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Es war einer dieser Abende, an denen Fußball alles ist - Drama, Komödie und Tragödie zugleich. 43.500 Zuschauer im ausverkauften Bursa-Stadion bekamen beim 3:2-Sieg ihres Teams gegen Türkgücü Karsspor alles geboten, was das Herz begehrt: Tore, Gelbe Karten, wütende Trainer und ein Happy End, das selbst Drehbuchautoren als zu kitschig abgelehnt hätten. Schon der Auftakt versprach Unterhaltung. Bursospor, von Trainer Peter Müller gewohnt offensiv eingestellt, legte los wie ein Rocksong. In der 13. Minute belohnte sich die Heimelf: Freddie Gallagher, der bullige Linksaußen mit dem verschmitzten Lächeln, jagte den Ball nach Vorlage von Innenverteidiger Salvador Velasco ins Netz. "Ich glaube, Salvador wollte eigentlich klären", witzelte Gallagher später, "aber ich nehm’s als Assist." Doch Türkgücü Karsspor, geführt vom temperamentvollen Akin Nasa, ließ sich davon nicht beirren. Seine Elf, taktisch ausgewogen, aber mit deutlicher Neigung zur Härte - das Attribut "aggressivity: STRONG" hätte man auch ohne Statistik gesehen -, arbeitete sich mit langen Bällen und 17 Torschüssen durch das Spiel. Und einer davon saß: In der 39. Minute traf Lars Vetter nach einer feinen Flanke von Nenad Milosevic zum 1:1-Ausgleich. "Wir hatten sie da, wo wir sie wollten", sagte Vetter später mit bittersüßem Lächeln. "Nur leider wollten sie dann doch noch was anderes." Nach der Pause wurde das Spiel zum offenen Schlagabtausch. Türkgücü hatte mehr Ballbesitz (55 zu 45 Prozent) und wirkte strukturierter, aber Bursospor blieb gefährlich - immer, wenn Gilles Houziaux den Ball bekam. Der Belgier, 33 und mit der Eleganz eines Mannes, der seine Karriere eigentlich schon auf der Couch beenden wollte, zimmerte in der 64. Minute nach Pass von Fakir Avci das 2:1. Das Stadion bebte, und Trainer Müller warf die Arme in die Luft, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Wir haben geübt, dass Gilles auch mal zurückläuft", grinste er später. "Hat er nicht gemacht, aber das Tor zählt ja trotzdem." Doch Türkgücü schlug zurück - und wie. In der 72. Minute vollendete der flinke Olgun Aydemir nach schöner Vorarbeit von Harvey Poe den nächsten Angriff zum 2:2. Die Gäste wirkten jetzt fitter, Müller fluchte an der Seitenlinie, während Nasa sich mit einem triumphalen Händeklatschen feiern ließ. Es roch nach einem Punktgewinn für die Gäste, vielleicht sogar nach mehr. Dann kam die Nachspielzeit, und mit ihr die pure Fußballpoesie. Savo Anicic, der stille Stürmer, der bis dahin kaum aufgefallen war, stand in der 91. Minute plötzlich da, wo ein Stürmer stehen muss. Ein Abpraller, ein kurzer Blick - und der Ball zappelte im Netz. 3:2 für Bursospor! Das Stadion explodierte, Müller rannte die Linie entlang, während Akin Nasa mit den Händen in den Taschen regungslos blieb. "Das war kein Glück", knurrte Nasa später. "Das war schlechtes Timing." Die Statistiken erzählten eine andere Geschichte: Türkgücü hatte mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote - und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Bursospor dagegen nutzte die wenigen Chancen eiskalt: drei Tore aus acht Schüssen, Effizienz, die selbst ein schweizer Uhrwerk neidisch machen würde. Zwei Gelbe Karten versüßten das ohnehin würzige Duell: Rhys Rushton und Nelio Costinha sammelten sie für Türkgücü, beide nach rustikalen Einlagen, die das Publikum zwischen Schock und Schadenfreude schwanken ließen. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht zum Kuscheln hergekommen sind", kommentierte Rushton halb lachend, halb entschuldigend. Als die Spieler nach Abpfiff erschöpft auf den Rasen sanken, blieb eine Erkenntnis: Fußball ist manchmal kein Spiel der Gerechten, sondern der Glücklicheren. Freddie Gallagher fasste es trocken zusammen: "Wir hatten heute nicht die meisten Chancen, aber die schönsten Tore. Und das zählt am Ende." Trainer Müller zeigte sich zufrieden, aber auch mit dem gewohnt trockenen Humor: "Wir haben offensiv gespielt, defensiv überlebt und am Ende gewonnen - das ist mein Lieblingssystem." Für Türkgücü Karsspor bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. "Vielleicht sollten wir mal weniger schön spielen und mehr treffen", murmelte Akin Nasa beim Hinausgehen. So bleibt in Bursa nur eines sicher: Wenn Bursospor spielt, ist Herzklopfen garantiert - und manchmal sogar ein Happy End in der 91. Minute. 18.03.643987 02:28 |
Sprücheklopfer
Wenn ich den Martin Schneider weiter aufstelle, glauben die Leute am Ende wirklich noch, ich sei schwul.
Friedel Rausch