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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum Fußball eigentlich so grausam ehrlich ist. 20.903 Zuschauer im Stadion von Lesh Posen sahen am 8. Spieltag der 1. Liga Polen ein 1:1, das sich für die Gastgeber eher wie eine Niederlage und für Lygia Warschau wie ein kleiner Triumph anfühlte. Von Beginn an drängte Posen nach vorne - ein bisschen zu eifrig, ein bisschen zu verspielt. Trainer Tomasz Wojciechowski hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, und schon nach 20 Minuten prüfte Simeon Athanasiadis den jungen Warschauer Keeper William Nolan mit einem satten Schuss. Der 18-Jährige, der aussieht, als hätte er gestern noch Mathe-Hausaufgaben gehabt, wehrte mit den Fingerspitzen ab. "Ich habe einfach den Arm irgendwo hingeworfen", grinste Nolan später, "und da war der Ball halt." Lygia Warschau, von Coach Kamil Breer ebenfalls offensiv, aber taktisch diszipliniert geführt, hielt dagegen. Besonders auffällig: der 20-jährige Corey Ward im Mittelfeld, der nicht nur den Ball forderte, sondern ihn auch behielt. Schon in der 30. Minute zwang er Lesh-Keeper Carlos Peretz zu einer Glanzparade - eine Szene, die andeutete, wohin das Spiel kippen könnte. Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Noe Gamoneda sah in der 26. Minute Gelb, weil er Athanasiadis etwas zu liebevoll am Trikot festhielt. "Ich wollte nur, dass er mich nicht vergisst", witzelte der 19-Jährige nach dem Spiel. Nach torloser erster Halbzeit kam Lesh Posen mit Wut im Bauch zurück. Drei Chancen in zehn Minuten - Hartshorn, Valente, Figueras - aber kein Tor. Und dann kam die 68. Minute. Ranko Veskovac, gerade erst eingewechselt, setzte sich über links durch, passte flach in die Mitte, und Ward versenkte den Ball abgeklärt zum 0:1. Ein Treffer, so kühl wie die Januarluft. Breer ballte an der Seitenlinie die Faust und brüllte: "Genau so!" - laut genug, dass die halbe Tribüne es hörte. Doch wer glaubt, Lesh Posen würde sich so leicht geschlagen geben, kennt Giovanni Brambilla nicht. Zehn Minuten später, in Minute 78, nahm der Italiener einen Pass von Sergi Costa auf, zog aus 20 Metern ab - und der Ball zischte wie ein böser Gedanke in den Winkel. 1:1, Stadionexplosion. "Ich hatte keine Zeit zu denken", sagte Brambilla danach lachend. "Vielleicht war das mein Glück." Die letzten Minuten waren ein offener Schlagabtausch. Warschaus Tiago Peyroteo scheiterte in der 84. Minute knapp - der Ball strich über die Latte -, während auf der Gegenseite Baillon und Twerdowski noch einmal alles nach vorne warfen. Aber das Tor fiel nicht mehr. In der Nachspielzeit lag plötzlich Oleg Bandrowski am Boden - muskuläre Probleme, wie Wojciechowski später bestätigte. "Er wollte aufstehen, aber das Bein hatte andere Pläne", seufzte der Trainer. Statistisch hatte Lesh Posen zwar mehr vom Spiel - 55 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse gegenüber 9 von Lygia - doch das Ergebnis sprach von Effizienz und jugendlicher Kaltschnäuzigkeit auf Seiten der Gäste. "Wir sind jung, aber nicht naiv", sagte Breer, der mit einem Durchschnittsalter von knapp 19 Jahren auflief. Posens Coach Wojciechowski hingegen wirkte nachdenklich: "Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Dann grinste er kurz: "Na ja, manchmal klingt er trotzdem ganz gut." So endete ein Spiel, das kein Sieger wirklich gewonnen und kein Verlierer wirklich verloren hat - ein 1:1 der Sorte, die man am Tresen lange nachbespricht. Und irgendwo in Warschau wird Corey Ward beim Abendessen gesessen haben, das Handy in der Hand, während ihm jemand schrieb: "Schöner Treffer, Junge." In Posen dagegen dürfte man sich vor allem über eines freuen: dass Brambilla im richtigen Moment den Fuß nicht stillhielt. Und wenn man ehrlich ist, war das 1:1 genau das, was dieser kalte, leidenschaftliche Fußballabend verdient hatte - ein gerechtes Unentschieden mit Charakter, Schuss und einem Hauch Ironie. 10.04.643987 06:31 |
Sprücheklopfer
Wie war noch die zweite Frage? Das ist nicht so einfach, ich bin schließlich Fußballer.
Mehmet Scholl bei einer Pressekonferenz, nachdem ihm zwei Fragen auf einmal gestellt wurden