// Startseite
| Northern Ireland Football |
| +++ Sportzeitung für Nordirland +++ |
|
|
|
Es war ein kühler, aber klarer Abend in Donegal, als 20.000 Zuschauer zum 3. Spieltag der 1. Liga Nordirland ins Stadion der Bhoys strömten. Flutlicht, Gesänge, und das Gefühl: Heute könnte was gehen. Doch am Ende stand ein schmales 0:1 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das für die Donegal Bhoys so bitter schmeckte wie kalter Tee zur Halbzeit. Schon in den ersten Minuten machten die Gäste aus Belfast klar, dass sie nicht zum Sightseeing gekommen waren. Linfield FC presste, als hätten sie Kaffee intravenös bekommen, und erspielte sich Chance um Chance. Joao Ferreira prüfte in der 6. Minute Bhoys-Keeper Oscar Gonzalez, Theo Whitman legte zweimal nach - und Donegal wackelte wie ein alter Torpfosten im Wind. In der 18. Minute dann der entscheidende Moment: Alf Persson, der quirlig-schnelle Rechtsaußen der Linfield-Elf, setzte sich am Flügel durch, zog nach innen und schlenzte den Ball mit links ins lange Eck. González streckte sich heldenhaft, aber vergeblich. 0:1 - verdient, schmerzhaft, und noch früh genug, um Hoffnung zu behalten. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Persson später in der Mixed Zone. "Aber dann hab ich’s einfach mal probiert - und siehe da, manchmal hilft’s." Sein Trainer Joe Brunner kommentierte das Tor mit typisch nordirischer Trockenheit: "Wir trainieren das so: Zehnmal daneben, einmal rein, das reicht meistens." Die Donegal Bhoys versuchten, sich ins Spiel zu kämpfen, doch es blieb bei Versuchen. Zwei magere Torschüsse in 90 Minuten - das ist wenig, selbst wenn man Beton anrührt. Der auffälligste Akteur war Linksverteidiger Iker Lomban, allerdings nicht unbedingt im positiven Sinn: Erst Gelb in der 38. Minute, dann Gelb-Rot in der 77. - ein Abend, den er wohl lieber vergessen möchte. "Ich wollte nur den Ball spielen", erklärte Lomban mit unschuldigem Blick. "Aber der Ball war eben schneller als ich." Trainer der Bhoys, dessen Name an diesem Abend in den Fanrufen nicht immer liebevoll klang, schlug nach dem Spiel die Hände über dem Kopf zusammen. "Wir wollten offensiv spielen, das haben wir auch getan - zumindest auf dem Papier", sagte er sarkastisch. "Aber Linfield hat uns kaum Luft gelassen." Tatsächlich sprachen die Zahlen eine klare Sprache: 55 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 20 Torschüsse - gegen ganze zwei der Bhoys. In der zweiten Halbzeit änderte sich wenig. Linfield kontrollierte das Geschehen, ohne das Ergebnis auszubauen. Theo Whitman scheiterte mehrfach an González, Harry McGee drosch den Ball in der 75. Minute aus kurzer Distanz über das Tor - da war mehr drin. "Wir hätten das zweite Tor machen müssen", gab Brunner zu. "Aber ehrlich, wir wollten’s wohl spannend halten." Die Bhoys dagegen suchten verzweifelt nach einem Funken Offensive. In der 65. Minute kam endlich ein Abschluss von Stürmer Oscar Heighway, doch Linfields Keeper Duarte Ramirez war hellwach. "Ich hab ihn schon jubeln sehen", lachte Ramirez später. "Aber dann hab ich gedacht: Nicht heute, mein Freund." Als ob das Unglück komplettiert werden müsste, verletzte sich Donegals Rechtsverteidiger Benjamin O’Brien in der 80. Minute und musste unter Applaus vom Platz. Sein Ersatz Sean Carey hatte kaum Zeit, sich zu orientieren, da kassierte Lucas O’Brien, offenbar inspiriert vom Temperament des Abends, noch eine späte Gelbe Karte (83.). Linfield wechselte clever: In der 70. kam der junge Michael Ireland, später George McAteer - frisches Blut für müde Beine. Persson durfte in der 90. Minute unter Standing Ovations gehen. "Er hätte noch laufen können", grinste Brunner, "aber ich wollte ihn vor sich selbst schützen." Am Ende blieb es beim 0:1. Ein Resultat, das Linfield oben in der Tabelle hält und Donegal mit leeren Händen zurücklässt. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt", sagte ein ernüchterter Noah Aldridge nach Abpfiff. "Oder wie unser Physio meinte: Wer nicht trifft, kriegt Muskelkater vom Kopfschütteln." Für Linfield dagegen war’s ein Arbeitssieg - solide, unspektakulär, aber effektiv. "Schön spielt man im Ballett, nicht in Donegal", meinte Persson süffisant, bevor er in den Mannschaftsbus stieg. Und so verließ das Publikum das Stadion mit gemischten Gefühlen: ein bisschen enttäuscht, ein bisschen stolz - und ganz sicher um die Erkenntnis reicher, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ist. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn man nur zweimal aufs Tor schießt, darf man sich über die Null nicht wundern." Kurz gesagt: Linfield FC nahm drei Punkte mit, Donegal Bhoys haben immerhin Geschichten für den Stammtisch. Und wer weiß - vielleicht knallt der Ball beim nächsten Mal statt gegen den Zaun endlich ins Netz. 04.12.643993 16:35 |
Sprücheklopfer
Wenn er das Tor getroffen hätte, wäre der Ball drin gewesen, aber er hat vorbei geschossen.
Otto Rehhagel