// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Es war ein lauer Januarabend in Lecce, 20:30 Uhr, 43.500 Zuschauer, und die Heimfans hatten sich auf einen gemütlichen Dreier eingestellt. Stattdessen bekamen sie eine Lektion in Effizienz vom Außenseiter aus Gela - und eine Erinnerung daran, dass Ballbesitz eben kein Tor garantiert. Am Ende stand ein 1:2 (0:1) und viele ratlose Gesichter auf den Rängen. UD Lecce begann, wie man es von einer Heimmannschaft erwarten darf: mit viel Ballbesitz, schönen Pässen und wenig Torgefahr. Gela hingegen wirkte von der ersten Minute an so, als hätten sie sich geschworen, jeden Konter in Gold umzuwandeln. Und das taten sie. In der 23. Minute nutzte Pablo Tarrega einen dieser blitzschnellen Umschaltmomente. Nach feinem Zuspiel von Bruno Yaguez stand Tarrega frei vor dem Tor und schob eiskalt ein - 0:1. Lecce-Keeper Carlo Benedetto warf anschließend die Handschuhe fast in Richtung Tribüne, murmelte aber nur: "Ich dachte, der schießt nie." Bis zur Pause blieb Lecce optisch überlegen, aber harmlos. Sechs Torschüsse insgesamt - ein stolzer Ballbesitzwert von 55 Prozent, aber jeder Versuch landete irgendwo zwischen Tribüne und Fangnetz. Trainer Liuz Doro versuchte an der Seitenlinie, Energie in seine Mannschaft zu schreien: "Mehr Mut! Mehr Risiko!", rief er, während Gela-Coach Michael Müller gelassen die Hände in den Taschen behielt. Später sagte Müller mit einem Grinsen: "Wir haben nicht auf Ballbesitz gespielt, wir haben auf Tore gespielt. Hat funktioniert." Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel hitziger - und für Lecce ungemütlicher. Erst verletzte sich Linksverteidiger Alessio Marcedusa in der 47. Minute, musste runter, und Doro brachte Matteo Pedivigliano. Kaum war der Wechsel verdaut, sah man endlich, was Lecce eigentlich vorhatte: In der 57. Minute fasste sich der 20-jährige Valentino Rosati ein Herz, zog nach einem Pass von Edoardo Amendolara von rechts in die Mitte und knallte den Ball unter die Latte. 1:1 - das Stadion bebte. Rosati jubelte, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. "Ich hab’s einfach gespürt", sagte er später. "Endlich ging mal einer rein." Doch wer dachte, Lecce würde nun das Spiel drehen, irrte. Gela blieb cool, wartete auf seinen Moment. Und der kam in der 73. Minute: Nevio Galindo, der linke Flügelflitzer, tänzelte sich in den Strafraum, bekam den Ball von Verteidiger Carl Garcia - und verwandelte trocken ins lange Eck. 1:2. Die Gästebank explodierte, Müller sprang aus seiner Coaching-Zone, als hätte er selbst getroffen. Von da an wurde es ruppig. Vier Gelbe Karten für Lecce binnen 30 Minuten, darunter gleich drei fürs Mittelfeld - Albanese (53.), Argentano (81.) und Amendolara (87.). "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", erklärte Kapitän Gabriele Cropani, der selbst in der 83. Minute verwarnt wurde, leicht trotzig. In den Schlussminuten warf Lecce alles nach vorne, doch Gelas Abwehr, angeführt von Carl Garcia, hielt stand. Der bekam in der Nachspielzeit zwar noch Gelb, aber das nahm er mit einem Schulterzucken hin. "Wenn du 90 Minuten gegen Lecce verteidigst, willst du wenigstens eine Karte als Souvenir", meinte er lachend. Statistisch sah es bitter aus für die Gastgeber: 55 Prozent Ballbesitz, aber nur sechs Torschüsse. Gela kam auf 13 Abschlüsse - und zwei Treffer. Effektivität in Reinform. Müller fasste es nach dem Spiel trocken zusammen: "Manchmal ist Fußball einfach. Wir hatten weniger Ball, aber mehr Spaß." Lecce-Coach Doro hingegen stand nachdenklich im Kabinengang. "Wir haben gut gespielt, aber nicht gut genug", sagte er. "Vielleicht müssen wir lernen, dass schöne Pässe keine Punkte bringen." Ein Reporter fragte ihn, ob er an seiner Taktik etwas ändern werde. Doro lachte kurz auf: "Vielleicht fang ich mal mit Offensivtraining an." Das Publikum ging enttäuscht, aber fair. Einige klatschten sogar für die Gäste, die sich mit ihrem zweiten Saisonsieg nun nach oben orientieren dürfen. Und während die Flutlichter langsam erloschen, hörte man einen kleinen Jungen auf der Tribüne sagen: "Papa, warum haben wir verloren?" Der Vater seufzte und antwortete: "Weil Gela heute einfach cleverer war." Ein Satz, der das Spiel perfekt zusammenfasst. Manchmal genügt eben weniger Ball, um mehr zu gewinnen. 22.02.643987 20:00 |
Sprücheklopfer
Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum.
Torsten Legat nach einem hohen Heimsieg