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Es war ein kalter Januarabend in Emmeloord, aber im Stadion der Flevo Boys wurde einem schnell warm - zumindest, wenn man Fan von PVC Eindhoven war. 32.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das schon nach elf Minuten entschieden schien. Der Gast aus Eindhoven gewann am Ende klar mit 3:1, und das vor allem dank eines Mannes: Jelle Landseer, der mit einem lupenreinen Hattrick in der ersten Halbzeit alles in Grund und Boden schoss. "Ich hatte heute einfach Lust, Fußball zu spielen", grinste der 30-jährige Linksaußen nach der Partie und wirkte dabei, als hätte er gerade eine lockere Trainingseinheit hinter sich. Lustig, wenn man bedenkt, dass er den fleißigen Flevo-Verteidigern in den ersten 30 Minuten mehr Knoten in die Beine spielte, als man zählen konnte. Schon in der 10. Minute eröffnete Landseer den Torreigen, nach einer schnellen Kombination über den rechten Flügel. Everhart Vanderzee, der junge Rechtsaußen, flankte präzise in den Strafraum, wo Landseer mit links abschloss - eiskalt, trocken, 0:1. Eine Minute später war es fast eine Kopie: Diesmal kam die Vorlage von Linksverteidiger Garritt Van Schoonhoven, gerade einmal 18 Jahre alt. "Ich wollte eigentlich flanken", gab der Jungspund später zu, "aber Jelle hat einfach alles weggelächelt." Beim dritten Treffer (27.) war dann endgültig klar, dass Eindhoven an diesem Abend in einer anderen Liga spielte. Wieder Landseer, wieder über die Flügel vorbereitet, wieder perfekte Vollendung - und wieder Vanderzee als Vorlagengeber. "Das war wie ein Déjà-vu in Dauerschleife", stöhnte Flevo-Verteidiger Andrej Bilic später. Die Flevo Boys, von Trainer (dessen Name sich an diesem Abend wohl lieber im Schatten hielt) taktisch "balanciert" eingestellt, wirkten in der ersten halben Stunde wie ein Team, das noch nicht ganz wusste, dass das Spiel begonnen hatte. Zwar hatten sie mehr Ballbesitz (53 Prozent) und am Ende sogar fast gleich viele Torschüsse (8:9), aber das half wenig, wenn jeder Gegenangriff des Gegners nach Lehrbuch lief. In der 43. Minute kam dann doch noch Hoffnung auf: Julien Bethune traf nach schöner Vorarbeit von Edoardo Montauro zum 1:3. Der Jubel klang eher nach Erleichterung als nach Aufbruch. Trotzdem: Die Flevo-Fans feierten, als wäre das Spiel wieder offen. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur Zuschauer sind", meinte Bethune später. Die zweite Halbzeit verlief dann deutlich ruhiger. Eindhoven verwaltete klug, spielte weiterhin auf Konter, ohne ins Risiko zu gehen. Trainer Markus Frey kommentierte das lakonisch: "Wir haben früh drei Tore gemacht. Danach musste ich den Jungs eigentlich nur noch sagen: bitte keine Experimente." Er grinste, als er das sagte - und das konnte er sich auch leisten. Die Flevo Boys hingegen bemühten sich redlich, das Ergebnis zu korrigieren. Ellis Payne hatte in der 67., 73. und 84. Minute gute Chancen, aber entweder stand Eindhoven-Keeper Samuel Poe im Weg oder der Ball segelte knapp vorbei. Bilic, der in der 44. Minute Gelb gesehen hatte, versuchte es in der 86. Minute sogar selbst - sein Schuss aus 30 Metern war aber mehr Mutprobe als Torgefahr. "Wir spielen schön, aber wir treffen zu spät", seufzte Payne nach dem Abpfiff und schaute in die dunkle Nacht, als wolle er dort das nächste Tor suchen. Eindhoven bekam in der zweiten Hälfte noch ein paar Verwarnungen, ließ sich aber nicht provozieren. Landseer wurde in der 89. Minute bei seiner Auswechslung mit stehenden Ovationen verabschiedet - auch von Teilen des Heimpublikums. "So einen Tag erlebt man nicht oft", sagte er. "Vielleicht lade ich die Jungs von Flevo mal auf ein Bier ein - sie haben es heute schwer genug gehabt." Am Ende blieb es beim 1:3. Die Statistiker werden sagen: ausgeglichenes Spiel, leichtes Übergewicht für Flevo im Ballbesitz, alles halb so wild. Die, die dabei waren, wissen: Das war Landseers Abend. Drei Tore in 17 Minuten, und danach nur noch gepflegte Verwaltung - effizienter kann man auswärts kaum spielen. Ein Fan der Flevo Boys brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Blöd gelaufen." Und manchmal ist Fußball eben genau das: ein Spiel, bei dem 22 Männer rennen, und am Ende jubelt der, der Landseer im Team hat. 16.03.643987 11:55 |
Sprücheklopfer
In der Schlußphase war der Pfosten der Einzige, auf den wir uns 100prozentig verlassen konnten.
Christoph Daum