Außenseiter
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Krug rettet Kiel in letzter Sekunde - 1:1 gegen tapferes Lamstedt

Wenn ein Spiel an einem frostigen Januarabend in Kiel erst in der 90. Minute richtig warm wird, dann hat das seinen eigenen Charme - oder, wie ein Zuschauer auf der Tribüne lachte: "Das war wie Glühwein - erst am Ende heiß!" Holstein Kiel trennte sich am 14. Spieltag der Oberliga A mit 1:1 von Lamstedt, und das Ergebnis beschreibt einen Abend, der zwischen Verzweiflung, Erleichterung und leichtem Sarkasmus pendelte.

Von Beginn an war klar: Lamstedt würde sich hier nicht verstecken. Schon nach drei Minuten zwang Günter Hummel Kiels jungen Keeper Benjamin McShane zur ersten Parade. Und was folgte, war ein regelrechter Sturmlauf der Gäste - vier Torschüsse in den ersten zwölf Minuten, als wollten sie die Gastgeber aus der Förde gleich mit versenken. "Wir wollten früh zeigen, dass wir nicht nur zum Muschelsammeln hergefahren sind", grinste Lamstedts Trainer Hardy Hate später.

Kiel brauchte eine Weile, um den Rhythmus zu finden. Karl Krug, der 34-jährige Linksaußen mit der Erfahrung von gefühlt 300 Spielen, prüfte Lamstedts Torhüter Hagen in der 21. Minute - der erste Lebensnachweis der Hausherren. Danach blieb es ein zähes Ringen um Ballbesitz (Kiel 53 %, Lamstedt 47 %), aber die Gäste wirkten gefährlicher. In der 42. Minute belohnten sie sich: Hermann Meister, Lamstedts quirliger Linksaußen, verwertete eine punktgenaue Flanke von Karl Merz zum 1:0. Eiskalt, präzise, norddeutsch nüchtern.

"Da haben wir einmal geschlafen, und prompt klingelt’s", brummte Kiels Trainer Malte Gosch in der Pause. Seine Mannschaft wirkte tatsächlich wie nach einer zu langen Mittagsruhe. Die Lamstedter, getragen von der Führung, begannen die zweite Halbzeit mit kontrollierter Aggressivität - Meister hätte in der 46. Minute beinahe nachgelegt, McShane verhinderte Schlimmeres.

Dann aber kippte das Spiel - langsam, aber stetig. Gosch brachte frische Energie über die Flügel, und plötzlich war Kiel da. Atli Gottskalksson feuerte aus 20 Metern, Lasse Sonne versuchte es gleich dreimal (77., 78., 89.), doch Lamstedts Defensive blockte mit allem, was Beine hat. "Manchmal hatte ich das Gefühl, die stehen zu elft im Fünfer", fluchte Sonne später, nicht ohne Bewunderung.

Kurzzeitig schien das Spiel mehr Gelb als grün zu sehen: Erst sah Kiels Lasse Thomas die Karte (75.), dann Lamstedts Viorel Sandoi (76.). "Das war kein böses Spiel, eher ein lebendiges", kommentierte Schiedsrichterin Weber trocken - und fügte hinzu: "Aber manchmal muss man den Jungs eben sagen, dass Fußball kein Wrestling ist."

Die Schlussphase gehörte ganz Kiel. Der Ball surrte durch die Reihen, Richter und Chamberlain kurbelten von links an, während Krug lauerte. In der 89. Minute scheiterte Sonne erneut - und die Zuschauer begannen, ihre Jacken zu schließen. Dann, als alle schon nach dem Autoschlüssel tasteten, kam der Moment: Marc Richter flankte von links, Krug stieg hoch wie ein Mann, der keine 34, sondern 24 ist, und köpfte den Ball unhaltbar zum 1:1 ins Netz.

Das Stadion explodierte. 3055 Zuschauer jubelten, als hätte Kiel gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab’ gesehen, dass der Ball kommt, und dachte: Jetzt oder nie", grinste Krug nach dem Abpfiff, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Und ehrlich gesagt - ich hab mich für den nie-Teil entschieden."

Trainer Gosch nahm den Punkt mit Humor: "Natürlich hätten wir lieber gewonnen, aber wenn man so spät trifft, fühlt sich ein 1:1 fast wie ein Sieg an. Und außerdem - wir haben ja noch Rückspiel."

Lamstedts Hardy Hate sah das naturgemäß anders: "Wenn du 89 Minuten führst und dann so einen kassierst, kannst du dir den Bus nach Hause gleich sparen. Aber gut, das ist Fußball - mal beißt du, mal wirst du gebissen."

Statistisch blieb es ein ausgeglichenes Duell: Kiel mit neun, Lamstedt mit zehn Torschüssen, Ballbesitz leicht pro Heimteam, Zweikampfquote leicht pro Gast. Und so ging ein Abend zu Ende, der am Ende alles hatte: Spannung, Dramatik und ein Happy End - zumindest für die, die blau-weiß tragen.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir immer erst in der 90. treffen, brauch ich bald einen Herzschrittmacher - aber bitte mit Vereinslogo."

Ein Punkt für die Moral, ein Lächeln für die Seele - und ein Spiel, das niemand so schnell vergessen wird.

18.06.643987 12:46
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Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner
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