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Es war einer dieser nasskalten Abende, an denen man sich fragt, warum man nicht doch lieber auf dem Sofa geblieben ist - stattdessen drängten sich 14.146 Zuschauer in das Weiler-Stadion, um Zeuge eines Spiels zu werden, das am Ende alles bot, was ein Fußballherz braucht: Spannung, Leidenschaft und ein Happy End in der Nachspielzeit. Weiler im Allgäu besiegte Mündersbach mit 1:0 - dank eines späten Tores von Michael Siebert, der sich damit zum Helden des 32. Spieltags der 3. Liga Deutschland (2. Div) krönte. Dabei sah es lange so aus, als würde Weiler an diesem Mittwochabend (Anstoß 20:30 Uhr) an der eigenen Chancenverwertung verzweifeln. Satte 24 Schüsse feuerten die Männer von Trainer Mino Raiola Richtung gegnerisches Tor - und doch wollte der Ball einfach nicht rein. "Ich hab schon überlegt, ob wir die Torpfosten beleidigt haben", witzelte Raiola nach dem Spiel. Sein Gegenüber Otto Rehhagel, der alte Taktikfuchs, nahm’s gelassen: "Wir wollten kompakt stehen. Hat ja fast geklappt - bis zur 90. Minute eben." Weiler begann mit einer klar offensiven Marschroute. Schon nach drei Minuten prüfte Jannick Fritsch Mündersbachs Torhüter Ignati Gontschar, der an diesem Abend zur menschlichen Wand mutierte. In der sechsten Minute zog Robin Born aus der Distanz ab - vorbei. In der achten Heinrich Foerster - gehalten. Und als Michael Siebert (14.) und der junge Ben Meister (16.) ebenfalls scheiterten, begannen die Fans zu ahnen: Das wird kein leichtes Spiel. Mündersbach, mit 56 Prozent Ballbesitz und Rehhagels üblicher disziplinierter Ordnung, blieb gefährlich über Konter. Der 33-jährige Olaf Busch zwang Weilers Torwart Costica Rotariu in der 9. Minute zu einer Glanzparade, während der 17-jährige Ingo Valente mit jugendlichem Übermut über den Ball trat - sehr zum Amüsement des Publikums. "Ich wollte eigentlich flanken", erklärte er später mit einem Grinsen, "aber irgendwie war der Ball anderer Meinung." Die erste Halbzeit endete torlos, aber nicht ereignislos. Weilers Linksverteidiger Bernd Jahn sah in der 41. Minute Gelb, nachdem er Mündersbachs Flügelspieler Curt Grossmann unsanft stoppte. "Ball gespielt", rief Jahn - allerdings war der Ball zu diesem Zeitpunkt bereits drei Meter weitergerollt. Nach der Pause machte Weiler weiter Druck. Die Offensiven Siebert, Berger und Fritsch schossen aus allen Lagen, doch Gontschar hielt, was zu halten war. In der 60. Minute brachte Raiola frische Kräfte: Nick Scherer kam für den müde gewordenen Born, Samuel Erskine ersetzte den jungen Ben Meister, und Asen Todorow durfte für Claudiu Ungureanu in der Innenverteidigung ran. "Ich wollte einfach noch mal Feuer reinbringen", erklärte Raiola. "Und vielleicht ein kleines Wunder provozieren." Dieses Wunder ließ sich Zeit - ganze 30 Minuten. Während Mündersbachs Valente (60.) und später nochmals (88.) Chancen vergaben, schien das 0:0 in Stein gemeißelt. Doch dann, die Uhr zeigte bereits die 90. Minute, kam der Moment, der das Stadion explodieren ließ: Michael Siebert, der unermüdliche Rechtsaußen, fasste sich ein Herz, zog von der Strafraumkante ab - und der Ball schlug unhaltbar im rechten oberen Eck ein. 1:0! Der Jubel kannte keine Grenzen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Siebert nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner mehr pfeift." Raiola fiel seinem Torschützen in die Arme, während Rehhagel stoisch in seinen Notizblock schrieb. "Das war kein Glück", meinte der Mündersbacher Coach später, "das war einfach schlecht verteidigt." In der Nachspielzeit wurde es noch einmal ruppig: Bernd Jahn, schon verwarnt, sah in der 94. Minute Gelb-Rot - ein klassischer Fall von "zu viel Herzblut". Mündersbach bekam noch einen Freistoß, doch Rotariu pflückte den Ball sicher herunter. Danach war Schluss - und Weiler jubelte über drei Punkte, die sich anfühlen wie sechs. Statistisch gesehen war es ein Spiel der verpassten Chancen: Weiler mit 24 Torschüssen und nur 43 Prozent Ballbesitz, Mündersbach effizienter im Halten, aber zu harmlos im Abschluss (nur sechs Schüsse). Doch am Ende zählt eben das, was auf der Anzeigetafel steht - und dort leuchtete ein strahlendes 1:0. "So ist Fußball im Allgäu", grinste ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions. "Du frierst 89 Minuten lang - und wirst in der 90. belohnt." Fazit: Weiler zeigt Leidenschaft und Durchhaltevermögen, Mündersbach Disziplin und Pech. Und Michael Siebert? Der hat sich in einer einzigen Minute unsterblich gemacht. 14.09.643993 19:57 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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