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Ein kühler Abend am 6. Januar, Pokal-Atmosphäre im kleinen Estadio de Bahía Sur: 5000 Zuschauer, ein paar Trommeln, viel Hoffnung - und am Ende doch wieder dieser vertraute Satz: "Wir waren eigentlich gar nicht so schlecht." San Fernando verabschiedete sich mit einem 0:2 (0:1) gegen CA La Coruña aus dem Pokal, und trotz des Ergebnisses war es ein Spiel, das man sich in Andalusien noch eine Weile erzählen wird - nicht wegen der Chancenflut der Gäste, sondern wegen der Art, wie sie die Gastgeber überrollten. Schon nach sechs Minuten war klar, dass La Coruña nicht zum Sightseeing angereist war. Der 19-jährige Jakob Schwarz, ein drahtiger Rechtsaußen mit der Körpersprache eines Mannes, der auf einem Skateboard zur Schule fährt, traf nach Vorarbeit des 17-jährigen Xavier Domingo zum frühen 0:1. San Fernandos Keeper César Durán war zwar noch mit den Fingerspitzen dran, aber der Ball trudelte trotzdem ins Netz. "Ich hab den Wind falsch eingeschätzt", murmelte Durán nach dem Spiel, "und vielleicht auch Schwarz." Von da an entwickelte sich eine Partie, die eher einem Trainingsspiel der Galicier glich. 26 Torschüsse für die Gäste - gegen vier von San Fernando. Ballbesitz 57 zu 43 Prozent, Zweikampfquote 58 zu 42 zugunsten der Nordspanier. Wer das Spiel sah, wusste: Die Statistik lügt diesmal nicht. La Coruña spielte, als wäre es ein Bewerbungsvideo für eine Fußballschule: kurze, präzise Pässe, viel Bewegung, kaum Hektik. Trainer Reti Retinho stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und grinste nur, als sein Team in der 20. Minute den nächsten Abschluss verpasste. "Wir hätten zur Pause 4:0 führen können - oder müssen", meinte er später mit einem Achselzucken. "Aber die Jungs sind jung, die denken manchmal noch, das Tor bewegt sich." San Fernando dagegen kämpfte, wie man so sagt, aufopferungsvoll. Jaime del Olmo, der 34-jährige Mittelfeld-Stratege mit grauen Schläfen, versuchte es in der 39. Minute mit einem Schuss aus 20 Metern - der Ball landete im Fangnetz. "Ich wollte zeigen, dass wir auch noch da sind", sagte er lachend. Sein Trainer - der sich nach dem Abpfiff den Fragen der Reporter durch das bewährte "Kein Kommentar" entzog - dürfte das anders gesehen haben. Nach der Pause änderte sich wenig. La Coruña kombinierte weiter, San Fernando verteidigte tief, manchmal zu tief, manchmal gar nicht. In der 69. Minute dann der endgültige Stich: Wieder war es Schwarz, wieder ein Pass aus dem Zentrum, diesmal vom 17-jährigen Diego Menendo, und wieder zappelte der Ball im Netz. 0:2 - das war nicht nur der Endstand, sondern auch das gerechteste Ergebnis, das man sich vorstellen konnte. Zwischendurch gab es kleine Dramen: La Coruñas Teenager verteilen fleißig Gelbe Karten - Menendo in der 22., Heinemann in der 27., Yaguez in der 47. Minute. Alle drei grinsten danach, als hätten sie gerade Abitur bestanden. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte Yaguez, 17, und fügte hinzu: "Aber der Gegner stand halt da." In der 81. Minute wurde es kurz tragisch: San Fernandos Abwehrchef Rafael Quiles, 30, ging nach einem Zweikampf zu Boden und musste verletzt raus. Für ihn kam der 33-jährige Joan Gurendez - nicht unbedingt die Frischzellenkur, die man sich für eine Aufholjagd wünscht. La Coruña spielte das Ergebnis souverän herunter, als hätten sie einen inneren Zeitlupenmodus. San Fernando rannte, kämpfte, fluchte - und kam doch nur noch einmal gefährlich vor das Tor: Pol Rodrigo in der 63. Minute, schöner Schuss, aber Torwart Billy Carsley, gerade 20 und mit einem Lächeln wie aus einem Zahnpasta-Werbespot, parierte sicher. "War ein Reflex", meinte er später, "ich wollte eigentlich nur niesen." Nach dem Abpfiff klatschten die 5000 Zuschauer höflich, als wäre das Ganze ein leicht missglücktes Theaterstück. La Coruña feierte still, wissend, dass größere Aufgaben warten. Schwarz bekam den Ball, steckte ihn ein und sagte: "Zwei Tore, kein Selfie - das wird schwer zu toppen." Fazit: San Fernando verabschiedet sich mit Anstand, La Coruña zieht verdient in die nächste Pokalrunde ein. Und wer dieses junge Team sah, konnte ahnen, warum Trainer Retinho beim Abgang in Richtung Kabine noch einmal in sich hineinlächelte. "Wenn die Jungs so weitermachen", sagte er, "muss ich bald Eintritt zahlen, um sie spielen zu sehen." Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber nach einem Spiel mit 26 Schüssen aufs Tor darf man das wohl. 27.03.643987 19:17 |
Sprücheklopfer
Ja gut, äh, ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht.
Lothar Matthäus auf die Frage, ob er in Zukunft von sich in der dritten Person spräche