn kam Stürmer Jose Estevez - eine Art Verzweiflungsakt, der die Defensive noch wackliger machte. Alexandroupoli roch den Braten, zog sich aber klug zurück, lauerte auf Konter. In der zweiten Halbzeit spielte Koropi fast ausschließlich auf ein Tor. Adrianos Kampantais prüfte den Keeper in der 64. Minute, William Reid donnerte in der 66. eine Granate knapp drüber, und Nachwuchsstürmer Akakios Fotopoulos hatte in der 92. Minute die letzte Chance - doch wieder stand Djalo goldrichtig. Der Schlusspfiff klang für die Heimfans wie ein Hohn. Die Statistiken erzählten eine bittere Geschichte: Mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe, mehr Torschüsse - aber null Punkte. Alexandroupoli hingegen spielte konzentriert, diszipliniert, fast stoisch. Ein gelber Karton für Innenverteidiger Alfie Harte in der 44. Minute war das einzige, was an Drama erinnerte. Nach dem Spiel standen die beiden Teams noch lange auf dem Platz. Dennis Moll klopfte seinem jungen Mitspieler Kostikos auf die Schulter, der mit glänzenden Augen in Richtung Tribüne sah. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach spielen, als wäre es ein Parkkick", erzählte Moll später mit einem Augenzwinkern. Die Fans von Koropi verließen das Stadion mit hängenden Köpfen. Einer fasste das Spiel vielleicht am treffendsten zusammen: "Wir hätten bis Mitternacht spielen können - der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen." Fazit: Alexandroupoli siegt mit 1:0, weil Erfahrung und Effizienz manchmal stärker sind als Wille und Ballbesitz. Koropi bleibt das Team der vergebenen Chancen, während Bart Simpson und seine Jungs drei Punkte mitnehmen, die sie sich vielleicht nicht verdient, aber klug erarbeitet haben. Und irgendwo zwischen den Flutlichtern und den enttäuschten Gesichtern hörte man noch den Stadionsprecher sagen: "Fußball ist eben kein Wunschkonzert." An diesem Abend klang das wie bittere Wahrheit - aber auch wie ein Versprechen für bessere Tage. 21.04.643987 17:20 |
Sprücheklopfer
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