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Last-Minute-Drama in Sevilla: Esteve schießt die Sonne von Lanzarote unter

Wenn ein Fußballspiel ein Roman wäre, dann war dieses zwischen Sevilla CF und Lanzarote CF ein Thriller mit andalusischem Einschlag: fünf Tore, ein Platzverweis, 19 Gästeabschlüsse - und am Ende ein Happy End für die Hausherren. Sevilla siegte zum Auftakt der "1. Liga Spanien" mit 3:2 (2:2), und die 31.617 Zuschauer im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán gingen mit einem Lächeln nach Hause - zumindest die in Rot-Weiß.

Dabei begann alles wie ein Urlaubstraum für Lanzarote. Bereits in der achten Minute versenkte Enrique Penas einen Pass von Alfred Detari trocken ins lange Eck - 0:1, und Trainer Meister Leverkusen riss die Arme hoch, als hätte man gerade den Klassenerhalt gefeiert. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht nur zum Sonnenbaden gekommen sind", grinste Penas später, der sich im Interview über die "unglaubliche Lautstärke der Fans" wunderte.

Doch Sevilla antwortete prompt. Vier Minuten später legte Jordi Valdes von links zurück, Ignacio Ordonez zog ab - 1:1. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch: Entschlossen, zielstrebig, schön. "Ich hatte einfach Lust auf Fußball", meinte Ordonez hinterher, "und der Ball wollte wohl auch ins Tor."

Das Spiel blieb wild. In der 17. Minute nutzte Pierre Bisson eine Unaufmerksamkeit in Sevillas Defensive und schob zum 2:1 für Lanzarote ein. Der junge Franzose jubelte mit ausgestreckten Armen, während Sevilla-Coach Werner Lorant an der Seitenlinie die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Doch dieser Lorant wäre nicht Lorant, wenn er sich lange geärgert hätte. "Ich hab den Jungs gesagt: Entweder ihr fangt jetzt an zu spielen, oder ich wechsle euch gegen meine alten 1860er aus", knurrte er später mit einem Augenzwinkern.

Tatsächlich: In der 28. Minute war es wieder ausgeglichen. Leandro Obregón traf nach Vorarbeit von Alberto Esteve - 2:2, und das Stadion kochte. Bis zur Pause lieferten sich beide Teams ein Offensivspektakel, das eher an Straßenfußball erinnerte als an taktisch durchdachte Ligaeröffnung. Lanzarote schoss aus allen Lagen (am Ende 19 Torschüsse!), während Sevilla mit sieben Versuchen das Maximum herausholte - Effizienz à la Lorant.

Die zweite Hälfte begann dann etwas kontrollierter, vielleicht auch, weil beiden Teams klar wurde, dass man sich nicht ewig so austoben konnte. Lanzarote dominierte den Ball (über 53 % Ballbesitz), aber Sevilla verteidigte zäh. Julian Bode, bis dahin ein Muster an Einsatz, übertrieb es in der 89. Minute - glatt Rot. "Ich hab nur laut geatmet", rechtfertigte er sich später halb scherzend, halb zerknirscht. Lorant kommentierte trocken: "Er wollte wohl früher duschen."

Doch kurz bevor die Uhr auf 90 sprang, passierte das, was Fußballromantiker lieben: Alberto Esteve, bis dahin als Vorlagengeber glänzend, fasste sich ein Herz und zog aus 20 Metern ab. Der Ball senkte sich über Lanzarotes Keeper Vincent Maurice hinweg ins Netz. 3:2! Lorant rannte die Linie entlang, als wäre er wieder 30, und das Stadion explodierte.

"Wir haben mehr geschossen, sie haben mehr getroffen", fasste Lanzarote-Coach Meister Leverkusen die Sache nachher lapidar zusammen. "Das ist Fußball. Aber wenn wir so weitermachen, kommt der Erfolg." Seine Spieler nickten, vielleicht auch, weil sie zu erschöpft für Widerspruch waren.

Statistisch gesehen war Lanzarote das aktivere Team: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote. Aber Sevilla hatte, was Statistiken nicht messen können - den richtigen Moment. Und einen Esteve, der in der 90. Minute beschloss, sich selbst zu belohnen.

"Ich hab nur draufgehauen", sagte der Matchwinner später lachend, "und gehofft, dass keiner im Weg steht." Stand keiner. Dafür stand ganz Sevilla Kopf.

Zum Schluss fasste es ein älterer Fan auf der Tribüne perfekt zusammen, als er seinem Enkel zuraunte: "Siehst du, Junge, so spielt man Fußball. Erst zittern, dann jubeln." Und als Lorant mit einem breiten Grinsen in die Katakomben verschwand, schien selbst er zu wissen: Diese Saison könnte Spaß machen - wenn auch auf seine Nerven.

Ein Auftakt, wie ihn Sevilla liebt: dramatisch, unvernünftig und am Ende doch erfolgreich.

22.03.643997 10:12
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