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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 30.865 Zuschauer - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. Kottingbrunn empfing den SV Gmunden am 7. Spieltag der 1. Liga Österreich und bot den Fans eine Achterbahnfahrt aus Nervenkitzel, jugendlicher Unbekümmertheit und taktischem Pragmatismus. Am Ende stand ein 2:1-Sieg für die Hausherren, der so hart erarbeitet war wie ein Schilling im Jahr 1980. Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Heimsieg aus. Schon in der 7. Minute brachte Tomas Kvasnak die Gäste aus Gmunden in Führung - eiskalt und mit der Präzision eines Uhrmachers aus Bratislava. Nach einem Eckball von Klaus Karl stand Kvasnak goldrichtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Kottingbrunns Keeper Mika Vuorinen später, "aber dann war er halt drin. Dumm gelaufen." Gmunden bestimmte in der Anfangsphase das Geschehen, hatte mehr Abschlüsse (14 insgesamt) und wirkte ballsicherer, auch wenn der Ballbesitz mit 44,6 Prozent nicht unbedingt darauf hindeutet. Kottingbrunn lauerte - wie von Trainer Michael Goldfinger angekündigt - auf Konter. "Wir sind keine Mannschaft, die den Ball zum Einschlafen bringt. Wir spielen, um zu stechen", sagte er mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Selbstironie und Selbstbewusstsein lag. In der 36. Minute schlug der Plan zu. Ausgerechnet der 19-jährige Rechtsverteidiger Nevio Fuchs, bisher eher durch solide Defensivarbeit als durch Torgefahr aufgefallen, traf zum Ausgleich. Nach einem langen Ball von Routinier Robert Nolan zog Fuchs einfach mal ab - und der Ball zappelte im langen Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand der junge Held später lachend. "Aber dann hat der Ball halt seinen eigenen Kopf gehabt." Goldfinger kommentierte trocken: "Wenn der Junge das jetzt jedes Wochenende so macht, kriegt er nächste Woche Freistoßrechte." Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich eine offene Partie. Gmunden kombinierte sicher, insbesondere über den agilen Luca Delfino, während Kottingbrunn mit Leidenschaft und jugendlicher Energie dagegenhielt. Dass die Gäste in der 73. Minute ihren Abwehrchef Klaus Karl mit Gelb verwarnt sahen, passte ins Bild - Gmunden drückte, aber Kottingbrunn biss. In der 69. Minute fiel dann die Entscheidung - und sie war so schön, dass selbst der gegnerische Trainer kurz klatschte. Jonas Hennig, der schon zuvor mehrfach gefährlich abgeschlossen hatte, verwertete einen Pass von Georgi Berbatow zum 2:1. Ein klassischer Konter, schnell, präzise, tödlich. "Ich hab ihn gesehen und einfach gehofft, dass er mich sieht", erzählte Hennig später. "Und Georgi hat mich gesehen. Zum Glück." Gmunden-Coach Paul Gloesmann tobte an der Seitenlinie, später aber zeigte er sich versöhnlich: "Wir hatten unsere Chancen. 14 Schüsse aufs Tor sprechen für sich. Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - sonst hätten wir heute gewonnen." In den letzten Minuten warfen die Gäste alles nach vorne. Vlad Raducanu, frisch eingewechselt, zwang Vuorinen zu einer Glanzparade, und Klaus Karl versuchte sich in der Nachspielzeit noch einmal als Stürmer - erfolglos. Kottingbrunn verteidigte mit allem, was Beine hatte, und manchmal auch mit dem Oberkörper. Nach dem Abpfiff jubelte das Publikum, während Goldfinger seine Mannschaft fast väterlich umarmte. "Ich bin stolz", sagte er, "nicht nur auf das Ergebnis, sondern auf die Art, wie wir das Ding gedreht haben. Das war Leidenschaft pur." Gloesmann hingegen fasste das Ganze mit Galgenhumor zusammen: "Wenn man den Gegner zweimal ins Spiel zurücklässt, darf man sich nicht wundern. Nächste Woche üben wir das Wegbleiben." Statistisch gesehen war es kein klarer Sieg - 55 Prozent Ballbesitz für Kottingbrunn, aber weniger Torschüsse. Doch Fußball wird bekanntlich nicht auf dem Statistikbogen entschieden. Es war ein Abend, an dem ein junger Verteidiger Geschichte schrieb und ein erfahrener Trainer seinen Plan bestätigt sah. Und irgendwo im Stadion, so munkelt man, rief ein Fan nach dem Abpfiff: "Fuchs for President!" - was in Kottingbrunn wohl der höchste Ausdruck der Verehrung ist. Ein Spiel, das zeigte, dass Herz manchmal mehr zählt als System - und dass ein versehentlicher Schuss manchmal der schönste sein kann. 08.04.643987 12:56 |
Sprücheklopfer
Wir sind insgesamt so gefestigt, dass jeder die Meinung des Trainers akzeptiert.
Dieter Eilts