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Es war einer dieser Abende, an denen selbst die Flutlichtmasten ins Schwitzen kamen. 2501 Zuschauer im Lohberger Stadion bekamen am 21. Spieltag der Verbandsliga D alles geboten, was das Fußballherz begehrt: sieben Tore, eine Verletzung, zwei Gelbe Karten und reichlich Gesprächsstoff für den Stammtisch. Am Ende setzte sich der VfB Lohberg mit 4:3 gegen den Ludwigsfelder FC durch - ein Ergebnis, das so spektakulär klingt, wie es war. Schon in der Anfangsphase wurde klar, dass Lohberg an diesem Abend keine Lust auf taktisches Schach hatte. Trainer Müller (der Mann, der angeblich "offensiv" im Schlaf murmelt) ließ seine Elf von Beginn an stürmen. Der Plan ging früh auf: In der 15. Minute zog Mittelfeldmotor Maximilian Friedrich nach Vorarbeit von Linksverteidiger Marcel Engel ab - und der Ball zappelte im Netz. 1:0, die Heimkurve jubelte, der Stadionsprecher kam kaum mit dem Ansagen hinterher. Doch Ludwigsfelde zeigte sich unbeeindruckt. Nur kurz nach der Lohberger Führung musste Trainer Schneider allerdings früh auf seine Ersatzbank zurückgreifen: Rechtsaußen Marvin Ebert verletzte sich in der 23. Minute und wurde durch den jungen Niclas Noll ersetzt. "Ich wollte gerade in den Sprint gehen, da hat’s im Oberschenkel gezwickt", erklärte Ebert später mit einem gequälten Lächeln. Kaum hatte sich der Gast sortiert, schlug Lohberg erneut zu. In Minute 38 war es Pawel Sanew, der nach feiner Flanke von Peter Bachmann das 2:0 markierte. Die Fans feierten schon ausgelassen, doch Ludwigsfelde antwortete prompt: Nur drei Minuten später verkürzte Phillip Ledig nach Zuspiel von Hans Meyer auf 2:1. Zur Pause war also alles offen - und die Zuschauer ahnten, dass das noch lange nicht das Ende der Torflut war. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: mit Offensivdrang auf beiden Seiten. In der 52. Minute traf Bens Hausmanns linke Klebe zum 2:2-Ausgleich, nachdem Ledig erneut die Vorarbeit geleistet hatte. "Wir wollten zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", grinste Hausmann später. Doch Lohberg schlug zurück - und wie! Nur drei Minuten später stellte Yannick Ziegler nach Vorarbeit von Manfred Moser auf 3:2. Das Stadion bebte, die Fans sangen, und Ziegler rannte zur Eckfahne, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. Aber Ludwigsfelde weigerte sich, klein beizugeben. Zwei Minuten nach dem Lohberger Treffer zirkelte Gustav Geier den Ball mit traumhafter Präzision ins Eck - 3:3. Der neutrale Beobachter wischte sich zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon die Stirn. Sieben Tore in 57 Minuten? Das war kein Verbandsligaspiel mehr, das war Actionkino in Echtzeit. Und natürlich musste der letzte Akzent wieder von Lohberg kommen. In der 76. Minute, als viele schon an eine Punkteteilung glaubten, stand wieder Ziegler goldrichtig und drückte eine Flanke von Friedrich über die Linie - 4:3. "Ich hab nur gehofft, dass keiner abpfeift", scherzte der Doppeltorschütze nach Abpfiff. "Der Ball war gefühlt eine Ewigkeit in der Luft." Danach war’s ein Spiel auf Messers Schneide. Ludwigsfelde drängte, aber die Lohberger Defensive - inklusive des aufopferungsvoll kämpfenden Marcel Engel, der in der 86. Minute noch Gelb sah - hielt stand. Torwart Walther Gross musste sich zwar bei elf gegnerischen Torschüssen ordentlich strecken, zeigte aber eine solide Leistung. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: 50,9 Prozent Ballbesitz für Lohberg, 49,1 für Ludwigsfelde; 15 Torschüsse zu 11, Zweikampfquote 51,5 zu 48,4 Prozent. Doch die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Was sie nicht zeigen: die Emotionen, die Schreie nach dem vierten Tor, die ungläubigen Blicke der Auswechselspieler, die sich fragten, ob sie überhaupt noch warm laufen sollten. "Das war kein Spiel für schwache Nerven", sagte Lohbergs Trainer Müller nach dem Schlusspfiff. "Aber für solche Abende lebt man als Fußballer." Ludwigsfeldes Coach Schneider dagegen nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens in einem Spiel, das keiner vergisst." So blieb am Ende ein wildes, herrlich unvernünftiges 4:3 - das perfekte Abbild eines Abends, an dem Fußball alles war: Kampf, Chaos und große Gefühle. Und irgendwo auf der Tribüne rief ein Fan beim Rausgehen: "Wenn’s immer so läuft, kauf ich mir ’ne Dauerkarte!" Man kann es ihm kaum verdenken. 08.02.644000 20:16 |
Sprücheklopfer
Ich wollte in taktischer Hinsicht ins Spiel von außen her eingreifen. Aber als der Schiedsrichterassistent die Einwechslung eines meiner wichtigsten Ergänzungsspieler übersehen hatte, wurde ich langsam ungehalten.
Christoph Daum