Anpfiff
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Linx ringt Oberhausen nieder - jung, wild und unverschämt effizient

Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem kleinen Stadion in Linx, 4.380 Zuschauer, die zwischen Glühwein und Hoffnung pendelten - und am Ende einer dieser Fußballabende, die keiner so recht erwartet hatte. Der SV Linx besiegt Oberhausen mit 1:0 und liefert dabei ein Beispiel dafür, dass Ballbesitz allein keine Nervenschonung garantiert.

Schon in den ersten Minuten wurde klar: Die Linxer hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Trainer Michal Dickschat hatte seine Elf auf "balancierte Offensive" eingestellt - was in der Praxis bedeutete, dass Oberhausen kaum den Ball sah. 58 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse, dazu drei Gelbe Karten und ein Tor: ein Arbeitssieg mit Stilbruch.

Das Tor des Abends fiel früh. In der 9. Minute legte Rechtsaußen Mark Fritsch clever quer, der 17-jährige Christian Stein rauschte heran und drosch den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit ins Eck. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man zu viel nachdenkt, geht er meistens drüber", grinste Stein hinterher, während er noch ein Autogramm auf einen Becher Kakao setzte.

Von diesem Moment an war Linx Herr im eigenen Haus. Fritsch wirbelte auf der rechten Seite, Vollmer und Kühne verteilten die Bälle mit chirurgischer Präzision, und der 18-jährige Detlev Miller schoss, als gäbe es für jeden Versuch ein Freigetränk. Ganze sieben Torschüsse gingen auf sein Konto - einer gefährlicher als der andere. Dass keiner davon den Weg ins Netz fand, lag an Oberhausens Keeper Marcos Melendo, der an diesem Abend den Eindruck machte, er wolle alle 22 Linxer Versuche persönlich parieren. "Ich fühl mich wie nach einem Tennismatch", keuchte der Torwart nach Schlusspfiff.

Oberhausen dagegen blieb lange blass. Drei kümmerliche Torschüsse, meist aus der Verlegenheit geboren. Raphael Reimann versuchte es in der 39. Minute, Luis Baumann in der 42., und Teenager Pattrick Karl kam in der 54. Minute immerhin zum Abschluss - aber Linx-Keeper Oscar Haase hatte mehr zu frieren als zu schwitzen. Trainer Gianni Enelli wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte er nach dem Spiel, "aber Linx hat uns den Ball einfach nicht gelassen. So kann man schwer Tore schießen."

Die Linxer Defensive stand, auch wenn sie sich drei Gelbe Karten einfing. Hermann Grimm, der Name klingt nach Märchen, spielte aber wie ein Türsteher: kompromisslos und laut. Nach seiner Verwarnung in der 49. Minute brüllte er Richtung Bank: "War doch nur Körper!" - und grinste dabei. Morgan Shepherd kassierte später ebenfalls Gelb, während der junge Andreas Menzel seine erste Karte vermutlich als eine Art Initiationsritus betrachtete.

Im Mittelfeld zog Routinier Bernt Kühne die Fäden. Nach dem Spiel meinte er trocken: "Wenn wir von 22 Schüssen nur einen reinmachen, ist das halt Effizienz auf Linxer Art." Trainer Dickschat kommentierte das mit einem Schmunzeln: "Wir üben nächste Woche, den Torwart auch mal zu umspielen - statt ihn warmzuschießen."

Taktisch blieb Linx über 90 Minuten seiner Linie treu: ausgewogen, ruhig, keine wilden Pressing-Attacken, aber stets Herr der Lage. Oberhausen dagegen spielte laut Statistik offensiv - zumindest auf dem Papier. Auf dem Platz wirkte das eher wie höflicher Begleitschutz für die Linxer Angriffsbemühungen.

In der zweiten Halbzeit verpassten die Gastgeber mehrfach die Entscheidung. Zwischen der 68. und 90. Minute hagelte es Abschlüsse, fast alle von Miller oder Stein. Das Publikum begann irgendwann, bei jedem Linxer Schuss kollektiv "Uuuuh!" zu rufen - eine Mischung aus Vorfreude und resignierter Komik.

Als Schiedsrichterin Nadine Krämer nach 93 Minuten abpfiff, war die Erleichterung groß. Linx feierte den Sieg wie einen Pokal, und Oberhausen trottete vom Rasen, als wäre der Ball heute ein ungelöstes Rätsel gewesen.

"Das war kein schönes Spiel", fasste Dickschat zusammen, "aber ein ehrliches." Und vielleicht war es genau das, was die 4.380 Zuschauer wollten: ehrlichen Fußball mit jungen Wilden, die sich nicht scheuen, auch mal übers Ziel hinauszuschießen.

Am Ende bleibt ein knapper, aber verdienter 1:0-Erfolg, ein 17-jähriger Matchwinner und ein Trainer, der wohl leise mit dem Gedanken spielt, in der kommenden Woche das Tor um einen Meter zu vergrößern.

Oder, wie ein Linxer Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn die so weitermachen, schießen sie uns irgendwann noch ins Herz - oder wenigstens endlich mal ein zweites Tor."

26.05.643987 14:24
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