// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Ein lauer Sommerabend in Montevideo, 28.041 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, Mate-Thermoskannen - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, Fußball nicht zu spielen, sondern zu zelebrieren. UD Liverpool besiegte Deportivo Marde am 5. Spieltag der uruguayischen Primera División mit 5:0 - und das war, Hand aufs Herz, noch schmeichelhaft für die Gäste. Schon in der 19. Minute begann das Unheil für Marde: James Mayhew, der flinke Rechtsaußen mit dem ruhigen Blick eines Mathematiklehrers, drückte nach einer Ecke von Youngster Xavier Coluna den Ball über die Linie. 1:0, und man sah an den Gesten der Marde-Abwehr: Sie wussten, das wird ein langer Abend. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Mardes Keeper Pedro Moutinho später zerknirscht. "War er aber nicht", grinste Mayhew. Liverpool-Coach Savo Partizan, sonst eher ein Mann der grantigen Gesten, sah da schon zufrieden aus. Seine Elf spielte mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre das Training gegen Hütchen schwieriger. In der 38. Minute legte Taylor McShane nach - ein klassischer Mittelstürmertreffer, nach butterweicher Flanke von Mason Kendall. "Taylor sagt immer, er brauche nur eine halbe Chance", erzählte Kendall lachend. "Heute hat er eine ganze bekommen." 2:0 zur Pause, 50,5 Prozent Ballbesitz - also quasi Gleichstand -, aber 13:1 Torschüsse für die Hausherren. Marde stand tief, zu tief, und wenn sie mal rauskamen, versprühte Jelle Knickerbackers Fernschuss in der 28. Minute kurz Hoffnung. Aber da war Gojko Babovic im Liverpool-Tor hellwach. Partizan wechselte zur Pause durch - Michel Mingo, der sich kurz zuvor eine Gelbe Karte abgeholt hatte, durfte duschen gehen, Geir Herlovsen übernahm hinten links. "Ich wollte frische Beine und weniger Gelb", grinste der Coach später. Nach Wiederanpfiff ging das Spektakel weiter. In der 55. Minute durfte sich Dorde Basa, der unermüdliche Linksstürmer, endlich belohnen. Nach Vorarbeit von Ingo Oliveira schob er den Ball ins lange Eck. 3:0, und auf den Rängen tanzten die Fans, als wäre Karneval. "Ich hab einfach Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", sagte Basa - und man glaubte ihm. Deportivo Marde? Kam kaum über die Mittellinie. Drei Torschüsse in 90 Minuten sind ein trauriges Zeugnis - fast so, als wollten sie den Ball lieber gar nicht haben. Ihr Ballbesitz lag dennoch bei knapp 49 Prozent. Das nennt man wohl "symmetrische Hoffnungslosigkeit". Dann die Schlussviertelstunde, in der Liverpool endgültig zur Gala ansetzte: In der 79. Minute traf Mason Kendall nach Doppelpass mit Oliveira, zwei Minuten später erneut McShane - wieder Oliveira als Vorlagengeber. 5:0, und man hatte das Gefühl, der Schiedsrichter pfiff nur deshalb pünktlich ab, um Marde vor Schlimmerem zu bewahren. Trainer Partizan gab sich danach fast väterlich: "Ich mag keine Demütigungen, aber die Jungs hatten einfach Spaß. Was soll ich da sagen?" - Nun, die Statistik sprach Bände: 22 Torschüsse zu 3, eine Zweikampfquote von 58,5 Prozent, kein Gegentor, kein einziger Moment echter Gefahr. Selbst der Torwartwechsel in der 74. Minute - der 18-jährige Joseba Tonel kam zu seinem Debüt - brachte keine Unruhe. "Ich hab mich gefühlt wie im Kino, nur mit Handschuhen", scherzte der Youngster. Und Marde? Trainername unbekannt, Körpersprache eindeutig: Hände in den Taschen, Blick gen Boden. "Wir hatten einen Plan", sagte Kapitän Louis Reid, "aber der war nach zehn Minuten verbrannt." Immerhin: Er selbst sah in der 76. Minute Gelb - ein Zeichen, dass wenigstens einer Widerstand zeigen wollte. Als die Fans nach Abpfiff das Stadion verließen, hörte man einen alten Herrn mit blau-schwarzem Schal seufzen: "So spielt nur Liverpool - das uruguayische, nicht das englische." Ein schöner Vergleich, auch wenn man ihn in Montevideo wohl nicht allzu laut wiederholen sollte. Fazit: Ein einseitiger Fußballabend, der UD Liverpool in dieser Form als heißen Titelkandidaten zeigt. Wenn Partizans Männer weiter so präzise, spielfreudig und humorvoll auftreten, wird die Liga bald nur noch eine Frage stellen: Wer kann sie überhaupt stoppen? Deportivo Marde war es jedenfalls nicht. Und während die Stadionuhr längst dunkel war, hörte man noch Partizans Stimme aus dem Kabinengang: "Fünf Tore, null Gegentore - das ist keine Statistik, das ist Poesie." Man möchte ihm kaum widersprechen. 06.03.643987 11:55 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt