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Es war ein lauer Sommerabend in Uruguay, 31.743 Zuschauer im gut gefüllten Estadio Cerrense, und alles schien auf einen Heimsieg hinauszulaufen - bis UD Liverpool beschloss, doch noch Fußball zu spielen. Am Ende stand ein 2:3 aus Sicht der Gastgeber von CD Cerrense, und man fragte sich, wie zur Hölle das eigentlich passieren konnte. Dabei hatte Cerrense stark begonnen. Schon nach 20 Minuten klingelte es: Nael Marques, der flinke Rechtsaußen, zündete nach feinem Pass von Dimitar Slawkow den Turbo und schob eiskalt ein - 1:0. Trainer Leahcim Gnipeur jubelte verhalten, als wolle er sagen: "Ich weiß, dass noch viel Zeit ist, um das zu vermasseln." Und er sollte recht behalten. Zwar glich Liverpool acht Minuten später durch Claus Hein aus, der nach Vorlage des griechischen Strategen Andronikos Tsiklitiras trocken ins lange Eck traf. Aber Cerrense hatte eine Antwort: Wieder Marques, diesmal nach klugem Zuspiel von Knud Brinkmann, traf mit dem Pausenpfiff zum 2:1. Die Tribünen tobten, und der Stadionsprecher überschlug sich fast mit dem Hinweis: "Doppelpack Marques!" - als wäre das schon der endgültige Sieg gewesen. Doch der Fußball, dieses launische Spiel, hat seine eigenen Drehbücher. Und im zweiten Akt übernahm der Gast. Liverpool kam mit offensiverem Biss aus der Kabine, und schon fünf Minuten nach Wiederanpfiff war es erneut Claus Hein, der sich in die Torschützenliste eintrug - diesmal nach Vorarbeit des unermüdlichen Rechtsverteidigers Reece Gady. 2:2, und plötzlich sah man bei Cerrense mehr ratlose Gesichter als Ideen. Nur vier Minuten später war das Spiel gedreht. Samuel Roades, Liverpools quirliger Rechtsaußen, schob nach einer weiteren Vorlage von Gady zum 3:2 ein. Gady selbst grinste später: "Ich dachte, wenn keiner schießt, mach ich halt die Vorlagenarbeit." Trainer Savo Partizan lobte ihn: "Er war heute unsere Lebensversicherung auf der rechten Seite - und das bei einer Quote, die sonst nur bei Banken zu finden ist." CD Cerrense versuchte es danach mit dem, was man wohl als verzweifelten Optimismus bezeichnen kann. Mehr Ballbesitz (54,6 %) half nichts, auch zehn Torschüsse blieben folgenlos. Liverpool war effektiver: 14 Schüsse, drei Tore - Fußball in seiner brutalsten Logik. Gnipeur brachte in der 61. Minute Christian Petrizzi für den müden Knud Brinkmann, später folgte noch Innenverteidiger Alejandro Xuarez. "Wir wollten Stabilität reinbringen", erklärte der Trainer. "Leider kam stattdessen Chaos." Auf der Gegenseite wechselte Partizan klüger: Jean-Pierre Benoist kam für Tsiklitiras, und Zeeman Putnam ersetzte den blassen Alfonso Montanes - beide sorgten für frische Energie. In der 88. Minute durfte sogar der 18-jährige Julian Mascarenhas noch sein Debüt feiern. "Ich hatte Angst, den Ball überhaupt anzufassen", gab der Teenager hinterher lachend zu. Die Schlussphase war dann ein einziges Anrennen der Gastgeber. Marques scheiterte knapp, Skene probierte es aus der Distanz, und Densham drosch in der 87. Minute den Ball in die dritte Etage - sinnbildlich für den Cerrense-Abend. "Wir haben alles gegeben, sogar unsere Nerven", seufzte Kapitän Sean MacPhee nach dem Abpfiff. Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - außer eben beim Wichtigsten. Liverpool verteidigte clever, tackelte mit 52 % Erfolgsquote minimal besser, und spielte so, als hätten sie sich beim Halbzeittee kollektiv an ein altes Trainer-Mantra erinnert: "Tore schießen hilft." Nach Schlusspfiff klatschten die Gäste einander ab, während Marques mit leerem Blick in die Nacht starrte. Zwei Tore, null Punkte - härter kann Fußball kaum sein. Trainer Gnipeur nahm es mit Galgenhumor: "Wir führen zur Pause 2:1, das sollte man eigentlich mitnehmen. Aber wir sind eben großzügig." Partizan dagegen strahlte: "Wir wollten nicht wieder das ’brave Liverpool’ sein. Heute waren wir bissig, effektiv - und manchmal sogar schön." So endete ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore und Tragik. Cerrense wird sich fragen, wie man ein solches Spiel noch verlieren kann. Liverpool hingegen reist mit breiter Brust in den nächsten Spieltag, wissend, dass man auch in Uruguay mit britischem Pragmatismus gewinnen kann. Und irgendwo in der Kabine summte einer der Spieler: "Auswärtssieg, Auswärtssieg!" - aber das, liebe Leser, war dann wirklich schon Musik in den Ohren der Gäste. 06.03.643987 11:56 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe