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Wenn 46.044 Zuschauer an einem Montagabend in Belfast ins Stadion pilgern, dann erwarten sie Spektakel. Sie bekamen Drama, Schweiß und einen gewissen Evan Brady, der entschied, dass ein Punkt besser ist als keiner. Linfield FC trennte sich am 8. Spieltag der 1. Liga Nordirland mit 1:1 von den Lurgan Bhoys - ein Resultat, das für beide Seiten mehr Fragen als Antworten hinterließ. Die Gäste aus Lurgan starteten frech und schnörkellos. Schon in der 18. Minute klingelte es im Kasten von Edoardo Villapiana. Humberto Figueras, der wendige Linksaußen mit dem Namen eines südamerikanischen Poeten, schlenzte den Ball nach feiner Vorarbeit von Humberto Meireles ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Figueras mit einem breiten Grinsen nach dem Spiel. Linfields Keeper Villapiana hingegen sah das Ganze weniger lyrisch: "Ich hab den Ball spät gesehen - und dann war’s halt zu spät." Linfield-Coach Joe Brunner wirkte da schon unruhig. Seine Elf schoss aus allen Lagen, aber das Tor blieb wie vernagelt. Allein in der ersten Hälfte feuerten die Hausherren 13 Mal Richtung Gästekasten - ohne Erfolg. Lurgans Schlussmann Adam McGrath verhielt sich wie ein Türsteher an einem Samstagabend: "Keiner kommt hier rein." Er parierte, faustete, fluchte und dirigierte seine Abwehr, als hinge der Weltfrieden davon ab. "Wir hatten 22 Schüsse aufs Tor, aber Fußball ist kein Dartspiel", murmelte Brunner später. Tatsächlich: Linfield dominierte zwar die Zweikämpfe (54 Prozent gewonnen), doch Lurgan hatte mit 55 Prozent Ballbesitz die ruhigere Hand. Trainer Tony Rabe, der in der Coaching-Zone stoisch an seinem Kaugummi kaute, erklärte süffisant: "Wir wollten Linfield laufen lassen. Und sie sind gelaufen. Sehr viel." Nach der Pause kam Linfield mit sichtbarem Ärger im Bauch zurück. Theo Whitman musste runter, der junge George McAteer kam - und brachte frischen Wind, wenn auch keinen Sturm. Die Gastgeber spielten nun konsequent über die Flügel, besonders über die rechte Seite mit Alf Persson, der in Minute 71 die Vorlage seines Lebens gab: ein halbhoher Ball zwischen zwei Verteidigern hindurch, direkt auf den Fuß von Evan Brady. Der 32-Jährige drosch die Kugel kompromisslos in die Maschen. 1:1. Das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Brady, "und gehofft, dass der Ball diesmal McGrath nicht wieder an der Schulter trifft." Der Treffer war verdient, ja überfällig. Linfield hatte inzwischen die Kontrolle übernommen, auch wenn Lurgan mit vereinzelten Kontern gefährlich blieb. Besonders Connor Reid prüfte Villapiana in der 74. Minute mit einem Distanzschuss, der dem Heimkeeper kurz das Herz stocken ließ. Die Schlussphase glich einem Dauerfeuer. Linfields Offensivwut kannte keine Grenzen: Harte, Brady, Cascarino - alle versuchten ihr Glück. Doch McGrath blieb ein Fels. Als in der 90. Minute Joao Ferreira aus spitzem Winkel noch einmal abzog, schien das Stadion den Atem anzuhalten. Der Ball zischte einen halben Meter über die Latte, und McGrath klatschte in die Hände, als hätte er gerade das Finale gewonnen. Zwei Gelbe Karten - Luke Cantwell (79.) und Logan Staunton (91.) - zeugten davon, dass Linfield am Ende auch emotional an seine Grenzen ging. "Wir wollten unbedingt den Sieg, vielleicht zu sehr", gab Kapitän Harte zu. "Aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir kämpfen können." Lurgans Trainer Tony Rabe sah das naturgemäß anders: "Für uns ist das ein Punkt des Willens. Linfield hatte mehr Chancen, aber wir hatten mehr Ruhe. Und manchmal ist Ruhe der größte Luxus im Fußball." Ein kleines Kabinendetail am Rande: Nach dem Spiel soll Linfields Betreuer vergessen haben, das Licht im Presseraum anzuschalten. "Passt schon", witzelte Coach Brunner, "so sieht man wenigstens die vergebenen Chancen nicht." So blieb ein Abend, an dem Linfield alles tat, um zu gewinnen - und am Ende froh war, nicht verloren zu haben. Die Lurgan Bhoys dagegen nehmen ihren Auswärtspunkt mit breitem Grinsen und der Gewissheit mit, dass man auch mit weniger Schüssen (nur sieben insgesamt) viel erreichen kann, solange einer davon sitzt. Ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber beide verdient haben. Und irgendwo in Belfast hallt noch immer der Applaus für Evan Bradys wuchtigen Ausgleich - ein Moment, der zeigte, dass Fußball manchmal eben doch gerecht sein kann. 31.01.643994 13:15 |
Sprücheklopfer
Von der Einstellung her stimmt die Einstellung.
Andreas Brehme