// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
56493 Zuschauer im Stadio Olimpico erlebten am Sonntagabend ein Fußballspiel, das man getrost unter "Drama mit mediterranem Einschlag" verbuchen kann. Lazio Rom unterlag Real Milano mit 2:3 - ein Ergebnis, das so gar nicht nach dem Spielverlauf aussah, aber in seiner Ironie perfekt zum Abend passte. Es begann verheißungsvoll für die Gastgeber: Schon in der 13. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz. Massimiliano Saracena nahm eine Flanke von Nazmi Boral direkt und drosch sie mit der Entschlossenheit eines Mannes, der noch schnell den letzten Espresso vor Anpfiff kippt, unter die Latte. 1:0! Trainer Lukas Teuber riss die Arme hoch, grinste und raunte seinem Co-Trainer zu: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir morgen keinen Videostudientag." Doch Real Milano, das unter Coach Dennis Hees mit einer Mischung aus italienischer Lässigkeit und deutscher Präzision auftrat, ließ sich nicht lange bitten. In der 38. Minute zog Nuno Hernan aus gut 22 Metern ab - der Ball schlug ein wie ein verspäteter Sommerblitz. 1:1. "Ich hab’s einfach probiert", sagte Hernan später mit einem Schulterzucken, "der Ball wollte halt rein." Das 1:1 zur Pause spiegelte ein offenes, intensives Spiel wider. Lazio hatte mit 52 Prozent leicht mehr Ballbesitz, Real Milano dafür die klareren Momente im Mittelfeld. Die Römer schossen 16-mal auf das Tor, die Gäste nur 10-mal - aber, wie der Fußballgott will, zählen am Ende bekanntlich nicht die Schüsse, sondern die Treffer. Nach Wiederanpfiff kam Real Milano wie verwandelt aus der Kabine. Kaum war die 47. Minute angebrochen, da stand Nuno Hernan wieder goldrichtig. Nach schöner Vorarbeit von Joseph Farnsworth schob der Mittelfeldmann zum 2:1 für die Gäste ein. Lazio wirkte überrascht, fast beleidigt. "Wir waren gar nicht richtig wach", gab Kapitän Billy MacMillan später zu. Dann folgte die Szene, die das Spiel kippte: In der 55. Minute sah Lazios Rechtsverteidiger Akif Tekke Rot, nachdem er Bradley Landry an der Seitenlinie mehr umarmte, als es das Regelwerk erlaubt. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte Tekke, während der Schiedsrichter ihm die Karte zeigte. Der Ball war da allerdings schon drei Meter weiter. Trotz Unterzahl kämpfte Lazio tapfer weiter - und tatsächlich gelang MacMillan in der 62. Minute das 2:2. Mit einem wuchtigen Linksschuss nach Pass von Bernardo Jemez ließ er Milanos Keeper Ochoa keine Chance. Das Stadion tobte, und Trainer Teuber schrie: "Jetzt drehen wir das noch!" Doch Fußball schreibt bekanntlich keine Märchen, sondern Drehbücher mit bitterem Ende. In der 78. Minute sorgte Bradley Landry für die Entscheidung. Nach einem feinen Zuspiel von Christo Angelow schob der Mittelstürmer zum 3:2 für Real Milano ein - sein letzter Ballkontakt, bevor er direkt danach ausgewechselt wurde. "Ich hatte noch Sprit für genau diesen Lauf", grinste Landry nach der Partie, "dann war der Tank leer." In der Schlussphase warf Lazio alles nach vorn - was mit zehn Mann eher einem organisierten Chaos glich. Saracena prüfte in der 88. Minute noch einmal Ochoa, doch der Keeper fischte den Ball mit einer Flugparade aus dem Winkel. Danach lief die Uhr gnadenlos herunter. "Wir haben heute Lehrgeld bezahlt", seufzte Lazio-Trainer Teuber nach Abpfiff. "Mit elf Mann hätten wir das Ding gewonnen." Sein Gegenüber Hees nahm den Sieg mit hanseatischer Gelassenheit: "Wir wollten ruhig bleiben, auch wenn’s mal brennt - das ist uns gelungen. Und ein bisschen Glück gehört dazu. Vielleicht auch zwei Portionen." Statistisch war’s ein Spiel der verpassten Chancen: Lazio dominierte phasenweise, schoss doppelt so oft aufs Tor, hatte mehr Ballbesitz - und verlor trotzdem. Real Milano dagegen nutzte kaltschnäuzig jede ihrer größeren Gelegenheiten. Als die Flutlichter erloschen, blieb im Stadion eine Mischung aus Frust und Respekt zurück. Lazio Rom hatte gekämpft, Real Milano clever gewonnen. Und irgendwo zwischen den Rängen hörte man einen älteren Fan murmeln: "Schöner Fußballabend - nur das Ergebnis, das hätte anders aussehen dürfen." Vielleicht trifft’s das ganz gut: Das Herz sagte Lazio, die Anzeigetafel Real Milano. Und so fuhren die Gäste mit drei Punkten nach Hause - und die Römer mit der Erkenntnis, dass Leidenschaft nicht immer reicht, wenn der Gegner eiskalt bleibt. 31.01.644003 11:13 |
Sprücheklopfer
Netzers Kommentare sind wie sein Haarschnitt - langweilig.
Stefan Effenberg