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Wenn man am Freitagabend um halb neun ins Stadio Comunale von Lucca kam, roch es nach gerösteten Kastanien, Bier - und nach Spektakel. 16.000 Zuschauer hatten sich eingefunden, um zu sehen, ob Libertatis Lucca den forschen Gästen aus Rodengo Saiano die Grenzen aufzeigen würde. Am Ende trennten sich beide Teams 2:2, aber das Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte eines Spiels, das von Energie, Emotionen und einer Prise Chaos lebte. Schon in der Anfangsphase schien Lucca das Heft in der Hand zu haben. Mit 55 Prozent Ballbesitz und frühem Pressing wirbelten sie durch das Mittelfeld, als wollten sie zeigen, dass "balanciert" in der Taktiktafel nicht "langweilig" bedeutet. Nach nur 14 Minuten belohnte sich das Heimteam: Giacomo Roggiano, der laufstarke Mittelfeldmotor, zog aus der zweiten Reihe ab - und der Ball zappelte im Netz. "Ich hab’s einfach mal probiert", grinste der 22-Jährige später. "Wenn man’s nicht versucht, trifft man nie. Und wenn man trifft, sieht’s immer geplant aus." Doch die Freude in den roten Reihen währte nur vier Minuten. In Minute 18 wurde Rodengo Sainos Linksverteidiger Lorenzo Montegiordano nach einem feinen Zuspiel von Emanuele Soverato zum unwahrscheinlichen Helden. Ausgerechnet der defensive Mann traf zum Ausgleich - und zwar so trocken, dass selbst der Torwart nur hinterherschauen konnte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Montegiordano mit einem Lächeln, "aber niemand muss das wissen - außer Ihnen natürlich." Rodengo, von Trainer Jan Beyer mit einer klar offensiven Marschroute ausgestattet, blieb am Drücker. Ihr aggressives Spiel zahlte sich in der 37. Minute erneut aus: Der 19-jährige Gaetano Uffugo, bisher eher als Talent mit Wuschelkopf bekannt denn als Torjäger, traf nach Pass von Giacomo Morabito zur 2:1-Führung der Gäste. "Das war kein Zufall", betonte Coach Beyer später stolz. "Wir trainieren genau solche Läufe - und manchmal klappt’s eben wirklich." Zur Halbzeit sah es also nach einem Auswärtssieg aus, und Lucca wirkte kurzzeitig konsterniert. In der Kabine muss Trainer Paolo Mancini (der offenbar keine Stimme mehr hatte, so laut wie er gestikulierte) klare Worte gefunden haben. Denn nach der Pause kam Lucca mit frischer Energie zurück. In der 55. Minute war es dann Valerio Di Marco, der nach klugem Zuspiel von Rechtsverteidiger Esteban Tonel zum 2:2 traf. Das Stadion explodierte - und Di Marco riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft entschieden. Danach entwickelte sich das, was man in der Branche gerne "offenen Schlagabtausch" nennt - oder, weniger höflich, "wildes Durcheinander". Beide Teams feuerten aus allen Lagen: Lucca mit insgesamt 17 Torschüssen, Rodengo mit 13. Besonders Enrico Figline versuchte es gleich fünfmal, traf aber nur die Fangnetze und den Nerv seines Trainers. "Er hat das Tor gesucht - leider mit einer Landkarte von 2018", murmelte Mancini halb amüsiert. Rodengo antwortete mit jugendlichem Elan, aber auch mit zunehmender Härte: Drei Gelbe Karten sammelten sie ein (Castello, Cariati, Di Paolo), und in der 88. Minute wurde es kurz ruppig, als Di Paolo den heranstürmenden Belsito umsäbelte. "Ich hab den Ball gespielt", behauptete er. "Welchen Ball?", fragte Belsito anschließend süffisant. Kurz vor Schluss hatte Lucca noch zwei Riesenchancen - Figline in der 91. und Roggiano in der 92. Minute - doch beide Male blieb Torwart Niccolò Argusto der Fels in der Brandung. In der Nachspielzeit sah Luccas Vincenzo Palmisano noch Gelb, vielleicht aus Frust, vielleicht aus Übermotivation. Irgendwie passte das ins Bild: viel Einsatz, wenig Glück. Nach dem Schlusspfiff standen beide Teams erschöpft, aber zufrieden auf dem Rasen. "Ein Punkt ist besser als kein Punkt", sagte Trainer Beyer mit einem Schulterzucken. Mancini konterte: "Wir wollten drei Punkte. Aber wenn man die ersten 45 Minuten verschläft, muss man froh sein, dass man überhaupt aufwacht." Statistisch war Lucca das aktivere Team - mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, sogar leicht bessere Zweikampfquote (50,7 zu 49,3). Aber Rodengo Saiano zeigte Reife, Kampfgeist und eine erstaunliche Kaltschnäuzigkeit. Für die Zuschauer war’s jedenfalls ein Fest. Und als die Flutlichtmasten nach 96 Minuten ausgingen, murmelte ein älterer Herr auf der Tribüne: "So spielt man unentschieden mit Stil." Treffender kann man’s kaum sagen. 07.08.643990 10:33 |
Sprücheklopfer
Weil, der Trainer braucht jetzt Spieler mit harten Eiern.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, warum er beim nächsten Spiel aufgestellt werden sollte