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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Ball vielleicht eckig ist. 31.075 Zuschauer in Kottingbrunn sahen am 3. Spieltag der 1. Liga Österreich ein Spiel, das mehr Geduld als Herzschlag erforderte - bis Minute 54, als Carsten Kolb den Bann brach und mit seinem Treffer zum 1:0-Endstand die Arena endlich in Bewegung brachte. Dabei ging der Abend furios los - zumindest statistisch. Schon in der ersten Minute prüfte Carlos Coluna mit einem satten Schuss den gegnerischen Keeper Daniel Pere. Doch die Kugel wollte einfach nicht rein. Trainer Michael Goldfinger kommentierte später mit einem verschmitzten Lächeln: "Wir haben gespielt, als wären wir allergisch gegen Tore." Die Gäste aus Pinzgau hatten sich hingegen ein klares Konzept zurechtgelegt: hinten sicher stehen, vorne auf den lieben Zufall hoffen. Ihre Taktik - "BALANCED" mit Hang zum "COUNTER", wie die Statistik nüchtern verrät - sah in der Praxis so aus, dass meistens elf Blaue hinter dem Ball standen. Nur Herold Groot durfte gelegentlich den Frust der Defensive mit einem Schüsschen in Richtung Kottingbrunner Tor kompensieren. Kottingbrunn hingegen war das aktivere Team: 20 Schüsse aufs Tor, 55 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent Zweikampferfolg - Zahlen, die Trainer Goldfinger sicher in seinem Wohnzimmer rahmen wird. Trotzdem stand es zur Pause 0:0. "In der Kabine hab ich gesagt: Jungs, ihr spielt super - aber das Runde gehört ins Eckige, nicht daneben", erzählte Goldfinger später mit einem ironischen Schulterzucken. Und dann kam die 54. Minute. Carsten Kolb, 22 Jahre jung, bisher mehr für seine Laufstärke als für seine Torquote bekannt, nahm sich ein Herz. Nach einer butterweichen Vorlage von Carlos Coluna zog er zentral ab - trocken, präzise, unhaltbar. 1:0 für Kottingbrunn, und die Tribüne bebte endlich. Kolb grinste danach: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn’s so gut aussieht, sag ich nichts dagegen." Der FC Pinzgau versuchte in der Folge, den Rückstand mit langen Bällen zu egalisieren. Doch was da an Flugbällen aus der eigenen Hälfte kam, wäre auf jedem Flughafen als Übergepäck deklariert worden. Die jungen Offensivkräfte - der 18-jährige Hartmut Rupp und der 17-jährige Richard Urban - mühten sich redlich, doch Kottingbrunns Abwehr, angeführt von Altmeister Klaus Beier (35), ließ nichts anbrennen. In der 70. Minute kam Pinzgau noch einmal gefährlich vor das Tor, als Rupp volley abzog - aber Torwart Pol Moutinho, dessen ruhige Ausstrahlung an einen Yoga-Lehrer erinnerte, pflückte den Ball seelenruhig aus der Luft. Danach verflachte das Spiel wieder. Statt Torchancen hagelte es Gelbe Karten: Robert Nolan sah früh Gelb (8.), Bogdan Ungureanu tat es ihm in der 83. gleich. Beides Male kommentierte Coach Goldfinger: "Unsere Jungs wollten wohl nur zeigen, dass sie Farbe bekennen können." Auf der anderen Seite stand Andy Clock, der Pinzgauer Trainer, regungslos an der Linie. Nach dem Spiel meinte er trocken: "Wir hatten einen klaren Plan - nur leider hat er nichts mit Fußball zu tun gehabt." Sein junger Torhüter Pere, trotz Niederlage einer der Besten, ergänzte: "Wenn man 20 Schüsse abwehrt und trotzdem verliert, fragt man sich kurz, ob man vielleicht was in einem früheren Leben verbrochen hat." Die Schlussminuten gehörten wieder Kottingbrunn. In Minute 84 versuchte Georgi Berbatow, der mit seinem Namen mehr Glamour als Präzision ins Spiel brachte, den Deckel draufzumachen, aber Pere parierte erneut glänzend. In der Nachspielzeit probierte es sogar Rechtsverteidiger Beier - was zeigt, wie sehr Kottingbrunn Lust auf mehr hatte. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Goldfinger seinem Assistenten in die Arme, als hätte Kolb gerade die Meisterschaft entschieden. Dabei war es "nur" der erste Saisonsieg - aber einer, der nach den zähen 90 Minuten doppelt süß schmeckte. "Endlich belohnen wir uns für unsere Arbeit", jubelte Kolb, während Coluna ihm neckisch zurief: "Na siehst du, Flanken kann ich doch!" Pinzgau dagegen reist mit leeren Händen, aber immerhin mit jugendlicher Erfahrung, zurück in den Alpen. Und vielleicht auch mit der Erkenntnis, dass man Spiele nicht allein mit langen Pässen gewinnt. Am Ende bleibt ein Fazit: Kottingbrunn dominierte, Pinzgau verteidigte, und Carsten Kolb schrieb den einzigen Satz, den dieses Spiel brauchte - ein Tor. Der Rest war Statistik, Geduld und ein bisschen Humor. Oder, wie Stadionsprecher Sepp Mayer es nach Abpfiff formulierte: "Kottingbrunn 1, Pinzgau 0 - das war kein Feuerwerk, aber wenigstens hat’s gefunkt." 21.02.643987 11:04 |
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