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Es war ein lauer Februarabend an der Mersey, 41.715 Zuschauer im Stadion, und alle erwarteten den gewohnten Auftakt der "Reds": frühes Tor, dominantes Spiel, drei Punkte, Feierabendbier. Stattdessen gab es Drama, Gelb-Rot, und einen Innenverteidiger, der sich plötzlich als Torjäger entpuppte. Am Ende hieß es 2:2 - und die Gesichter in Liverpool waren so rot wie das Trikot. Die Partie begann, wie man es von einem Saisonauftakt in England erwartet: laut, wild und mit einem beherzten Tritt ins Geschehen. Nach nur zwei Minuten prüfte Lucas Ward den Gästetorwart Rhys Crichton zum ersten Mal. Der Ball zischte knapp vorbei, und Trainer Kurt Kaiser rief von der Seitenlinie: "Jungs, wir wollen hier kein Rugby spielen, oder?" Boreham Wood nahm das als Einladung. In der 11. Minute konterten die Gäste eiskalt. Samuel Davonport, 22 Jahre jung und offenbar ohne Nerven, traf nach Vorlage von Innenverteidiger Carlos Izquierdo zum 0:1. "Ich dachte, er flankt", grinste Izquierdo später, "aber der Junge hat einfach draufgehalten. Gut so." Das Anfield-Stadion war kurz still - man hörte nur die 300 mitgereisten Boreham-Fans jubeln, die wahrscheinlich dachten, sie seien im falschen Film. Liverpool antwortete mit Wut im Fuß. Filipe Arias, der flinke Linksaußen, rackerte, flankte, schoss - aber der Ball wollte einfach nicht rein. 14 Torschüsse am Ende des Abends sprechen Bände. Boreham Wood begnügte sich dagegen mit drei Versuchen - dafür aber mit maximaler Effizienz. Nach dem Seitenwechsel ging Kaiser aufs Ganze. "Offensiv bleiben, aber bitte auch treffen", soll er in der Kabine gesagt haben. In der 62. Minute war es dann soweit: Arias setzte sich auf links durch, flanke punktgenau in die Mitte, wo Lucas Ward per Kopf zum 1:1 einnickte. Das Stadion atmete auf, Ward jubelte mit ausgestreckten Armen, als wäre die Meisterschaft schon entschieden. Doch Boreham Wood hatte noch Pfeile im Köcher. Zehn Minuten später, 72. Minute, Ecke für die Gäste. Der Ball segelte in den Strafraum, und ausgerechnet Carlos Izquierdo - derselbe, der zuvor assistiert hatte - stieg am höchsten und köpfte zum 1:2 ein. "Ich wollte eigentlich nur klären", witzelte der 32-Jährige später, "aber wenn der Ball schon da ist …" Liverpool drückte, wechselte frische Kräfte ein - Tristan Apers kam für Lester, James Masse ersetzte Tihinen, später durfte auch Nachwuchsmann Michael Warriner ran. Die Reds belagerten das Tor der Gäste, während Boreham Wood zunehmend auf Zeit spielte. Trainer Sven Schliffke schrie sich die Lunge aus dem Leib: "Ruhig, Jungs, ruhig!", aber das half nur bedingt. In der 87. Minute flog dann auch noch Davib Lankford mit Gelb-Rot vom Platz - erst Foul, dann Meckerei. "Ich hab doch nur gefragt, ob er blind ist", verteidigte sich der Innenverteidiger nach dem Spiel mit einem Schmunzeln. Zwei Minuten später kam, was kommen musste: Callum Hawn flankte von links, und Alessandro Marcedusa traf in der 89. Minute zum 2:2. Ein Tor, das wie eine Befreiung wirkte. Marcedusa rannte zur Eckfahne, rutschte auf den Knien, Kaiser ballte die Fäuste - und irgendwo im Hintergrund war ein Fan zu hören, der rief: "Endlich!" Die letzten Minuten waren ein einziger Belagerungszustand. Liverpool im Dauerdruck, Boreham Wood mit neun Mann im eigenen Strafraum. Crichton hielt, was zu halten war, und nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", knurrte Trainer Kaiser. "Aber wenn du 14 Torschüsse brauchst für zwei Tore, dann darfst du dich nicht beschweren." Sein Gegenüber Schliffke grinste zufrieden: "Ein Punkt in Liverpool? Ich nehme an, die Jungs bekommen morgen frei - wenn sie mir nicht schon wieder das Herz brechen." Statistisch gesehen war alles ausgeglichen: 50,2 Prozent Ballbesitz für Liverpool, 49,8 für Boreham Wood. Nur bei den Torchancen klaffte eine Welt - 14 zu 3. Doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Am Ende stand ein 2:2, das sich für Liverpool wie eine Niederlage und für Boreham Wood wie ein Sieg anfühlte. Die Zuschauer applaudierten trotzdem - vielleicht auch, weil sie wussten, dass Saisonauftakte selten so unterhaltsam sind. Oder, wie es Lucas Ward zum Schluss sagte: "Wir hätten gewinnen müssen. Aber hey - wenigstens haben wir Izquierdo kennengelernt. Der spielt jetzt wohl auch Stürmer." Ein Punkt für jeden, ein Warnschuss für Liverpool - und ein Abend, an dem Boreham Wood kurzzeitig in der Premier-League-Geschichte glänzte. 29.05.643990 23:33 |
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Erich Ribbeck über die aufgeladene Atmosphäre vor einem Länderspiel in der Türkei