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Ein kalter Februarabend, Flutlicht über Anfield, 41.568 Zuschauer mit Schal und Hoffnung - und am Ende ein ziemlich standesgemäßes Ergebnis: Liverpool Reds 2, Ashford Town 0. Es war kein Spektakel, aber eines dieser Spiele, nach denen Trainer Kurt Kaiser mit verschränkten Armen zufrieden in die Kamera lächelt und sagt: "Wir haben das kontrolliert, ohne zu glänzen." Das traf es ziemlich genau. Von der ersten Minute an war klar, wer hier den Ton angibt. Die Reds begannen offensiv, wie es sich für sie gehört: 15 Torschüsse, 56,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 55,7 Prozent Ballbesitz - kurz gesagt, sie ließen die Gäste aus Ashford selten zum Luftholen kommen. Giulio Lorusso, der 33-jährige Sturmtank mit der Eleganz eines Betonmischers, prüfte schon in der fünften Minute den jungen Ashford-Keeper Damian Martinez. Der wehrte mit einem Reflex ab, der einen Platz im Bewerbungsvideo für größere Vereine verdient hätte. In der 15. Minute dann der Dosenöffner: Thomas Lester, der Mittelfeldmotor mit der Ruhe eines Schachspielers, zog aus 18 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. Vorlage: Innenverteidiger Ashton Young, der offenbar beschlossen hatte, einmal selbst Regisseur zu spielen. "Ich hab den Ball einfach nach vorne gedroschen", grinste Young später selbstironisch. "Thomas hat das dann… na ja, schöner gemacht." Ashford Town? Bemüht, aber ungefährlich. Drei Torschüsse, einer davon halbwegs nennenswert von Lawrenti Malgin in Minute 40 - allerdings direkt auf den Torwart. Gästetrainer David Reichart stapfte an der Seitenlinie auf und ab, rief, gestikulierte, vergrub schließlich die Hände in den Taschen. "Wir wollten mutig sein, aber Mut allein schießt keine Tore", sagte er hinterher und lächelte dabei, als wüsste er selbst, wie sehr das nach Durchhalteparole klang. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Liverpool spielte kontrolliert weiter, ohne das Risiko zu übertreiben. Tristan Apers, der erfahrene Mittelfeldmann, durfte zur Pause duschen gehen - für ihn kam der 20-jährige Federico Floris, der sofort mit jugendlichem Elan und ein paar übermotivierten Pässen auffiel. In der 59. Minute fiel die Entscheidung: Robert Warriner, 22 Jahre jung, schnell wie Espresso nach Mitternacht, setzte sich auf rechts durch und vollendete nach erneutem Zuspiel von - man ahnt es - Ashton Young. 2:0, die Messe gelesen. "Ich hab gesehen, dass Ashton wieder so einen Ball raushaut, also dachte ich: Lauf, Robert, lauf!", lachte der Torschütze. "Und diesmal war der Plan sogar gut." Ashford hatte noch Pech, als Oliver Marshal in der 73. Minute verletzt vom Platz musste. Für ihn kam Logan Ashton, der zwar kämpfte, aber ebenfalls nicht für Torgefahr sorgen konnte. Auch die letzten Minuten gehörten Liverpool, Alessandro Marcedusa prüfte Keeper Martinez noch zweimal - doch der verhinderte Schlimmeres. Trainer Kaiser wechselte spät noch Innenverteidiger Gabor Bodola ein, um Ashton Young ein paar Applausminuten zu gönnen. "Er hat heute zwei Tore eingeleitet - für einen Abwehrspieler ist das fast ein Feiertag", sagte Kaiser augenzwinkernd. Statistisch gesehen war das Spiel eine klare Sache: 15:3 Torschüsse, fast 56 Prozent Ballbesitz, keine Karten, ein verletzter Gegner - und ein souveräner Auftritt, der nie in Gefahr geriet. Der Anfield-Rasen blieb unversehrt, das Publikum friedlich, und die Reds stehen nun mit breiter Brust im Ligatableau. "Wir hätten mehr Tore machen können", meinte Kaiser später bei Sky, "aber ehrlich gesagt - manchmal reicht ein solides 2:0. Wir müssen ja nicht immer Drama liefern." Ashford-Coach Reichart nahm’s sportlich: "Wenn du gegen Liverpool spielst und nur zwei kassierst, ist das fast ein kleiner Sieg." Und dann, nach kurzem Zögern, fügte er hinzu: "Wenn wir irgendwann mal 15 Torschüsse haben, dann reden wir weiter." So blieb der Abend, wie er begonnen hatte: kalt, kalkuliert und ganz im Sinne der Hausherren. Die Fans sangen sich warm, die Spieler klatschten sich ab, und irgendwo auf der Tribüne summte ein älterer Herr zufrieden: "Das war halt Liverpool - nicht schön, aber effektiv." Und so ging man hinaus in die Nacht - mit dem Gefühl, dass in Anfield wieder einmal alles so gelaufen war, wie es der Drehbuchautor des Fußballs vorgesehen hatte. 15.07.643990 06:42 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner