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36.000 Zuschauer im Estadio Azul erlebten am Mittwochabend eine dieser Partien, die zeigen, warum Fußball manchmal mehr mit Tragödie als mit Sport zu tun hat. Les Milionaros führten zur Pause verdient mit 1:0, kontrollierten den Ball, das Tempo, den Gegner - und am Ende standen sie trotzdem mit leeren Händen da. Estudiantes La Plata drehte das Spiel nach der Pause mit zwei Treffern in fünf Minuten und entführte zum Start der Copa-Libertadores-Gruppenphase drei Punkte aus Bogotá. Dabei begann alles nach Plan für die Hausherren. Trainer Sandro Nemko hatte seine Elf auf Konter eingestellt, aber ein Konter der feineren Sorte brachte in der 21. Minute die Führung: Sergi Antunes leitete elegant auf Ignati Golikow weiter, der das Leder aus 16 Metern trocken ins lange Eck jagte. Golikow riss die Arme hoch, die Kurve tobte, und Nemko lächelte so breit, als hätte er gerade einen taktischen Vortrag gewonnen. "Das war genau, was wir wollten - schnell, direkt, kompromisslos", sagte er später mit leicht ironischem Unterton. Estudiantes dagegen wirkte in der ersten halben Stunde wie ein Team, das noch nicht ganz angekommen war. Valborg Henriksson und Sergio Bergantinos versuchten es früh mit Distanzschüssen, aber Torwart Holger Nilsson hatte mehr Mühe, seine Handschuhe sauber zu halten, als den Ball. Erst kurz vor der Pause kam ein Hauch von Gefahr auf, als James Leech frei durch war, aber zentral auf Nilsson zielte. "Ich dachte, das Netz wackelt schon", murmelte Leech nach dem Spiel, "aber der Ball wollte wohl Sightseeing machen." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild allerdings dramatisch. Estudiantes-Trainer Roman Pilgram hatte offenbar die richtigen Worte gefunden - oder einfach den besseren Kaffee in der Kabine. Sein Team kam aggressiver, mutiger und mit sichtbarer Lust auf Risiko aus der Halbzeit. In der 60. Minute fiel der Ausgleich: Rechtsverteidiger Nicola Uffugo, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, zog nach feinem Zuspiel von Samuel Stack wuchtig ab - 1:1. Nilsson war noch dran, aber der Ball zischte über die Linie. Nur fünf Minuten später folgte der Schlag, der Les Milionaros den Stecker zog. Luca Vandervliet, bis dahin eher unauffällig, vollendete eine Hereingabe von Juanito Costa aus kurzer Distanz zum 1:2. Die argentinische Bank explodierte, Pilgram, sonst ein Mann der ruhigen Gesten, sprang in die Luft und brüllte etwas, das wohl auf Spanisch "Endlich!" bedeutete. Les Milionaros versuchten, das Steuer herumzureißen, doch der Schwung war dahin. Zwar hatten sie über das ganze Spiel hinweg etwas mehr Ballbesitz (knapp 55 Prozent) und genauso viele Torschüsse wie die Gäste (je 11), aber Präzision und Geduld verließen sie im entscheidenden Moment. Sergi Antunes verzog in der 81. Minute freistehend, Salvador de los Reyes’ Versuch aus der Distanz klatschte an die Werbebande - sinnbildlich für den Abend. In der 67. Minute sah Avraham Friedmann Gelb, nachdem er den Ball wütend wegschlug. "Ich wollte nur Zeit gewinnen", grinste er nach dem Spiel, "aber offenbar für die falsche Mannschaft." Während die Heimfans allmählich verstummten, rannte Estudiantes in der Schlussphase weiter, als ginge es um den Einzug ins Finale. Lauritz Sleeper prüfte Nilsson in der Nachspielzeit noch zweimal, doch der Keeper hielt wenigstens die Niederlage in Grenzen. Nach dem Abpfiff sprach Pilgram von "einem Sieg des Glaubens". "Wir wussten, dass sie defensiv stark sind, aber wir wollten sie müde laufen. Am Ende war’s weniger Taktik, mehr Herz." Sein Gegenüber Nemko konterte trocken: "Herz ist gut, aber Punkte wären mir lieber." Unterm Strich bleibt ein Spiel, das Les Milionaros wohl noch einige Tage nachhängen wird: mehr Ballbesitz, mehr Struktur, aber null Ertrag. Estudiantes hingegen nahm die drei Punkte mit und ein gutes Stück Selbstvertrauen, das in dieser Copa-Gruppe Gold wert sein könnte. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Hinausgehen sagte: "Fußball ist wie das Leben - du kannst alles richtig machen und trotzdem verlieren." Ein Satz, den Sandro Nemko vermutlich unterschreiben würde. 29.03.643987 08:32 |
Sprücheklopfer
Deutschland wird auf Jahre hin unbesiegbar sein.
Franz Beckenbauer nach dem WM-Titel 1990