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Es war ein lauer Abend in Kingston, die Luft vibrierte, 32.000 Zuschauer fächerten sich mit Eintrittskarten Zuversicht zu - und nach exakt vier Minuten war sie dahin: die Zuversicht von Greenwich Town. Ein schneller Angriff, ein Pass von Youngster Rhys Lorring, und Radoslav Kotula, der bullige Mittelstürmer aus der Slowakei, drosch den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes, der sein Abendessen schon gerochen hat, in die Maschen. 0:1 - und das blieb es. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Greenwich-Keeper Elliot Cauchon später, "aber er war leider noch sehr, sehr drinnen." Damit war das Spiel eigentlich erzählt. Doch wer das glaubt, hat die Gastgeber unterschätzt, die sich mit viel Herz, aber wenig Fortune in die Partie warfen. Greenwich Town war taktisch wie gewohnt offensiv aufgestellt, aber was nützt die schönste Ausrichtung, wenn vorne das Visier verrutscht? Sechs Torschüsse standen am Ende zu Buche - alle ohne Happy End. Olivier Cort prüfte Constant Springs Torhüter Davide Pircher schon in der zweiten Minute, Lucas Millington versuchte es mehrfach - einmal sogar so wuchtig, dass das Tornetz kurz zitterte, obwohl der Ball klar daneben ging. Constant Spring hingegen zeigte, wie man mit fast identischem Ballbesitz (49,9 Prozent) dennoch das Spiel diktiert. 17 Torschüsse, ein Tor - die Effizienzquote war zwar kein Lehrbuchstoff, aber das frühe Tor reichte. Trainer Max Wegner grinste nach Schlusspfiff: "Wir wollten Greenwich gleich zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing hier sind. Danach haben wir uns an der Aussicht erfreut." In der Tat: Nach Kotulas Treffer schalteten die Gäste auf Verwaltungsmodus. Die Offensive blieb gefährlich, vor allem über die linke Seite mit Stephane Forsythe, der gefühlt in jeder zweiten Szene auftauchte. Drei seiner Abschlüsse landeten im Fangnetz - einer fast auf der Tribüne, was ihm den Spott der Heimfans einbrachte. "Ich wollte die Fans wachhalten", grinste Forsythe später. Für Greenwich war es ein Abend der verpassten Möglichkeiten. Vicente Baiao, sonst ein Fels im Sturmzentrum, blieb zwischen den robusten Innenverteidigern von Constant Spring eingeklemmt wie eine Mango zwischen zwei Kokosnüssen. Und wenn doch mal Platz war, fehlte die Präzision. "Wir haben gearbeitet, gerannt, geflucht - aber das Tor war wie verriegelt", sagte Lucas Millington, der wohl beste Mann der Gastgeber, und stapfte mit gesenktem Kopf in die Kabine. In der 12. Minute zeigte Schiedsrichter Grant allerdings, dass er auch noch da war: Gelb für Constant Springs Linksverteidiger Albert Escudero, nachdem dieser Cort auf Höhe der Mittellinie umpflügte. "Ich bin ausgerutscht", verteidigte sich Escudero später - und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Auf seinen Schuhen." Die zweite Halbzeit verlief nach ähnlichem Muster: Greenwich rannte, Constant Spring konterte, das Publikum schwankte zwischen Hoffnung und resigniertem Wippen. Der Ball lief, aber er lief selten dorthin, wo er sollte. Als Henry Cabell in der 70. Minute eine Flanke artistisch per Volley nahm, hielt das Stadion kurz den Atem an - ehe der Ball in hohem Bogen über die Latte segelte. "Der war fast drin", meinte Trainer Wegner trocken, "aber leider im falschen Universum." In der Schlussphase wechselte Constant Spring dreifach - frisches Blut, junge Beine, alte Routine. Ryan Delmas, Michael Benett und Charlie Gauthier kamen, um das 1:0 über die Zeit zu bringen. Und das taten sie. Greenwich fand keine Lücke, Constant Spring keine Lust mehr auf Risiko. So endete das Spiel, wie es begonnen hatte: mit einem Tor von Kotula und viel Laufarbeit auf beiden Seiten. Die Statistik erzählte eine klare Geschichte - 17:6 Torschüsse, 54,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, und ein Ballbesitz, der fast mathematisch ausgeglichen war. "Wir haben uns selbst geschlagen", knurrte ein frustrierter Greenwich-Coach nach Abpfiff, der lieber ungenannt bleiben wollte. "Oder sagen wir: Wir haben uns freundlich begleitet - bis zum eigenen Strafraum." Constant Spring hingegen feierte ausgelassen mit den mitgereisten Fans. Kotula wurde auf den Schultern seiner Mitspieler aus dem Stadion getragen - ob wegen seines Siegtores oder weil seine Beine nach 90 Minuten müde waren, blieb offen. Ein spätes Fazit? Greenwich Town zeigte Moral, Constant Spring zeigte Effektivität. Manchmal reicht das. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne es zusammenfasste: "Fußball ist, wenn der eine schießt und der andere trifft." Und an diesem Abend hieß der andere eben Radoslav Kotula. 17.03.643987 21:05 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt