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Es war einer dieser Abende, an denen der Bergsee glitzerte, die Bratwurst roch und 3538 Zuschauer dachten: "Das muss heute ein Heimsieg werden." Doch der TSV Schliersee brauchte bis zur 91. Minute, um wenigstens einen Punkt zu retten - 1:1 gegen die SG Spergau. Ein Spiel, das statistisch klar war, aber auf der Anzeigetafel lange wie eine bittere Pointe wirkte. Von Beginn an war zu spüren, dass Trainer Christopher Fey seine Schlierseer zum Angriff geblasen hatte. "Wir wollten über die Flügel kommen, viel Druck machen", sagte er später - und das taten sie auch. 20 Torschüsse standen am Ende auf seinem Zettel, die Gäste kamen auf ganze drei. Doch während der TSV anlief, kombinierte und flankte, blieb das Tor lange wie vernagelt. Die erste Chance hatte Carsten Hausmann bereits nach 60 Sekunden, ein kerniger Schuss aus 20 Metern - Spergaus Keeper Louis Dietrich tauchte blitzschnell ab und lenkte den Ball um den Pfosten. "Ich hab den nur noch gesehen, als er schon fast an mir vorbei war", grinste Dietrich später. Es folgte ein Chancenfeuerwerk der Hausherren: Elias Arndt, 18 Jahre jung, prüfte den Torhüter gleich mehrfach, Tomislav Boban tanzte am rechten Flügel, und Ingo Herreros köpfte knapp vorbei. Doch dann schlug Spergau zu - eiskalt und mit der Effizienz eines Uhrwerks. In der 27. Minute konterte das Team von Trainer Kay Wahl mustergültig. Ashton Caroll setzte sich auf rechts durch, flankte präzise, und Wladimir Tatartschuk drosch den Ball aus halblinker Position humorlos ins Netz. 0:1 - und plötzlich war es still im Stadion. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Tatartschuk nach dem Spiel nüchtern. "Wenn du nur drei Chancen hast, musst du wenigstens eine reinmachen." Schliersee rannte, spielte, kombinierte - aber die Kugel wollte nicht rein. Und wie das so ist, wenn man das Tor nicht trifft, wächst die Nervosität. In der 19. Minute sah Mike Mai Gelb, weil er einen Angriff rustikal stoppte. Trainer Fey schüttelte nur den Kopf: "Mike wollte wohl zeigen, dass er auch mal hinlangen kann." Nach der Pause dasselbe Bild: Schliersee mit 56 Prozent Ballbesitz, drückte auf den Ausgleich. Emil Musiala zog aus der Distanz ab, Arndt verfehlte knapp, Rechawam Shitrit verzog freistehend - immer wieder Dietrich. Spergau verteidigte tief, fast stoisch. Manchmal wirkte es, als hätten sie einen unsichtbaren Schutzwall um den Strafraum gezogen. In der 61. Minute reagierte Fey: gleich drei Wechsel auf einmal. Alexander Friedrich kam für Mai, Andreas Hermann ersetzte den jungen Bach, und Curt Fritzsche sollte im Mittelfeld für frische Ideen sorgen. "Da wollte ich einfach alles reinschmeißen, was noch laufen konnte", erklärte der Trainer. Und siehe da: Die Wechsel belebten das Spiel. Hermann brachte Tempo, Fritzsche Übersicht - und als die Nachspielzeit begann, lag das Stadion in Erwartung eines kleinen Fußballwunders. 91. Minute: Flanke Fritzsche, Shitrit steigt hoch, Ball schlägt ein - 1:1! Die Zuschauer explodierten, Shitrit riss die Arme hoch, und Trainer Fey sprintete die Seitenlinie entlang, als wäre er selbst 19. "Ich hab das Ding einfach gespürt", sagte Shitrit danach mit einem Lächeln, das zwischen Erleichterung und Ungläubigkeit schwankte. "Curt hat den Ball perfekt gebracht. Ich musste nur noch den Kopf hinhalten." Das Spiel endete mit einem Platzverweis - Ashton Caroll, der Vorlagengeber des Spergauer Tores, sah in der 94. Minute Rot nach einem unglücklichen Einsteigen. "Da war einfach die Luft raus", meinte Trainer Wahl. "Unsere Jungs waren platt, und dann passiert so was." Am Ende stand also ein 1:1, das sich für Schliersee wie ein halber Sieg, für Spergau wie ein kleiner Diebstahl anfühlte. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 20:3 Torschüsse, 57 Prozent Zweikampfquote, 56 Prozent Ballbesitz - aber eben nur ein Punkt. "Wenn man so spielt und trotzdem fast verliert, dann ist das Fußball in seiner reinsten Form", philosophierte Fey in der Pressekonferenz. Und Spergaus Wahl konterte trocken: "Ja, aber wir haben immerhin nicht verloren." Man kann es so sehen: Der TSV Schliersee hat Moral bewiesen, Rechawam Shitrit sich zum Publikumsliebling geköpft, und die SG Spergau hat gezeigt, dass Disziplin und Geduld manchmal reichen, um einem Favoriten den Nerv zu rauben. Vielleicht war es kein großes Fußballfest, aber ein ehrlicher Sommerabend am See - mit Drama, rotglühender Nachspielzeit und einem Schuss Gerechtigkeit. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "So spielt halt der TSV - immer spannend bis zur letzten Minute." 30.06.644003 22:56 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler