De Standaard
+++ Sportzeitung für Belgien +++

Lambrechts lässt Lüttich jubeln - 4:2 gegen Mouscron zum Saisonauftakt

Der Fußballabend in Lüttich begann, als wäre er von einem Drehbuchautor mit Hang zur Dramatik geschrieben worden. 28.986 Zuschauer im Stade Maurice Dufrasne hatten sich kaum hingesetzt, da zappelte der Ball schon im Netz - und zwar im richtigen. In der dritten Minute war es der 19-jährige Louis Lambrechts, der nach feinem Zuspiel von Sebastien Keersmaekers eiskalt einschob. 1:0, und der Stadionsprecher kam kaum hinterher, den Namen des Torschützen zu buchstabieren.

"Ich wollte einfach Spaß haben - und wenn der Ball dann auch noch reingeht, umso besser", grinste Lambrechts später, während er sich die Schweißperlen aus den Haaren strich.

Doch wer dachte, Mouscron würde sich von diesem frühen Rückstand einschüchtern lassen, hatte die Rechnung ohne Christopher Duverger gemacht. In der 15. Minute nahm der Routinier eine butterweiche Flanke von Benjamin Desarthe volley - und ließ Lüttichs Torhüter Gauthier Van Hoyweghen keine Chance. 1:1, und plötzlich war wieder alles offen.

Fast gleichzeitig musste Trainer Dan Schmitz wechseln: Guillaume Tillman verletzte sich ohne gegnerische Einwirkung und humpelte vom Feld. "Nicht schlimm, nur ein Ziehen", sagte er später, aber die Miene des Trainers sprach Bände. Ersatzmann Dagfinn Westergaard sortierte sich in die Abwehr ein - und brachte die nötige Ruhe zurück.

Die Lütticher ließen sich nicht beirren. Bram De Mey, ebenfalls erst 19, nahm sich in der 22. Minute ein Herz und schlenzte den Ball aus 20 Metern unhaltbar ins Eck. 2:1. Danach rollte der Ball wie an der Schnur gezogen durch die Reihen des Heimteams. Mouscron hatte zwar etwas mehr Ballbesitz (51 Prozent), aber Lüttich schoss deutlich zielstrebiger.

In der 35. Minute kam es zum Doppelpack des Abends: Erst traf erneut Lambrechts nach Vorarbeit von De Mey - 3:1 - und eine Minute später köpfte Innenverteidiger Antoine Schelfaut eine Flanke von Robin Deconinck zum 4:1 über die Linie. Die Tribüne bebte, die Fans sangen, und der Gästetrainer suchte verzweifelt nach einem Plan B.

"Das war ein Tor wie aus dem Lehrbuch", lobte Trainer Schmitz später. "Nur das Lehrbuch habe ich, glaube ich, nie geschrieben."

Zur Pause war das Spiel praktisch entschieden, doch Lüttich blieb gierig. 14 Torschüsse zählte die Statistik am Ende, und man hätte meinen können, sie wollten gleich noch ein halbes Dutzend nachlegen.

In der zweiten Hälfte jedoch flachte das Tempo ab. Mouscron, bislang brav und ohne Pressing unterwegs, fand langsam wieder Ordnung. Duverger versuchte es mehrfach, Desarthe rackerte im Mittelfeld - aber Van Hoyweghen im Lütticher Tor blieb aufmerksam. Trainer Schmitz gab von außen Anweisungen, die sich irgendwo zwischen väterlichem Rat und genervter Geduld bewegten.

"Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte er nach Abpfiff. "Die Jungs sind jung, da muss man manchmal einfach den Ball laufen lassen - und nicht den Gegner."

Die Gelben Karten sammelten sich dagegen wie Souvenirs: Reyn’s (25.) und Latham (57.) für Lüttich, Mantschew (32.) und Van Strydonck (86.) für Mouscron. Ein besonders hitziges Duell lieferten sich Lambrechts und der bullige Mantschew - verbal und körperlich. Schiedsrichter Dupont sah’s gelassen und beließ es beim erhobenen Zeigefinger.

Als sich die Nachspielzeit näherte, glaubte niemand mehr an ein Comeback der Gäste - bis Duverger in der 90. Minute noch einmal zuschlug. Nach Vorarbeit von Mantschew traf er zum 4:2-Endstand. Ein Ehrentreffer, aber immerhin ein Trostpflaster.

"Wir haben Charakter gezeigt", meinte Duverger trotzig. "Und zwei Tore in Lüttich schießt man ja auch nicht alle Tage."

Das stimmte. Trotzdem war der Unterschied an diesem Abend deutlich. Club Lüttich war offensiver eingestellt, zielstrebiger, wacher. Mouscron wirkte solide, aber eben auch brav - ein Team, das lieber kontrolliert als riskiert.

Bei 48,8 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe zeigte Lüttich, dass Statistik nicht alles ist - aber manchmal doch das Spielgefühl widerspiegelt.

Als das Flutlicht erlosch, blieb das Gefühl, dass hier etwas wächst in Lüttich: junge Wilde mit Spielfreude und Kaltschnäuzigkeit. Lambrechts, De Mey, Schelfaut - Namen, die man sich merken sollte.

Trainer Schmitz brachte es auf den Punkt: "Das war nicht perfekt, aber spektakulär. Und das ist mir manchmal lieber."

Ein Auftakt nach Maß also: 4:2, viele Tore, viel Applaus - und ein Publikum, das mit breitem Grinsen in die Nacht ging. Wenn das so weitergeht, wird man in Lüttich bald wieder von europäischen Nächten träumen dürfen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn die Burschen so weitermachen, muss ich mir wohl eine Dauerkarte holen - und ein stärkeres Herz."

22.03.643997 08:50
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Meine Jungs sitzen noch in der Kabine. Sie wollen alle hierbleiben und nächste Woche wieder hier spielen.
Klaus Toppmöller nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Auswärtssiegen (Pokal- und Punktspiel) mit dem VfL Bochum beim 1.FC Kaiserslautern
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager