Fréttablaðið
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KR Stjarnan dreht das Spiel - Iprottafelag verzweifelt an Effizienz

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott nicht doch eine Vorliebe für Ironie hat. 11.287 Zuschauer im Stadion von Iprottafelag sahen ein Spiel, in dem ihre Mannschaft alles tat - außer das Nötigste: nämlich gewinnen. Am Ende stand ein 1:2 gegen KR Stjarnan, das in seiner Nüchternheit mehr schmerzte als jede Schiedsrichterentscheidung.

Dabei begann alles wie gemalt. Schon früh drängte Iprottafelag nach vorn, als wolle man die schlechten Erinnerungen der vergangenen Wochen vergessen machen. Sigmund Lundqvist prüfte in der 2. Minute den Gästetorwart Antonio Delgado, und spätestens nach einer Viertelstunde schien der Bann gebrochen: Aaron Edwards, der Routinier im linken Mittelfeld, nahm einen präzisen Pass von Darko Durisic volley - und jagte den Ball zum 1:0 in die Maschen (16.). "Das war genau der Start, den wir uns vorgenommen hatten", grinste Edwards später, "aber irgendwie hat der Plan dann aufgehört."

Denn kaum hatte sich das Publikum von der Euphorie erholt, schlug KR Stjarnan eiskalt zurück. Acht Minuten nach der Führung schickte Servet Demirel einen butterweichen Ball in den Lauf von Sigfrid Sundström, der keine Sekunde zögerte und trocken zum 1:1 einschob (24.). "Wir wussten, dass sie hoch stehen", erklärte Sundström später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Unschuld und Überheblichkeit pendelte. "Da musste man nur noch nett bitten, und der Ball ging schon durch."

Das Spiel blieb in der Folge ausgeglichen - zumindest auf der Anzeigetafel. In Wahrheit hatte Iprottafelag mehr vom Ball (53,7 Prozent Ballbesitz), mehr Abschlüsse (14 zu 11) und weniger Glück. Mikael Abramson hämmerte in der 21. Minute an den Pfosten, Valentin Uggla köpfte in der 45. haarscharf vorbei. Trainer Helgi Björnsson (der sich nach dem Spiel weigerte, von "fehlendem Glück" zu sprechen) meinte trocken: "Wenn man 14-mal aufs Tor schießt und nur einmal trifft, ist das kein Pech, sondern Mathematik."

In der zweiten Halbzeit kippte das Spiel dann endgültig in Richtung der Gäste. Während Iprottafelag weiter geduldig kombinierte, schaltete KR Stjarnan plötzlich um - und traf. In der 51. Minute leitete Rechtsverteidiger Jakob Söderberg einen weiten Ball auf den schnellen Fernando Makukula, der sich gegen zwei Verteidiger durchsetzte und zum 1:2 einschob. Torwart Rutger Brun blieb dabei chancenlos. "Ich hab’ ihn kommen sehen - und dann war er schon vorbei", stöhnte Brun später.

Was folgte, war ein Musterbeispiel an vergebener Mühe. Iprottafelag drückte, hatte Chancen, aber keine Nerven. Durisic zirkelte in der 65. Minute knapp vorbei, Uggla scheiterte in der 62. am glänzend reagierenden Delgado. Auf der anderen Seite klärte Herman Lundqvist in höchster Not gegen Gottskalksson. Die Fans auf der Haupttribüne sahen, wie ihre Mannschaft kämpfte - und wie sie scheiterte. In der 86. Minute landete ein letzter Distanzschuss von Durisic in den Armen des Gästekeepers, der sich danach demonstrativ Zeit beim Abstoß ließ.

Schiedsrichterin Arna Gudmundsdóttir verteilte nur eine Gelbe Karte - an KR-Verteidiger Herbert Carlsson (64.), der offenbar kurz vergessen hatte, dass Grätschen kein olympischer Kontaktsport ist.

Nach dem Schlusspfiff jubelten die Gäste, während die Hausherren ratlos auf den Rasen starrten. Trainer Andri Ólafsson von KR Stjarnan lobte seine Mannschaft für "eine reife Leistung gegen einen starken Gegner" und fügte mit nordischer Gelassenheit hinzu: "Wir haben einfach die besseren Entscheidungen getroffen." Sein Gegenüber konterte mit einem leicht sarkastischen Lächeln: "Vielleicht sollten wir mal weniger entscheiden und mehr treffen."

Statistisch betrachtet war Iprottafelag das dominantere Team - 53 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, eine solide Zweikampfquote - doch der Fußball bleibt eben kein Schönheitswettbewerb. KR Stjarnan hingegen spielte schnörkellos, effizient und mit jener skandinavischen Kälte, die im Sturm oft Gold wert ist.

Als die Flutlichter langsam erloschen und sich die Fans auf den Heimweg machten, hallte noch ein resigniertes "Nächstes Mal klappt’s bestimmt" über die Tribüne. Vielleicht. Aber an diesem Abend hatte der Fußball wieder einmal gezeigt, dass er ein grausamer, aber großartiger Geschichtenerzähler ist.

Und irgendwo in der Kabine von Iprottafelag soll Aaron Edwards leise gemurmelt haben: "Wenn Schönheit Punkte gäbe, wären wir Meister." Nun ja - leider zählt immer noch das Tor.

29.09.643987 09:00
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