Anpfiff
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Kunst des Chaos: Pirmasens und Malchin teilen sich den Wahnsinn

Ein Freitagabend in der Regionalliga B, 32. Spieltag, Flutlicht in Pirmasens, 3.124 Zuschauer und am Ende ein 3:3, das so wild war wie ein Improvisationskonzert ohne Dirigenten. FK Pirmasens und der FSV Malchin boten alles, was man sich als neutraler Beobachter wünscht - Tore, Tempo, Gelbe Karten und ein paar Dialoge, die man so wohl nur auf einem Viertligaplatz hört.

Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da durfte Pirmasens’ Torhüter Dennis Frei schon hinter sich greifen. Ganze zwei Minuten waren gespielt, als Malchins Oldie Olaf Reichert, 34 Jahre jung, nach einem feinen Zuspiel von Martin Schmitz die Kugel trocken ins Eck setzte. "Ich dachte, das sei noch die Aufwärmphase", brummelte Frei später mit einem Grinsen. Trainerin Gudrun Schweitzer stemmte die Hände in die Hüften und rief von der Seitenlinie: "Jetzt sind wir auch wach, oder?"

Das war der Weckruf, den Pirmasens brauchte. In der 19. Minute machte Alex Coviello, der Mittelstürmer mit der Aura eines Italo-Westernhelden, kurzen Prozess. Nach feiner Vorarbeit von Kornej Babinow drosch er den Ball zum 1:1 unter die Latte. "Ich hab gar nicht gezielt", gestand Coviello später augenzwinkernd, "aber das Tor steht ja bekanntlich im Weg."

Der FK übernahm das Kommando, während Malchin sich auf gelegentliche Konter beschränkte. In der 32. Minute fiel folgerichtig das 2:1: Dani Tabenkin, der quirlig-linke Flügelflitzer, drückte eine Hereingabe von David Bernier über die Linie. Das Publikum jubelte, die Tribüne vibrierte, und Trainerin Schweitzer klatschte mit der kompletten Betreuerbank ab. 20 Torschüsse sollten es am Ende für Pirmasens werden - eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, wenn man das Ergebnis kurz vergisst.

Nach der Pause dann der Rückfall in alte Muster. Malchin kam frischer aus der Kabine, als hätte man ihnen in der Halbzeit Energydrinks intravenös verabreicht. Wieder war es Olaf Reichert, der in der 54. Minute zuschlug - erneut nach Vorarbeit von Schmitz. 2:2, alles offen. "Wenn du zweimal denselben Fehler machst, ist das schon fast Philosophie", murmelte Schweitzer später süffisant.

Doch Pirmasens rappelte sich auf. In der 65. Minute schlug wieder Dani Tabenkin zu, diesmal nach einer butterweichen Flanke des jungen Samuel Reid. Kurz darauf nahm Schweitzer den Doppeltorschützen vom Feld - "weil er sonst noch den Ball mit nach Hause genommen hätte". Für ihn kam Müjdat Öztürk, der sich prompt mit einem sehenswerten Schuss in Szene setzte, den Malchins Keeper Rafael Münch gerade noch aus dem Winkel fischte.

Aber wie es die Fußballgötter so wollten: Das letzte Wort hatte Malchin. In der 77. Minute setzte Olaf Blank, ebenfalls 34 und offenbar unkaputtbar, den Ball aus 18 Metern ins rechte Eck. Vorlage kam von Alexandre Hamlin, der auf rechts unermüdlich ackerte. 3:3 - und plötzlich sah Schweitzer aus, als wolle sie das Spielfeld eigenhändig umpflügen.

Die Schlussphase gehörte wieder Pirmasens, die drängten, schossen, rannten - und scheiterten. Alexander Satchmore donnerte in der Nachspielzeit noch einen Ball knapp über die Latte, das Stadion hielt den Atem an. Der Ballbesitz? 50,4 zu 49,6 Prozent - also mathematisch unentschieden, ganz wie das Ergebnis.

Nach dem Abpfiff schüttelten sich die Trainerinnen und Trainer die Hände - Schweitzer und Malchins Coach (der, wie man hörte, lieber anonym bleiben wollte). "Wir haben heute alle Emotionen durchlebt", sagte sie später auf der Pressekonferenz. "Von Schockstarre bis Euphorie - das war quasi eine Therapieeinheit für mein Herz."

Olaf Reichert grinste währenddessen in die Kameras: "Mit 34 zweimal zu treffen fühlt sich an wie eine Zeitreise. Nur dass man danach mehr Voltaren braucht."

Statistisch gesehen war Pirmasens überlegen - mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Ideen. Aber Fußball ist keine Excel-Tabelle. Und so verließ man das Stadion mit dem Gefühl, etwas erlebt zu haben, das man nicht erklären, aber wunderbar erzählen kann.

Ein älterer Fan fasste es auf dem Weg zum Parkplatz trocken zusammen: "Wenn die so weitermachen, krieg ich noch ein Abo beim Kardiologen."

Und so endete ein Abend, an dem beide Teams zwar zwei Punkte liegen ließen, aber jede Menge Herzen gewannen. Vielleicht war dieses 3:3 kein gerechtes Ergebnis - aber ein außergewöhnlich ehrliches.

23.01.643997 07:36
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