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Es war einer dieser Abende, an denen die Fans von Liyaspor wohl dachten, sie könnten endlich wieder unbeschwert feiern. 26.981 Zuschauer brüllten ihr Team am vierten Spieltag der 1. Liga Türkei nach vorn, das Flutlicht glühte, und Trainerin Liya Faye hatte ihr junges Team offensiv eingestellt - vielleicht etwas zu offensiv, wie sich später herausstellen sollte. Am Ende stand ein 1:1 gegen Izmirspor, das sich eher wie eine Niederlage anfühlte. Die erste Halbzeit begann schwungvoll, aber ohne zählbaren Ertrag. Schon in der vierten Minute prüfte Riley Connolly mit einem frechen Distanzschuss Izmirspors Keeper Muharrem Denizli, der den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Ich wollte einfach mal sehen, ob er wach ist", grinste Connolly später. Die Antwort: war er. Izmirspor hatte mehr vom Spiel - 56 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse insgesamt - doch Liyaspor verteidigte leidenschaftlich. Allen voran der 18-jährige Innenverteidiger Johann Haupt, der in der 30. Minute einen brandgefährlichen Schuss von Christopher Combe blockte, als viele schon das Netz zappeln sahen. "Ich weiß gar nicht, woher ich den Fuß noch bekommen hab", keuchte Haupt nach dem Abpfiff. Nach der Pause kam das, was man in Liyaspor wohl einen jugendlichen Moment der Unbekümmertheit nennt. In der 57. Minute kombinierten sich die beiden Teenager-Stürmer Nuri Turan und Fritjof Samuelsson durch die Mitte. Nuri legte quer, Samuelsson blieb eiskalt - 1:0! Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, und Samuelsson, 18 Jahre jung, schrie seine Freude in den Nachthimmel. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", sagte er später schüchtern, während Trainerin Liya Faye ihn liebevoll am Nacken packte: "Das war kein Glück, das war Instinkt." Izmirspor reagierte, blieb aber lange zu harmlos. Bernard Peltier versuchte es mehrfach aus der Distanz, Paulo Tiago rannte unermüdlich die linke Seite hoch und runter, und in der 77. Minute zirkelte Combe den Ball haarscharf am Pfosten vorbei. Liyaspor verteidigte den knappen Vorsprung mit allem, was Beine hatte - oder zumindest hatte haben sollte. Doch Fußball kann grausam sein. Als die Nachspielzeit schon auf der Anzeigetafel blinkte, kam Izmirspor noch einmal über links. Paulo Tiago, der wohl letzte, der noch nicht aufgegeben hatte, flankte halbhoch in den Strafraum. Bernard Peltier rauschte heran und drückte das Leder in der 89. Minute zum 1:1 über die Linie. Totenstille im Stadion - abgesehen von den rund 500 mitgereisten Izmir-Fans, die ihr Glück kaum fassen konnten. "Wir haben uns den Punkt verdient", meinte Peltier selbstbewusst. "Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben." Sein Trainer nickte zufrieden: "Das war Ausdauer und Disziplin," sagte er und fügte mit einem Lächeln hinzu: "und vielleicht ein bisschen Glück." Liya Faye hingegen rang nach Worten. "Das ist bitter. Die Jungs waren nah dran an einem perfekten Spiel. Aber vielleicht lernen sie so, dass 90 Minuten manchmal 95 dauern." Die Statistik spricht eine klare Sprache: Izmirspor mit 14 Schüssen aufs Tor, Liyaspor nur mit 6. Auch der Ballbesitz - 56 zu 44 Prozent - zeigt, wer die Kontrolle hatte. Doch spielerisch wirkte Liyaspor phasenweise reifer, mit schnellen Umschaltmomenten und mutigen Angriffen über die Flügel. Besonders auffällig: der quirlige Ezequiel Nani, der in der 88. Minute fast noch das 2:1 erzielte, aber an Denizli scheiterte. Nach dem Abpfiff schien die Enttäuschung greifbar. Einige Fans blieben einfach auf ihren Sitzen, als wollten sie das Ergebnis durch pure Willenskraft umdrehen. Im Kabinentrakt hingegen war von Niedergeschlagenheit keine Spur - nur jugendlicher Trotz. "Wir sind Liyaspor", rief Connolly durch den Gang, "wir kommen wieder." Vielleicht war das 1:1 also mehr als nur ein Punktverlust. Vielleicht war es die Geburtsstunde eines Teams, das lernen muss, mit Rückschlägen zu leben - und trotzdem weiter mutig nach vorn zu spielen. Oder, wie Trainerin Faye es später halb lachend sagte: "Wenn man in der 89. Minute den Sieg verliert, dann weiß man wenigstens, dass man vorher etwas richtig gemacht hat." Und so verließen 26.981 Zuschauer das Stadion mit gemischten Gefühlen - ein bisschen enttäuscht, ein bisschen stolz und mit dem Wissen: Diese jungen Wilden von Liyaspor werden uns in dieser Saison noch öfter den Puls hochtreiben. 23.02.643987 01:22 |
Sprücheklopfer
Das war die erste Gelb-Rote Karte gegen uns, bei der ich grinsen musste.
Stefan Effenberg zum Platzverweis von Oliver Kahn nach dessen Handtor in Rostock