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Kozacik schießt Vikings zum 4:3 - Trondheim verpasst das Wunder knapp

Eliteserien | 2. Spieltag | 06.07.26 | Trondheim BK - Viking FK 3:4

Wer an diesem lauen Sommerabend im Lerkendal-Stadion pünktlich kam, hatte kaum Zeit, sich hinzusetzen, bevor das Chaos ausbrach. 20.085 Zuschauer sahen ein Spiel, das eher an ein Rockkonzert erinnerte als an geordneten Fußball - laut, wild, unberechenbar. Am Ende setzte sich Viking FK mit 4:3 bei Trondheim BK durch, dank eines Dreierpacks von Milan Kozacik, der mit 23 Jahren schon aussieht, als würde er beim Frühstück Tore schmieren.

Dabei hatte Trondheim den besseren Start: Schon in der ersten Minute zog der junge Brede Grindheim aus gut 20 Metern ab - und traf! 1:0 nach 52 Sekunden. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Trainer Uwe Kämmerer später, "aber Brede wollte wohl einfach den Ballwechsel sparen."

Doch die Gäste aus Stavanger zeigten, warum man sie nicht unterschätzen sollte. In der 14. Minute verwandelte Ragnhild Hogmo nach Zuspiel von Gino Marica den ersten ernsthaften Angriff zum Ausgleich. Zwei Minuten später drehte Kozacik die Partie mit seinem ersten Treffer - und legte fünf Minuten danach gleich noch einen drauf. Dreifach-Schlag, Viking führte 3:1, und die Heimfans rieben sich die Augen.

Trondheim antwortete wütend: Robert Hiliard traf in der 26. Minute nach Vorarbeit von Lennart Sommer zum Anschluss. Sommer hatte kurz zuvor Gelb gesehen, aber das hinderte ihn nicht daran, mit dem Mut eines Mannes, der ohnehin schon auf der Liste steht, nach vorn zu marschieren. Zur Pause stand es 2:3 - und man hatte das Gefühl, dass hier noch alles passieren konnte.

Stattdessen passierte zunächst das: Tom Bruns, rechter Verteidiger mit einem Faible für späte Tacklings, holte sich nach seiner Gelben in der 39. Minute direkt nach Wiederanpfiff Gelb-Rot ab. "Er meinte, der Gegner sei im Weg gewesen", brummte Kämmerer. Zehn Mann also für Trondheim, und 45 Minuten Zeit, um das Spiel noch zu drehen - ein Vorhaben zwischen Mutprobe und Wahnsinn.

Doch genau dieser Wahnsinn machte das Spiel so unterhaltsam. Viking-Coach Markus Frey, ein Mann, der selten lächelt, brachte zur Halbzeit gleich drei frische Spieler - und tat so, als plane er eine Schachpartie mit 18 Figuren. "Wir wollten das Tempo hochhalten, die Räume nutzen", erklärte er. Tatsächlich hielt seine Mannschaft Ball und Gegner in Bewegung - aber ohne das vierte Tor.

Dann kam die 70. Minute, und das Stadion explodierte: Taylor Hunt, der bullige Linksaußen, erzielte nach feinem Zuspiel von Grindheim das 3:3. Zehn Mann, drei Tore, pure Leidenschaft. "Ich hab nur gesehen, dass Brede den Kopf oben hatte", sagte Hunt danach, "und dann dachte ich: Jetzt oder nie." Es wurde "jetzt".

Aber Viking wäre nicht Viking, wenn sie nicht noch einen Pfeil im Köcher gehabt hätten. Und wer sonst, wenn nicht Kozacik? In der 78. Minute köpfte er nach einer Flanke von Solveig Mykland - natürlich! - zum 3:4 ein. Der Hattrick war perfekt, der Jubel grenzenlos. Mykland, der kurz zuvor Gelb kassiert hatte, grinste nach dem Spiel: "Ich wollte eigentlich gar nicht flanken. Der Ball ist einfach in die richtige Richtung geflogen."

Trondheim warf in den letzten Minuten alles nach vorn - inklusive Torwart Jacob Haas, der in der Nachspielzeit fast den Ausgleich per Kopf erzielte. Fast. Der Ball rauschte knapp über die Latte, und Viking rettete den Sieg über die Zeit.

Statistisch war das Spiel so ausgeglichen wie ein Zirkusseiltänzer: Beide Teams mit 12 Torschüssen, Ballbesitz 51,5 zu 48,4 Prozent für Trondheim. Nur die Kartenbilanz kippte klar zugunsten der Gäste - weil Trondheim eben mit Leidenschaft verteidigte, manchmal auch ein bisschen zu leidenschaftlich.

Nach dem Schlusspfiff sagte Frey trocken: "Wir haben heute mehr Tore geschossen als Chancen gehabt." Sein Gegenüber Kämmerer seufzte: "Wir haben mehr Herz gezeigt als Punkte gesammelt." Man hätte ihm am liebsten eine Umarmung angeboten - oder wenigstens ein kaltes Bier.

So bleibt Viking FK mit sechs Punkten aus zwei Spielen oben dran, während Trondheim BK sich über verpasste Chancen ärgern darf. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - und das völlig zu Recht.

Denn wer an diesem Abend im Stadion war, weiß: Es gibt Niederlagen, die sind schöner als so mancher Sieg. Und wenn die Eliteserien so weitergeht, sollte man besser frühzeitig die Popcornvorräte auffüllen.

06.07.2026 21:07
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