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Tirols Startrainerin Tamara Müller stand nach dem Schlusspfiff regungslos an der Seitenlinie. 25.447 Zuschauer im Innsbrucker Stadion hatten soeben eine bittere Lehrstunde in Sachen Effizienz erlebt: Kottingbrunn gewann mit 2:0 (1:0), und das nicht etwa, weil sie das Spiel bestimmten - sondern weil sie wussten, wann man zuschlagen muss. Schon in der 19. Minute zeigte sich der Unterschied zwischen Ballbesitz und Zielstrebigkeit. Während die Tiroler in den ersten Minuten munter Kurzpässe übten, als gelte es, den Rasen gleichmäßig zu streicheln, schaltete Kottingbrunn nach einem Ballverlust blitzschnell um. Carlos Coluna zog auf rechts an, flankte scharf, und Florian Schmitt, 23 Jahre jung und sichtbar unbelastet von taktischer Grübelei, traf per Direktabnahme ins lange Eck. 1:0 - und Müller raufte sich die Haare. "Wir wussten, dass sie kontern können", knurrte sie später, "aber offenbar wussten es meine Spieler nicht." Tirol hatte durchaus Chancen. Rhys Locklear prüfte Keeper Pol Moutinho in der 6. Minute, Taylor Miller drosch gleich dreimal (50., 52., 63.) aus der zweiten Reihe drauf, als wolle er den Ball durch Willenskraft ins Netz zwingen. Doch der Portugiese im Kottingbrunner Tor war an diesem Abend so unbezwingbar wie ein Tresor mit Zahlenschloss. "Ich hab einfach Spaß gehabt", grinste Moutinho nach dem Spiel, "die Tiroler schießen schön, aber selten ins Eck." Kottingbrunn zeigte sich von gelben Karten unbeeindruckt - gleich drei Spieler holten sich den mahnenden Karton ab, darunter Linksverteidiger Robert Nolan schon nach 27 Minuten. Trainer Michael Goldfinger kommentierte trocken: "Unsere Jungs wollten zeigen, dass sie da sind. Vielleicht ein bisschen zu deutlich." In der zweiten Halbzeit bemühte sich Tirol redlich, das Spiel zu drehen. 44,8 Prozent Ballbesitz - fast ausgeglichen - aber es fehlte die zündende Idee. Oscar Marco und Teodor Nguyen kurvten auf den Flügeln, als suchten sie den Eingang zu einem Geheimgang im Strafraum. Und während Innsbruck versuchte, das Spiel zu kontrollieren, stand Kottingbrunn tief, lauerte - und wartete. Dann, als die Heimfans schon auf das Ausgleichstor hofften, schlug in der Nachspielzeit die Effizienz erneut zu. Nach einem weiten Lauf über links legte Joao Bermudo quer, und Theodor Herman schob in der 95. Minute cool ein. 2:0. In der Tiroler Kurve wurde es still wie im Lesesaal einer Stadtbibliothek. "Das ist Fußball", sagte Goldfinger nach dem Schlusspfiff mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Schalk pendelte. "Wenn man zwei Tore mehr schießt, gewinnt man meistens." Seine Mannschaft hatte 55 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - aber vor allem die Ruhe. Taktisch blieb Kottingbrunn ihrem Stil treu: ausgeglichen in der Grundordnung, konternd im Angriff, kein Pressing, keine Hektik. Tirol dagegen lief, passte, kombinierte kurz - und kam nie wirklich durch. Tamara Müller wirkte frustriert: "Wir wollten mutig sein, aber manchmal ist Mut einfach nur ein anderer Name für Naivität." Ein fiktiver Reporter am Spielfeldrand raunte seinem Kollegen zu: "Wenn Tirol so weiterspielt, gewinnen sie wenigstens die Passquote." Der andere grinste: "Ja, aber leider keine Punkte." So endete ein Spiel, das in den Statistiken fast ausgeglichen war, aber auf der Anzeigetafel klare Worte sprach. 0:2 - Florian Schmitt (19.) und Theodor Herman (95.) trafen für ein Kottingbrunn, das an diesem Abend nicht schöner, aber klüger spielte. Tirol Innsbruck dagegen blieb trotz 13 Torschüssen und engagierter Leistung torlos - und muss sich fragen, ob Schönheit allein im Fußball wirklich zählt. "Wir werden das aufarbeiten", versprach Müller vor dem Abgang in die Kabine. Und als sie kurz innehielt, fügte sie hinzu: "Vielleicht üben wir beim nächsten Training mal: aufs Tor schießen, nicht daneben." Ein bitterer Abend für Tirol, ein gelassener Triumph für Kottingbrunn - und für die Zuschauer ein Lehrbeispiel in Sachen Pragmatismus. Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb. Manchmal gewinnt einfach der, der zweimal trifft. 18.03.643987 02:32 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
Mario Basler auf die Bitte des Bayerischen Fernsehens, ob er am Montag Studiogast in Blickpunkt Sport sein wolle